«Unsere Post muss bleiben!»

Mehr als 3300 Unterschriften hat das Komitee «Pro Post Hausen» innert Kürze gesammelt. Enttäuscht ist man über das Verhalten der Post.

Gelbe Briefkästen: Bis 31. März werden weitere Unterschriften gesammelt
Gelbe Briefkästen: Bis 31. März werden weitere Unterschriften gesammelt (Bilder: es)

von
Erik Schwickardi

28. März 2018
09:00

«Das Echo ist überwältigend», sagt Gemeinderätin Sabine Rickli (SVP). Innert Kürze sind mehr als 3300 Unterschriften für die Petition «Unsere Post muss bleiben!» eingegangen. Täglich zieht sie bis zu 50 Unterschriften-Bogen aus den gelben Einwurf-Boxen, die beim Huserhof und bei der Metzgerei Lüthi platziert sind. Huserhof-Besitzer und Komitee-Mitglied Roger Widmer hat die beiden gelben Einwurf-Boxen eigenhändig gezimmert – fast schöner als die Briefkästen der «echten» Post. Diese will die Bevölkerung in Hausen künftig nicht mehr in einer eigenen Poststelle bedienen. «Das passt unserer Bevölkerung gar nicht», sagt Reto Blumer vom Komitee «Pro Post Hausen». Die geplante Schliessung der Poststelle hat die Bevölkerung enorm getroffen, das Thema wird äusserst emotional diskutiert. «Niemand versteht, warum  die gut frequentierte Postfiliale mit dem beliebten Posthalter-Paar Käthi und Hans Ott geschlossen werden soll», bekräftigt er. 

 

Überwältigt vom Echo

«Das immense Engagement der Bevölkerung hat uns selbst überrascht», erklärt Hermann Zweifel, SVP-Mitglied und selbst Komitee-Mitglied: «Wir haben vielleicht mit 1000 oder 1500 Unterschriften gerechnet, aber nicht mit aktuell nun schon mehr als 3300 Unterschriften!» Dass sich die Hausemer Bevölkerung zusammen mit Postkunden aus den Nachbargemeinde derart vehement für ihre Poststelle einsetzt, freut das Komitee «Pro Post Hausen» ungemein. «Eine Poststelle ist das Herzstück einer Gemeinde – wir wollen sie nicht verlieren», bekräftigt Hermann Zweifel das parteiübergreifende grosse Engagement der Hausemerinnen und Hausemer. «Hausen ist eine boomende Wachstumsgemeinde mit steigender Bevölkerungszahl (aktuell sind es 3608 Einwohner). Zu einer guten Infrastruktur für Firmen und Gewerbe gehört auch eine Poststelle.»

 

«Post verhält sich beschämend»

Enttäuscht ist man in Hausen über das Verhalten der Schweizer Post. «Eine plausible Begründung, weshalb die Poststelle Hausen geschlossen werden soll, haben wir nie erhalten», erklärt Hermann Zweifel. Ein Fragenkatalog des Hausemer Komitees, der via Gemeindebehörden am 5. März eingereicht wurde, ist bis heute unbeantwortet geblieben. «Die Post rückt die Facts nicht heraus. Es darf stark bezweifelt werden, dass die Poststelle in Hausen defizitär ist.» Zudem können Poststellen gemäss Postverordnung erst nach Anhörung der Standortgemeinde und Information an den Kanton aufgehoben werden. «Ich habe den Eindruck, dass man uns vor vollendete Tatsache stellen will. Man will uns gar keine Chance geben», sagt Roger Widmer. «Das ist für mich eine Diskussions-Verweigerung, die nicht akzeptabel ist. Vor allem von einem Bundesbetrieb, der zum Service public verpflichtet ist. Man will offenbar gar keine Lösung finden. Das Verhalten der zuständigen Postfunktionäre wirkt überheblich und beschämend.» Die Hausemer Behörden wären bei einem allfälligen Defizit der Poststelle sogar bereit, nach konstruktiven Lösungen zu suchen.

Kämpfen für ihre Post (v.l.): Sabine Rickli, Hermann Zweifel, Reto Blumer und Myrta Schaffner vom Komitee «Pro Post Hausen»
Kämpfen für ihre Post (v.l.): Sabine Rickli, Hermann Zweifel, Reto Blumer und Myrta Schaffner vom Komitee «Pro Post Hausen»

 

«Das ist wie beim KGB»

Weil die Schweizer Post (notabene ein Bundesbetrieb, der dem Volk gehört!) auch gegenüber den Hausemer Gemeindebehörden keine Fakten und Zahlen herausgibt, macht das Komitee «Pro Post Hausen» eigene Erhebungen. Freiwillige Hausfrauen und Pensionäre beobachten aus dem Café «Max & Moritz», wieviele Postkunden in der Hausemer Post ein- und ausgehen. «Das ist wie beim KGB», lacht Roger Widmer. «Weil uns die Post diese Daten verweigert, erheben wir sie nun selbst – wir wollen Facts», erklärt Hermann Zweifel. Und siehe da: Bis zu 200 Kunden besuchen die Hausemer Post täglich.

Mit einer «Variante B» (Post im örtlichen Volg-Laden) ist die Bevölkerung von Hausen nicht einverstanden.  «Wie soll man täglich 200 Postkunden im Volg-Lädeli bedienen?», fragt Hermann Zweifel. «Wir lassen uns nicht mit einer Variante B abspeisen. Bargeld-Einzahlungen und Münzwechsel etwa wären in einer Post-Agentur gar nicht mehr möglich.» Hinzu kommt die Parkplatz-Situation: Vor und um den Volg gibt es nur sieben Parkplätze.

Fazit: Die Hausemer lieben ihre Post! Umso unverständlicher ist es, dass die Schweizer Post ihre Kundschaft im Dorf gar nicht mehr bedienen will. «Die Post gehört zu Hausen wie das Dahli-Haus und das Café Max & Moritz!», sagt eine Hausemerin.

 

Info-Anlass am 5. April

Bis 31. März werden weiterhin Unterschriften von Postkunden gesammelt (Petitionsbögen können auf www.pro-post-hausen.ch ausgedruckt werden). Für den offiziellen Informationsanlass seitens der Post am Donnerstag, 5. April, 19 Uhr in der Mehrzweckhalle Hausen) ruft Gemeinderat Hermann Zweifel zu einem Grossaufmarsch der Bevölkerung auf: «Es ist uns ein Anliegen, dass möglichst viele Leute kommen und kritische Fragen stellen. Auch Kunden der Hausemer Post, die in Nachbargemeinden wohnen, sind willkommen! Kommt alle und tut euren Unmut kund!»

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