Vegane Ledertaschen im Trend

Der berühmte Zürcher Designer Francesco Rossi kommt nach Brugg. Und präsentiert seine neuste Kollektion.

Der Designer Francesco Rossi hinter seiner Nähmaschine. (Bild: zVg | Francesco Rossi)

07. Oktober 2020
12:40

Francesco Rossi

wurde in der Schweiz geboren, lebt in Zürich und ist Vater von drei Kindern. Er ist gelernter Architekt, Couturier und Gründer der Brands «ROSSIS» und «I was a bottle». Rossi entwirft seit vielen Jahren Taschen und ist ein Pionier in der Entwicklung von nachhaltigen Materialien. Der Vegan-Shopper besteht aus «veganem Leder», welches aus natürlichen und synthetischen Fasern hergestellt wird und aus Pet-Recycling-Stoff, welcher mittels eines speziellen Verfahrens aus alten Pet-Flaschen gewonnen wird.

Noch bis am 10. Oktober feiert das Obrist Bernina-Nähcenter seine Herbstmesse. Die Besucherinnen und Besucher haben dabei die Möglichkeit, auf den neusten Bernina-Modellen Probe zu nähen und die veganen Ledertaschen kennenzulernen, welche vom Schweizer Designer Francesco Rossi speziell für Bernina entworfen wurden. Der Couturier wird ausserdem als besonderes Highlight an der Messe erwartet. Im Gespräch mit «E-Journal» erklärt der Designer den scheinbaren Widerspruch zwischen vegan und Leder.


Francesco Rossi, eine Ihrer neuesten Errungenschaften ist der Shopper aus «veganem Leder». Wie kann denn Leder vegan sein?

Das Material dieses Shoppers ist ein sehr hochwertiges Kunstleder der neusten Generation aus Polyurethan, ein weiches Kunstleder – ähnlich wie Neopren. Heute sagt man dazu
«Vegan-Leder». Es lässt sich bei 30 Grad in der Maschine waschen. Was auch wiederum wegen der Reinigung nachhaltig ist.


Wie kamen Sie eigentlich auf die Idee mit diesen Fasern, welche aus Pet-Flaschen gewonnen werden?

2008 wurden mit der ETH Zürich über neun Monate lang sämtliche Prozesse innerhalb der Rossi Ltd auf ihren CO2-Ausstoss analysiert. Diverse Veränderungen im Bestellprozess, in der Produktion und vor allem im Transport und Reiseverhalten führten zu einer Reduktion von über 28 Prozent CO2.

Heute werden bei uns gebrauchte PET-Flaschen mehrheitlich gesammelt. Die Flaschen werden gereinigt, zerstückelt, zu einem Garn gegossen und schliesslich zum gewünschten Taschenstoff verarbeitet. Rossi Zürich verwendet seit 2009 wiederverwerteten PET für Futterstoffe seiner Produkte. Die «I was a bottle»-Produkte wurden 2011 lanciert und sind komplett aus wiederverwerteten Rohstoffen produziert.


Wie entwickeln Sie das Design Ihrer Taschen?

Ich überlege mir, was die Kundin gebrauchen könnte, und entwickle eine zeitgemässe Form, welche zudem funktional ist.


Wer sind Ihre Testpersonen?

Meine Mitarbeiterinnen und Freundinnen im persönlichen Umfeld.


Nähen Sie selbst auch?

Ich habe eine Ausbildung als Hochbauzeichner und Innenarchitekt und bin Couturier mit Meisterprüfung. Ich nähe alle meine ersten Taschen selber und biete bald auch Kurse dazu an.


Man hört, dass gerade junge Frauen das Nähen wieder als Hobby für sich entdecken. Können Sie das bestätigen?

Ja, diese Beobachtung ist seit Herbst 2018 ein Thema bei uns. Damals haben wir begonnen, die Nähsets zu entwickeln. Für die Menschen ist etwas selber herzustellen auch eine Bestätigung, die einem guttut. Ausserdem kann man seiner Kreativität mit diesen Nähsets freien Lauf lassen und so zum Accessoire-Designer werden.


Hat sich dieser Trend seit Beginn der Corona-Krise noch verstärkt?

Absolut. Die Menschen, die jetzt wieder Zeit haben, an der Maschine zu sitzen, entdeckten dieses tolle Hobby wieder neu für sich. An der Hausmesse in Brugg zeigen wir: Mit unseren Nähsets ist das alles kein Ding!

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