Veränderungen und Neuerfindungen

In 100 Jahren hat sich das Vereinsleben des FC Turgi stark verändert. Trotzdem soll die «Familie» noch lange erhalten bleiben.

Von 1919 bis 2019: Der FC Turgi feiert im Sommer sein rundes Jubiläum
Von 1919 bis 2019: Der FC Turgi feiert im Sommer sein rundes Jubiläum (Bild: zVg)

von
Adrian Vonlanthen

07. Februar 2019
09:55

100 Jahre FC Turgi

In diesem Jahr feiert der FC Turgi sein 100-jähriges Bestehen. Ein ganzes Wochenende lang, vom 28. bis am 30. Juni, stehen diverse Highlights auf dem Programm. Angefangen mit einem Völkerballturnier am Freitagabend und den Auftritten von zwei lokalen Bands, wird der FC Turgi am offiziellen Festakt am Samstag unter anderem Sponsoren, Ehrenmitglieder sowie hoffentlich zahlreiche Offizielle aus den umliegenden Vereinen, dem Aargauischen Fussballverband und den Gemeindebehörden. Auch der Fussball wird nicht zu kurz kommen. Am Nachmittag steht ein Juniorenfussballturnier auf dem Programm, bevor am Abend die beiden Volksmusikgruppen «Oesch’s die Dritten» und «Gerlosbluat» den Festbesuchern einheizen. Am Sonntag folgt das legendäre «Supergame» und ein Kinderprogramm mit dem in der Region bestens bekannten Clown Billy. Der FC Turgi lädt die Bevölkerung heute schon ein, diesem besonderen Anlass beizuwohnen.

News und Infos sind auf der Home­page www.seit1919.ch ersichtlich.

Die Türe zum Clubhaus klemmt leicht. Der Raum dahinter präsentiert sich so, wie man sich eine Clubbeiz vorstellt. Eine Theke, diverse Tische. Einfach eingerichtet und trotzdem versprüht der Raum einen gewissen Charme. Ein heimeliges Gefühl macht sich breit – in einem Moment des Innehaltens sieht man vor dem inneren Auge die feiernden Gäste an den Tischen sitzen, hört das Gelächter, die Stimmen, die durch die kleinen Fenster nach draussen dringen. An diesem Montagabend ist es ruhig im Clubhaus. Nur Präsidentin Maya Senn, ihr Mann René Senn und Ehrenpräsident Peter Schlunegger sitzen an einem Tisch und freuen sich, über den Verein zu sprechen, der ihnen allen am Herzen liegt.

 

Glorreiche Jahre

Die sportlich erfolgreichsten Jahre erlebte der FC Turgi in den 50er- und 60er-Jahren. Der Durchbruch gelang 1948 mit dem erstmaligen Aufstieg in die 2. Liga. Der Aargauer Fussballverein machte sich als gefürchteter Cup-Schreck einen Namen. 1964 gelang dem Team der Aufstieg in die 1. Liga. Es ist die Blütezeit des Turgemer Fussballs. Damals waren die Heimspiele des Vereins regelrechte Volksfeste, an denen regelmässig 800 bis 900 Personen zugegen waren. Die Zeiten haben sich geändert. «Heute kann die Präsidentin alle Zuschauer persönlich begrüssen», schmunzelt Peter Schlunegger.

Aktuell spielt die erste Mannschaft des FC Turgi in der dritten Liga und kämpft in der Rückrunde, die Ende März beginnt, gegen den Abstieg. Die Zuschauer sind zwar weniger geworden, dafür ist die Mitgliederzahl in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. 18 Teams zählt der Verein und rund 300 Fussballerinnen und Fussballer. Die gewachsene Mitgliederzahl bringt die Infrastruktur und die Vereinsführung an ihre Grenzen. Aber dazu später mehr.

