Umstrittene Nagra-Sondierbohrungen

Am Montagabend trafen sich in der Turnhalle Chapf in Bözberg Interessierte aus dieser Gemeinde und aus Remigen zum Informationsanlass betreffend Sondierbohrungen der Nagra in diesen zwei Kommunen.

Peter Reibe (BFE), Bernd Frieg und Markus Fritschi (Nagra)
Peter Reibe (BFE), Bernd Frieg und Markus Fritschi (Nagra) (Bilder: em)

von
Esther Meier

25. Oktober 2016
06:45

Zwei Vertreter der Nagra – Markus Fritschi und  Bernd Frieg – sowie der BFE-Fachmann Urs Bachmann wurden durch Thomas Frei vom BVU des Kantons in ihren Darlegungen unterstützt. 


Sondierbohrungen

Wo sind die Sondierbohrungen im gesamten Verfahren einzuordnen? Markus Fritschi erinnerte an die Zwilag Würenlingen, wo in Castorbehältern die radioaktiven Abfälle zwischengelagert sind. In den Untergrund damit will man aus Gründen der Sicherheit im politischen Sinn. Wer weiss schon, wie es in 1'000 Jahren geschweige denn in zehntausend oder hunderttausend Jahren in Europa politisch aussehen wird? Man denke an die zerbombten Städte aus dem Zweiten Weltkrieg, keiner weiss, wie sich die Gesellschaft bis dann entwickeln wird. Die bisherige systematische Prüfung hat ergeben, dass sich das Gebiet Jura Ost neben Zürich Nordost besonders gut für Tiefenlager eignen würde. Nun müssen vorläufige Prüfungen durch geologisch-hydrologische Erkundungen des Untergrunds bestätigt und zusätzlich gesichert werden. Die Nagra reicht genügend Sondiergesuche ein, um den äusserst langwierigen Prozess nicht noch zusätzlich in die Länge zu ziehen.


Bohrplatz

Bernd Frieg erläuterte die geologische Beschaffenheit bei den gewählten Plätzen. Besonders geprüft werden sollen die Barriere-Eigenschaften des Opalinustons und des angrenzenden Gesteins mithilfe von bis zu drei Bohrungen. Diese erfolgen innerhalb von einem halben bis zu einem ganzen Jahr. Die Zahl der Bohrungen ist noch offen, da die Resultate über den weiteren Verlauf der Untersuchungen entscheiden. Auf dem Bohrplatz müssen neben Labor- und Umkleideräume weitere Container und Depots untergebracht werden. Der bestmöglichen Minimierung von Lärmemissionen wird grosses Gewicht beigemessen. Der Aushub wird entsprechend für die Dämmung genutzt sowie weitere Massnahmen getroffen. Schliesslich müssen neben allen Natur- und Landschaftsschutzmassnahmen auch die herkömmlichen Grenzwerte eingehalten werden. Ein Bohrfeld wird rund 60 auf 40 Meter gross sein. Die Rekultivierung erfolgt nach allen notwendigen senkrechten und schrägen Bohrungen. Der Bohrkeller bleibt unterirdisch erhalten.


  • Markus Fritschi
    Markus Fritschi
  • Bernd Frieg und Markus Fritschi, Nagra
    Bernd Frieg und Markus Fritschi, Nagra

BFE als Drehscheibe

Wie Peter Reible ausführte, übernimmt das BFE die Funktion einer Drehscheibe für allfällige Einsprachen, die innerhalb der vorgeschriebenen Frist von 30 Tagen eigereicht werden müssen. Zuerst prüft das BFE die Vollständigkeit der unterbreiteten Dokumentation. Danach erfolgt die öffentliche Auflage, frühestens im ersten Quartal 2017. Gemeinden sind ebenfalls einsprachberechtigt. Bewilligungen können frühestens im Herbst 2018 erteilt werden. Das heisst, die Bohrungen beginnen nicht vor 2019. Diese Verfahren sind kostenlos. Ein Weiterzug an höhere Instanzen wird kostenpflichtig sein.


Publikumsfragen

Aus dem Publikum kam die Frage, warum die Anzahl der Bohrungen noch nicht festgelegt sei. Die Antwort darauf lautete, dass sich die Nagra ihre grösstmögliche Flexibilität sichern will, da andernfalls dieses bereits immens aufwendige Verfahren mit noch länger dauern könnte. Der Alpenraum ist ungeeignet für Tiefenlager, da dort zu viel Wasser fliesst. Der Landschaftsschutz bei den Vierlinden wurde moniert. Doch die Bohrplätze sind nur temporär, nach spätestens einem Jahr wird alles ausser dem Bohrkeller wieder abgebaut. Wie gesagt sind auch alle Auflagen von Schutzwürdigkeit eingehalten. Nicht vergessen darf man, dass von den acht heute benannten Gebieten maximal zwei  wirklich für Bohrungen genutzt werden. In Remigen und Bözberg besteht eine gewisse Nähe zu besiedeltem Gebiet, doch lässt sich dies nicht anders bewerkstelligen. Lichtemissionen unterstehen genauso öffentlichen Beschränkungen wie der Lärm. Mit den heutigen LED-Lampen ist kaum eine Beeinträchtigung des Nachthimmels auszumachen. Was die Erdbebensicherheit betrifft, so sind nur Hochbauten auf der Erdoberfläche gefährdet. Dies sieht man in Japan, wo die Tunnels trotz aller Erdbeben sehr sicher sind.

Ein Zuhörer wünschte eine derartige Informationsveranstaltung der Nagra in Villnachern. Falls die Gemeinde dies will, sind die Fachleute gerne dazu bereit. Finanzielle Entschädigungen für die allenfalls betroffene Region sind nicht vorgesehen. Dies wird gehandhabt wie bei der übrigen Infrastruktur des Landes. Erwähnt wurde das Testlabor Mont Terri bei St-Ursanne, wo der Opalinuston geprüft wird. Besuche von Gruppen ab acht Personen können dort vereinbart werden. Eine Transmutation der Atomabfälle, also ein Abbau der Radioaktivität, würde riesige Kernkraftwerke verlangen, wie sie heute keiner mehr will. Zudem könnte eine vollständige Transmutation kaum erreicht werden. Die Abfälle müssen auf unserer Erde gelagert werden, da der Raketenbetrieb in den Weltraum zu unsicher ist. Damit war die Fragerunde abgeschlossen auch wenn wohl nicht alle Zweifel ausgeräumt werden konnten.

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