«Utinam melius et fluentius Latine loquar»

Ist Latein noch zeitgemäss? Ja, sagt Reijo Pitkäranta. Seit bald dreissig Jahren verantwortet der finnische Radioredaktor Nachrichten auf Latein.

Das Team hinter der Nachrichtensendung «Nuntii latinii», v. l.: Satu Tuominen, Suvi Randen, Outi Kaltio, Virpi Seppälä-Pekkanen, Reijo Pitkäranta, Tuomo Pekkanen, Saara Honkanen, Laura Nissin und Antti Ijäs
Das Team hinter der Nachrichtensendung «Nuntii latinii», v. l.: Satu Tuominen, Suvi Randen, Outi Kaltio, Virpi Seppälä-Pekkanen, Reijo Pitkäranta, Tuomo Pekkanen, Saara Honkanen, Laura Nissin und Antti Ijäs (Bild: zVg/Laura Mainiemi)

von
Annegret Ruoff

18. Oktober 2018
09:00

Schweizerischer Lateintag

Der sechste Schweizerische Lateintag bietet ein vielfältiges Programm an Vorträgen und Workshops. Anmelden kann man sich bis zum 19. Oktober auf der Website. 


Samstag, 27. Oktober
Kantonsschule/Kloster Wettingen
www.lateintag.ch 

Reijo Pitkäranta, salve! Quomodo vales? Wie gehts?

Et tu salve, Annegret! Gratias tibi quam maximas ago. Pancratice valeo!

Seien auch Sie gegrüsst! Danke, es geht mir bestens. Ich bin sehr robust!

 

Sie sind Dozent für lateinische Sprache und seit vielen Jahren Redaktor bei den Nachrichten «Nuntii latinii» des finnischen Staatssenders YLE. Sprechen Sie mittlerweile fliessend Latein?

Utinam melius et fluentius Latine loquar! Moris est mihi congressibus Latinis, qui in diversis terris in Europa instituuntur, interdum interesse. Ibi non nisi Latine loquimur et ego quoque occasionem habeo cum collegis peregrinis Latine colloquendi. Plerumque sermones huiusmodi admodum bene succedunt, sed non est semper facile verba idonea ad res difficiles exprimendas ex tempore  invenire. 

Ach, ich wünschte, ich könnte besser und fliessender sprechen! Ich nehme oft an lateinischen Kongressen in Europa teil. Dort halte ich Vorträge auf Latein und habe die Möglichkeit, mit meinen Kollegen Lateinisch zu sprechen. Generell gelingen diese Gespräche sehr gut. Aber es ist nicht immer leicht, aus dem Stegreif geeignete Wörter für anspruchsvolle moderne Ausdrücke zu erfinden.

 

Aktuelles Weltgeschehen, übersetzt in eine «tote» Sprache – damit hat «Nuntii latinii» seit fast dreissig Jahren
Erfolg. Wie erklären Sie sich das?

Ad hanc quaestionem respondere solemus: «Cur id non faciamus, quod alii facere neglexerunt?» Lingua Latina inde a saeculo septimo fere a.Chr.n. usque ad aetatem novam in usu fuit. Itaque nihil est, cur haec traditio longa nostris diebus interrumpatur, praecipue quod ubique fere terrarum etiam nunc Latine docetur et discitur. Multi sunt in orbe terrarum homines, qui linguam Latinam amant et studiis eius delectantur.

Diese Frage beantworten wir in der Regel mit: «Warum sollten wir nicht machen, was andere zu tun vernachlässigen?» Die lateinische Sprache war vom siebten Jahrhundert vor Christus bis zur Neuzeit in Gebrauch. Es gibt somit keinen Grund, warum wir diese lange Tradition unterbrechen müssten. Insbesondere nicht in jenen Ländern auf der Welt, wo Latein derzeit gelehrt und gelernt wird. Es gibt weltweit nun mal viele Menschen, welche die lateinische Sprache lieben und sich an ihrem Studium erfreuen.

 

Internet, Globalisierung, Burn-Out, Frauenquote und Helikopter: Das gabs im Alten Rom noch nicht. Wie übersetzen Sie solche Begriffe in die lateinische Sprache?

Interrete, globalizatio, defatigatio, numerus clausus feminarum, helicopterum.

 

Finnisch gehört zu den schwierigsten Sprachen der Welt und hat mit Latein wohl kaum etwas gemeinsam. Was hat Sie als Nordländer an der Sprache des Südens derart fasziniert, dass Sie Dozent für Latein geworden sind?

Lingua Latina in Finlandiam saeculo duodecimo una cum fide Christiana venit, quae est causa, cur in scholis nostris inde ab eo tempore Latine discatur. Egomet ipse, cum scholam frequentabam, per tres annos egregia magistra duce studia Latina exercebam, quo factum est, ut hanc linguam nec non historiam culturamque antiquam adamarem. Nec sum solus, quibus lingua Latina et historia eius peculiaris admirationi est.

Die lateinische Sprache kam im 12. Jahrhundert mit dem christlichen Glauben nach Finnland. Das ist der Grund dafür, warum bei uns seit jener Zeit Latein gelehrt wird. Ich selbst habe drei Jahre lang in der Schule Latein gelernt. Während dieser Zeit wurde ich von der Leidenschaft für diese Sprache und für die Geschichte und Kultur der Antike ergriffen. Ich bin übrigens nicht der einzige, für den die lateinische Sprache und ihre aus-sergewöhnliche Geschichte etwas Bewundernswertes sind.

 

Sie haben mittlerweile Jahrzehnte Ihres Lebens der lateinischen Sprache gewidmet. Sind Sie nun mit Ihrem Latein am Ende? 

Hoc anno ineunte mihi contigit, ut meum «Lexicon neolatinum dissertationum Academiae Aboënsis (1642–1828)» divulgarem. Nunc in animo mihi est aliquid de terminologia Graeco-Latina scribere.

Nein (lacht). Gerade dieses Jahr wurde mein neo-lateinisches Lexikon zum Sprachgebrauch des Lateins an der Universität Turku (1642–1828) veröffentlicht. Nun habe ich im Sinn, etwas über die griechisch-lateinische Terminologie zu schreiben.

Die «Nuntii latinii» werden seit dem 1. September 1989 jeden Freitag, um 18.15 Uhr, vom finnischen Rundfunk YLE ausgestrahlt. «Nuntii latinii» ist das weltweit am längsten bestehende Nachrichtenprogramm in lateinischer Sprache. Die Sendungen können auch online unter www.yle.fi/nuntii gehört werden. Auf der Website ist zudem ein «Glossarium programmatis» zu jeder Nachrichtensendung zu finden.

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