René Senn, Maya Senn und Peter Schlunegger freuen sich auf das 100-Jahr-Jubiläum
René Senn, Maya Senn und Peter Schlunegger freuen sich auf das 100-Jahr-Jubiläum (Bild: av)

 

Eine andere Zeit

Die A-Junioren-Abteilung des FC Turgi war Ende der 1950er-Jahre das Aushängeschild des Vereins. «Wir spielten Inter A1», erinnert sich Ehrenpräsident Schlunegger, «die höchste Nachwuchsklasse, vergleichbar mit den heutigen U-Mannschaften.» Damals gehörten der FC Basel, der Grasshoppers Club oder der FC Luzern zu den illustren Gästen, die der FC Turgi auf dem Fussballplatz an der Steigstrasse empfangen durfte. Spätere Schweizer Fussballnationalspieler wie Karl Odermatt oder Kurt Müller kickten auf der «Steig». Die Zeiten haben sich geändert.

Vor ein paar Jahren musste der Verein die A-Junioren-Mannschaft zurückziehen. Es fehlten die Spieler. «Früher gab es den Fussballclub, den Turnverein, die Musikgesellschaft und die Feuerwehr. Heute ist das Freizeitangebot riesig. Viele Spieler, die mit sechs oder sieben Jahren in die Jugendabteilung des Vereins eintreten, hören wieder auf oder wechseln in andere Vereine», erklärt René Senn, der einige Jahre als Präsident aktiv war und heute noch mitwirkt beim FC Turgi. Vereine hätten es schwer, sind sich die drei FC-Turgi-Vertreter einig. Nicht nur die Fussballvereine. Insbesondere Vereinsmitglieder zu finden, die über mehrere Jahre aktiv sind und für den Verein ehrenamtlich arbeiten, sei immer schwieriger. Nichtsdestotrotz ist die Lust auf Fussball ungebrochen, was sich in der Statistik der Mitgliederzahlen des FC Turgi widerspiegelt. Eine Nachfrage, welche die bescheidene Infrastruktur nicht bewältigen kann.

 

Lichtblick Oberau

Aktuell stehen dem Verein für 18 Teams lediglich vier Kabinen zur Verfügung. Der Rasen auf der «Steig» wird pro Woche rund 40 Stunden bespielt, schätzt Peter Schlunegger. An Wochenenden beginnen die ersten Partien um 10 Uhr morgens, und es dauert bis 22 Uhr abends, bis das Flutlicht ausgeht. Die Teams mit den spätesten Trainingszeiten spüren die Kapazitätsgrenze der Anlage vor allem nach dem Fussballspiel. «Die 2. Mannschaft duscht regelmässig kalt», weiss Schlunegger. Doch lange muss der FC Turgi nicht mehr in diesem Zustand ausharren. Die Baupläne für den Sportplatz Oberau, der ennet der Limmatbrücke auf Untersiggenthaler Gemeindeboden geplant ist, hatten im Februar letzten Jahres grünes Licht bekommen. Geplant sind vier Fussballplätze und ein Vereinsgebäude, das unter anderem sechs Garderoben beinhaltet. Im vergangenen Dezember wurde die öffentliche Ausschreibung vollzogen, der Spatenstich soll im laufenden Jahr folgen.

Geht der Zeitplan auf, kann der FC Turgi die Saison 21/22 auf der neuen Sportanlage spielen. Die Vorfreude ist riesig. «Wir erhoffen uns durch die neue Anlage einen Aufschwung für die Zukunft», sagt Vereinspräsidentin Maya Senn. Spieler, die den Verein aufgrund der bescheidenen Infrastruktur verlassen hatten, würden womöglich zurückkommen oder aber den Verein gar nicht erst verlassen. Man hofft darauf, die Jugendabteilung stärken zu können, was schliesslich der 1. Mannschaft in sportlicher Hinsicht gut tun würde. Könnte man sich in der 3. Liga etablieren und vielleicht früher oder später auch um den Aufstieg in die 2. Liga mitspielen, würde das den Junioren wiederum eine sportlich attraktive Perspektive schaffen. Viel wichtiger als ein Aufstieg oder irgendein anderes sportliches Ziel ist der Präsidentin aber, dass der Zusammenhalt im Verein bestehen bleibt. «Das Familiengefühl, das bei uns herrscht, soll noch viele Jahre erhalten bleiben», nennt Maya Senn das wichtigste Ziel für die Zukunft und erhält dabei zustimmendes Nicken von René Senn und Peter Schlunegger.

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