Vietnamesische Vizepräsidentin zu Gast

Die Schweiz, aber auch die FHNW Brugg-Windisch pflegen gute Beziehungen zu Vietnam. Dies wurde beim Besuch der Vizepräsidentin des Staates klar.

Dang Ngoc Thinh und Rolf Schaeren (Bildmitte, vorne) tauschen Geschenke aus (Bild: em)

von
Esther Meier

10. Juli 2019
09:00

Neben hochrangigen politischen Vertretern fanden sich am vergangenen Samstag im Studiensaal der FHNW auch die Botschafterin Vietnams in der Schweiz und weitere Missionsangestellte sowie zahlreiche im Ausland lebende Vietnamesen ein. Der vollständige Namen ihres Landes lautet sozialistische Republik Vietnam, womit die politische Ausrichtung klar wird. Ihre Exzellenz – offizieller Titel – Vizepräsidentin Dang Ngoc Thinh, die kurzzeitig als Präsidentin amtete, besuchte das Weltwirtschaftsforum der Frauen in Basel. Sie traf auch den Schweizer Bundespräsidenten Ueli Maurer. Denn wie Regierungsrat Alex Hürzeler später berichtete, hatte die Schweiz bereits 1971 diplomatische Beziehungen zu Vietnam aufgenommen. Die Zusammenarbeit der beiden Länder reicht also fast 50 Jahre zurück. Der Regierungsrat lobte auch die Kooperation der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW mit dem südostasiatischen Land, das 1976 aus der Fusion von Süd- und Nordvietnam entstand. Hürzeler betonte den Stolz auf die FHNW, die ein Aushängeschild für den Kanton darstelle, ebenso wie Hightech Aargau. 

Crispino Bergamaschi, Präsident der gesamten Fachhochschule, freute sich ganz besonders über den Besuch, da er zwei Stunden später seine Reise nach Vietnam antreten konnte. Anhand verschiedener Folien, die vor allem das vietnamesische Publikum fleissig ablichtete, erläuterte er die breit gefächerten Aufgaben der FHNW. In den vier Kantonen besuchen 12'419 Studierende die FH, die von fast 3000 Mitarbeitenden betreut werden. Er wies vor allem auf die praxisbezogene Projektarbeit der Studierenden sowie auf die politischen Eigenheiten der Schweiz hin wie durchlässiges Schulsystem, die direkte Demokratie und das Milizsystem. «Kein Kind soll draus­sen bleiben» – diesen Ausspruch nahm Vizepräsidentin Dang Ngoc Thinh später gerne wieder auf. Sie freute sich, auch Studierende im Publikum zu sehen. Denn wie Rolf Schaeren, stellvertretender Direktor der FHNW, ausführte, unterhält die FHNW ein internationales Programm für Studierende. Sie können nach einer intensiven Vorbereitungswoche zwei Woche im Ausland verbringen: in Vietnam, in den USA, China oder Indien. Die Vizepräsidentin zeigte sich tief beeindruckt von der Biografie von Emily Kempin-Spyri, einer Nichte von Johanna Spyri, die auswanderte, weil sie in Zürich nicht Dozentin für Jura werden durfte. Sie gründete 1888 in New York das Women Law College. Doch auch in Amerika wurde ihre Anwaltstätigkeit nicht geduldet. Dies hatte Thinh am Weltwirtschaftsforum der Frauen in Basel erfahren. 

 

Intensiver Praxisbezug 

Der Gast wünschte sich im Anschluss Gespräche mit Studierenden, um ihre Wünsche und Visionen kennenzulernen. Sie strich die Bedeutung der bilateralen Zusammenarbeit mit der Schweiz heraus. Die FHNW beeindruckte sie vor allem wegen des intensiven Praxisbezuges. Das folgende, auf Englisch gehaltene Referat von Rolf Schaeren, stellvertretender Direktor FHNW, wurde wieder live auf Vietnamesisch übersetzt. Zwei praktische Projekte stellte er kurz vor. Eines davon hatte seinen Ursprung in der Reise eines Studenten nach Vietnam. Da ihm die Sprache fremd war, bedruckte er kurzerhand ein T-Shirt mit den wichtigsten Piktogrammen. Daraus wurde sogar ein Geschäft, verkaufte er doch innerhalb weniger Monate mehr als zehntausend Stück davon. Jährlich beschäftigen sich die Studierenden der FHNW mit rund 450 Projekten, die direkt den Unternehmen zugutekommen. Nguyen Thi Tuyet Minh, Vorsitzende der Vietnam Women Entrepreneurs Council, beleuchtete Herausforderungen und Chancen, denen sich berufstätige Frauen und Unternehmerinnen gegenüber sehen. Besonders freute sie sich, dass Rolf Schaeren in Kürze nach Vietnam fliegen sollte. Sie bat ihn, sich doch etwas Zeit zu nehmen für ihre Vereinigung, um die beiderseitigen Beziehungen zu pflegen. 

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