Viel Rauch um viel Feuer

Unter Anleitung von Experten der Hilfsorganisation @fire fand im Ehrendinger Wald eine Kader-Weiterbildung der Feuerwehr statt. 

Mit sogenannten Patschen wird das Feuer ausgeklopft
Mit sogenannten Patschen wird das Feuer ausgeklopft (Bilder: af)

25. Juni 2020
09:00

Für Uneingeweihte muten die Szenen im Wald wohl etwas seltsam an. Menschen mit Helm und in dicker Kleidung, die mit Rechen und Beil in der Hand durch das Laub laufen, um dann den Boden umzugraben. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das Szenario als praktische Übung der ­Kadermitglieder der Feuerwehren Ehrendingen-Freienwil, Obersiggenthal, Schneisingen und Wehntal. Unter Aufsicht von Peter Zbinden und Michael Krebs von @fire, einer gemeinnützigen Hilfsorganisation, die sich in der Ausbildung für den Einsatz bei Waldbränden engagiert, wird eine Haltelinie erstellt. 

Dies bedeutet, dass brennbares Material rund um das Feuer entfernt wird, damit sich dieses nicht weiter ausbreiten kann. Denn bei einem Wald- oder Feldbrand bekämpft man nicht die grossen Flammen, sondern man verhindert in erster Linie deren weitere Ausbreitung. 

Zuerst wird das richtige Vorgehen im Fall eines Waldbrands an einem Modell beim Tägertschihof dargestellt. Wo positioniert man das Tanklöschfahrzeug, wo befindet sich der Ankerpunkt, von dem aus der «Angriff» gestartet wird, wo der Sammelplatz, und wie sind die Fluchtwege? Alles Fragen, die zuerst zu klären sind. Wie bei jedem anderen Einsatz der Feuerwehr gilt es dabei, einen kühlen Kopf zu bewahren. 

Danach werden die Teilnehmer auf zwei Posten aufgeteilt. An einem unterrichtet Michael Krebs Werkzeugkunde. Um eine Haltelinie zu ziehen, braucht es unter anderem eine sogenannte Pulaski, eine Kombination von Beil und Hacke. Aber auch speziell angefertigte Rechen und Schaufeln werden verwendet, denn die Haltelinie kann je nach Bodenbeschaffenheit zwischen fünf Zentimeter bis einen halben Meter tief werden. 

Mit Windmaschine verstärkt

Am Posten von Peter Zbinden wird das in der Theorie Gelernte dann an einem supponierten Feuer zwischen Absperrbändern geübt. Welche Haltelinie man wählt – ob direkt am Feuer oder etwas weiter entfernt davon – hängt unter anderem von der Topografie und der Ausbreitungs­geschwindigkeit ab. Auch werden die Teilnehmenden nochmals auf die Gefahren hingewiesen. Nicht nur das Feuer selbst ist ein Risiko für die Feuerwehrleute, auch herunterfallende Äste oder im Gebirge sogar Geröll, sogenannte Witwenmacher, stellen eine Gefahr dar. Weiter besteht natürlich Stolpergefahr. Nicht zu unterschätzen ist auch die Erschöpfung, vor allem die Dehydration der Einsatzkräfte. 

Dass die Teilnehmenden den Inhalt verstanden haben, stellen sie beim letzten Posten unter Beweis, als endlich ein richtiges Feuer in Spiel kommt. Auf einer Waldlichtung wird Stroh verteilt und angezündet. Da es in den vergangenen Tag viel und häufig geregnet hat, ist dies vertretbar. Nachdem die Feuerwehrleute das erste Feuer gut und rasch in den Griff bekommen, wird das restliche Stroh nochmals entzündet und nun durch eine Windmaschine verstärkt. Innert kürzester Zeit lodern vier Meter hohe Flammen, die Rauchwolke reicht bis in die Baumkronen. Auch dieses Feuer hat die Gruppe schnell im Griff, indem sie das brennende Stroh mit Patschen löscht – nicht mit Wasser, sondern durch Ausklopfen. Rundherum wird es dabei mehrere 100 Grad warm. 

Damit auch kein Glimmbrand zurückbleibt, wird im Anschluss alles gründlich mit Wasser abgelöscht. Als die Feuerwehrleute ihre Helme und Jacken wieder ausziehen, wird auch klar, dass das mit der Dehydration nicht einfach nur dahingesagt war. Natürlich stehen genug Getränke bereit, um den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen. 

War dieser Artikel lesenswert?
0

Wir setzen uns mit Herzblut und Know-how für gute Geschichten aus Ihrer Region ein. Wenn auch Sie hochwertigen Journalismus schätzen, können Sie uns spontan unterstützen. Wir danken Ihnen – und bleiben gerne für Sie am Ball.

Kommentare (2)

  • Rudolf Jungen
    Rudolf Jungen
    vor 1 Woche
    Gutern Bericht. Ich wünsche mir, dass die Feuerwehr auch im Bereich Starkregen, Gewitter-Überflutungen zur schnellen effizienten «Wehr» und mit leichten, schnellen, Geräten ausgerüstet wird. www.hochwasser-schutz.ch
  • Pesche Zbinden
    Pesche Zbinden
    vor 1 Woche
    Toller Bericht! Vielen Dank, Anna Käthi Fitze.

Neuen Kommentar schreiben

«Gesundheit ist die Basis»

Jungunternehmer Timon Baumgartner möchte die Lebensqualität der Menschen… Weiterlesen

Der Siggenthaler Wirbel hat gewirkt

Der Kanton geht beim Teil­konzept Baden-Wettingen-Siggen­thal über die Bücher.… Weiterlesen

blog

Abgründige Geheimnisse – Lindsay Galvin

Nachdem ihre Mutter an Krebs verstorben ist, reisen Aster und Poppy zu ihrer… Weiterlesen

region

Ambulanter Pionier von Beginn

Vor 15 Jahren, genauer am 1. Juli 2005, wurden die ersten Patientinnen und… Weiterlesen

region

Bezchor singt das Bruggerlied

Heute wäre der Tag des Brugger Jugendfests. Wer mag, kann trotzdem in Emotionen… Weiterlesen