«Viele Nebenaugen waren unser Glück»

Die späten Frostnächte Ende April 2017 hatten bei den Winzern für schlaflose Nächte gesorgt. Das Schenkenbergertal kam jedoch glimpflich davon.

Geschäftsführer Hans Peter Kuhn (links) und Kellermeister Heinz Simmen laden ein zur Frühjahrsdegustation
Geschäftsführer Hans Peter Kuhn (links) und Kellermeister Heinz Simmen laden ein zur Frühjahrsdegustation (Bild: sha)

von
Stefan Haller

21. April 2018
09:00

Kellerverkauf und Frühlingsdegustation

Der Frühlingsverkauf in den Kellereien der Schinznacher Weinbaugenossenschaft ist längst eine schöne Tradition. Die Premiumweine wirken dank neuem Etikettendesign noch hochwertiger. Gelegenheit zum degustieren bietet sich am Freitag, 27. April, 16 bis 22 Uhr, am Samstag, 28. April, 11 bis 19 Uhr sowie am Dienstag, 1. Mai, 11 bis 17 Uhr. Besucher kommen nebst der Weinverkostung in den Genuss von 10 Prozent Einkaufsrabatt (ausser Aktionen), schmackhaften Olivenspezialitäten, auserlesenem Käse vom Appenzeller Bauernhof sowie Treberwürsten aus dem Brennhafen mit hausgemachtem Bauernbrot. Letztere drei Köstlichkeiten sind am 1. Mai nicht im Angebot. 

Hans Peter Kuhn und Heinz Simmen strahlen glücklich: «Wir sind zufrieden mit dem Jahrgang 2017, sowohl von der Menge her als auch von der Qualität», meinen der Geschäftsführer und der Kellermeister der Weinbaugenossenschaft Schinznach (WGS) unisono. Das hätte man vor einem Jahr nicht zu hoffen gewagt. «Damals haben wir zwei, drei Mal ganz schlecht geschlafen», erzählt Simmen. Was war passiert? Der März 2017 war überdurchschnittlich warm gewesen und als Folge dieser hohen Temperaturen trieben die Reben anfangs April aus. Dieser Vegetationsvorsprung von rund zwei Wochen wurde auch den Schinznacher Reben zum Verhängnis: In den Nächten vom 19. und 20. April sanken die Temperaturen weit in den Minusbereich. Es wurden Tiefstwerte von minus 5 Grad gemessen.

 

Nicht so schlimm wie befürchtet

Heinz Simmens Fazit: «Frost ist unberechenbar. Innerhalb kürzester Distanz gibt es grosse Unterschiede.» Manchmal sei es besser, nichts zu machen. Das Erwärmen des Rebbergs mit Finnenkerzen ist relativ aufwändig und bringt auch nicht immer die gewünschte Wirkung. Mit dem Einsatz von Vlies sei es ebenfalls so eine Sache – werde es falsch eingesetzt, könne es sogar kontraproduktiv sein. Doch es kam längst  nicht so schlimm wie befürchtet. Im Gegensatz zu anderen Aargauer Anbaugebieten wie in Remigen, dem unteren Aaretal oder auch im Baselbiet erholten sich die Reben im Schenkenbergertal schnell vom Temperaturschock. Bald wiesen die hiesigen Reben wieder einen Vegetationsvorsprung von rund zehn Tagen auf. Bereits Ende Mai setzte der Blühet ein. Die Monate Juli und August brachten warmes Wetter mit genügend Niederschlägen. Zum Glück gingen sämtliche Hagelzüge im Sommer am Schenkenbergertal vorbei.

Nachdem die Ernteeinbussen 2016 rund 38 Prozent betrugen, befürchteten die Verantwortlichen der WGS nach den neuerlichen Frostnächten Schlimmes. Als Gründe für die letztlich dennoch qualitativ wie quantitativ erfreuliche Ernte 2017 nennt Hans Peter Kuhn auch dies: «Nach den ­Erfahrungen mit dem 2016er Frost wurden vermehrt Frostreserven angeschnitten. Diese zusätzlichen Strecker brachten einen gewissen Ausgleich. Das Wurzelwerk der Reben erlitt keine Frostschäden und die Nebenaugen, welche nach dem Frost austrieben, waren fruchtbarer als erwartet.» Heinz Simmen ergänzt: «Die vielen Nebenaugen waren unser Glück!»  

 

Selten früher Erntebeginn 

Früh wie selten zuvor begann dann am 5. September der Leset. Bereits am 11. September erntete man die ersten Riesling-Sylvaner-Trauben. Die Blauburgunder folgten schon ab dem 27. September. Bis zum 28. Oktober wurden – während total 23 Annahmetagen – mit 670 Wägungen rund 268'000 Kilogramm Trauben in Schinznach-Dorf angeliefert. 

 

Fast die Hälfte Weisswein

Das Schenkenbergertal ist immer noch ein Weissweingebiet: Der Riesling-Sylvaner macht nach wie vor fast die Hälfte des Anbaus aus, das ist weit mehr als im Schweizer Durchschnitt. Der Weinkonsum unterliegt wie die Mode Trendwechseln und der Weisse wird im Moment wieder stärker nachgefragt. Vom Riesling-Sylvaner wurden 2017 aus den vier Herkunftsgebieten Schinznach-Dorf, Oberflachs, Thalheim und Auenstein total 66'014 kg abgeliefert. Oechslegrade wurden durchschnittlich mit 76 abgerechnet, dies bei einem Kantonsdurchschnitt von 77,6. 

Von den Blauburgunder-Trauben lieferten die Winzer total 72'832 kg ab, diese aus den Rebbergen Schinznach-Dorf, Oberflachs, Schenkenberg und Auenstein. Auch sie hatten viel Sonne erhalten und prächtig Fruchtzucker bilden können: Abgerechnet wurde mit durchschnittlich 97 Oechslegraden (Kantonsdurchschnitt 94,7). 

Total vertreibt die WGS 17 Spezialitäten-Weine, wobei die wichtigsten Traubensorten Kerner, Pinot Gris, Blauburgunder, Sauvignon Blanc, Chardonnay, Dornfelder oder Zweigelt sind. Die kleinsten Mengen stammen von Reben der Sorte Regent oder Muscat Olivier. 

 

Auszeichnungen

Die Weine aus dem Schenkenbergertal schneiden bei Prämierungen oft sehr erfolgreich ab. So wurde der Oberflachser Pinot Noir Barrique 2015 bei der Selektion «Goldener Weingenuss» des Branchenverbandes Aargauer Wein mit dem Prädikat «Höchstbenotet in der eingereichten Kategorie» bewertet. Und bei der Staatsweinprämierung gratulierte die regierungsrätliche Staatsweinkommission zur Finalteilnahme in der Kategorie Riesling-Sylvaner mit dem Schinznacher Winzer-Wy 2016. Das Gütesiegel «Best of Swiss Wine» tragen die 300 erfolgreichsten Schweizer Weine. Seit dem Jahrgang 2009 gehört der Schinznacher Sauvignon Blanc zu diesen exzellenten Weinen. Neu ab dem Jahrgang 2016 auch der Schinznacher Pinot Noir Winzer-Wy. Zudem erreichte der Schinznacher Sauvignon Blanc 2016 das Silberdiplom an der nationalen Weinprämierung Grand Prix du Vin Suisse

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