Villa Langmatt: «Juwel für alle»

Anfang Juni tagt der Badener Einwohnerrat im Trafo. Eines der Haupttraktanden beschäftigt sich mit der Zukunft der Langmatt.

Garten der Villa Langmatt: Sie beherbergt den wertvollsten Kunstschatz des Kantons Aargau (Bild: pg)

19. Mai 2020
14:10

Nebst Geschäftsbericht, der erfreulich abschliessenden Gesamtrechnung 2019 sowie einem Kreditantrag für die Fassadensanierung am Bezirksgebäude beinhaltet die Traktandenliste zwölf weitere Geschäfte. Die Abarbeitung, so Stadtammann Markus Schneider (CVP) anlässlich der Medienorientierung, soll daher priorisiert werden. Ganz sicher behandelt werden soll das umfangreichste und bedeutendste Geschäft: die Zukunft des Kunst- und Wohnmuseums Villa Langmatt. Vor 30 Jahren öffnete die Stiftung Langmatt die Türen der von Karl Moser erbauten Jugendstilvilla für die Öffentlichkeit. Die rund 50 Gemälde umfassende Impressionistensammlung wird als wertvollster Kunstschatz des Kantons Aargau bezeichnet. Das Wohnmuseum gewährt dem Publikum aller Generationen mit wechselnden Ausstellungen, facettenreichen Veranstaltungen interessante Einblicke in das grossbürgerliche Wohnen der Belle Epoque.

 

Substanzverlust vermeiden

In seinen Erläuterungen hält Stadtrat Erich Obrist (parteilos), Vorsteher Gesellschaft/Kultur, fest, dass dem nun vorliegenden Geschäft eine langjährige und intensive Vorbereitung zugrunde liegt. Im Januar 2011 beauftragte der Einwohnerrat den Stadtrat mit der Erarbeitung der baulichen, betrieblichen und rechtlichen Entscheidungsgrundlagen rund um das Museum Langmatt. Im August 2016 wurden dem Einwohnerrat die erfolgten Abklärungen unterbreitet. Diese zeigten im Wesentlichen, dass dringende bauliche Sofortmassnahmen nötig sind, um den Betrieb sicherzustellen und das kantonale Schutzobjekt vor Substanzverlust zu schützen. Einem Investitionsbeitrag von insgesamt 645'000 Franken für bauliche Sofortmassnahmen für die Jahre 2016 bis 2020 wurde zugestimmt. Gleichzeitig gelangte man aber auch zur Erkenntnis, dass die Langmatt als kantonales Schutzobjekt in den kommenden Jahren umfassend saniert und umgebaut werden muss. Eine erste bauliche Studie zeigte je nach Ausführung einen Investitionsbedarf von 10 bis 20 Millionen Franken. Der Einwohnerrat beauftragte den Stadtrat im Januar 2017 mit der Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie. Diese liegt nun vor.

 

Bilderverkauf zur Mittelbeschaffung

Den Lead für die Instandsetzung und die Übernahme der Planungskosten bis hin zu einem Bauprojekt soll durch die Stiftung übernommen werden. Abklärungen haben auch ergeben, dass für die Ausführung des Bauprojekts die Gründung einer Aktiengesellschaft möglich ist. An dieser würden sich Stadt und Stiftungsrat substanziell beteiligen. Die zusätzlichen Mittel zur Deckung der Betriebskosten sollen durch die Stiftung aufgebracht werden. Dazu ist ein gezielter Bilderverkauf geplant, welcher jedoch den Kernbestand der Sammlung nicht beeinträchtigen soll. Der Erlös, so ist man überzeugt, würde es der Stiftung ermöglichen, einen bedeutenden Anteil an eine nachhaltige Betriebssicherung zu leisten. Man würde es natürlich begrüssen, so Erich Obrist, wenn die Bilder als Leihgaben im Museum verbleiben könnten.

 

Unterhalt ist Werterhalt

Wie der Vorlage entnommen werden kann, unterstützt der Stadtrat die Stiftung in ihrem Ansinnen, die als «C» bezeichnete Variante umzusetzen und damit die grösstmögliche Wirkung zu erzielen. Dieser Weg stärkt das städtische finanzielle Engagement – sowohl den Betrag an die Instandsetzung wie auch die künftigen Kulturförderbeiträge – am stärksten im Wert. Unter diesen Umständen sind sowohl der Stadtrat als auch der Kanton bereit, sich substanziell an der Instandstellung zu beteiligen. Über die Höhe der Beteiligung wird der Einwohnerrat auf der Grundlage eines Vorprojekts zu entscheiden haben. Von den Vorteilen der erwähnten Variante würde nicht nur das Publikum profitieren. Es ergäbe sich auch eine deutlich höhere Wertschöpfung für Dritte, mit denen Kooperationen aktiv gepflegt werden könnten. Dabei stehen Zusammenarbeiten mit der Stadt Baden, Kulturinstitutionen und insbesondere auch Unternehmen vor Ort wie dem Kongresszentrum Trafo oder Partnerfirmen im Fokus. Für die Sicherstellung der baulichen Substanz der Liegenschaft wird nun dem Einwohnerrat ein Investitionsbeitrag von total 453'000 Franken für bauliche Sofortmassnahmen von 2021 bis 2025 unterbreitet.

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