Visionen für die Brugger Vorstadt

Mit dem bevorstehenden Projekt zur Sanierung der Kantonsstrasse soll auch die Vorstadt aufgewertet werden. Nun wurden Visionen gesammelt.

Imposant: Blick vom Schützengarten auf das Wahrzeichen von Brugg. (Bilder: aru)

02. September 2020
14:47

Zollplätzli, Steiggüetli, Schützengarten, Farbturm und Hansfluhsteig: Kaum jemand nennt die Orte und Gebäude in der Brugger Vorstadt noch beim Namen. «Die Vorstadt ist aus dem Bewusstsein der Bruggerinnen und Brugger verschwunden – sie ist zum Unort geworden», hiess es denn auch im Plenum zum Schluss der von Jürg Dietiker und Peter Schmidlin am 29. August initiierten Veranstaltung «Entdeckungsreise in die Vorstadt». Vier Stunden lang machten sich rund 25 Teilnehmende auf, die versteckten Perlen vis-à-vis der Altstadt zu entdecken. Nach einleitenden Worten seitens der Veranstalter im Hof des Zimmermannhauses begaben sich die Vertreterinnen und Vertreter von Kanton, Stadt, Expertenseite und Anwohnerschaft auf eine individuelle Tour – so wagten sie einen Blick in verborgene Gärten, suchten nach stillgelegten Brunnen und zugemauerten Toren, wagten den Abstieg in die ehemalige Badi (siehe Artikel «Als das Flussbaden populär war) und bewunderten das öffentliche Toilettenhäuschen mit der schönsten Aussicht von ganz Brugg (siehe Bild unten). Dabei machten sie sich Gedanken und Notizen, die sie – nach einem Austausch beim Apéro – im Plenum im Effingerhof zusammentrugen.

 

  • Jürg Dietiker bei der Einführung im Hof des Zimmermannhauses.
  • An der ehemaligen Flussbadi.
  • An der ehemaligen Flussbadi, mit Blick auf die Altstadt.
  • Einstieg bei der ehemaligen Flussbadi.
  • Renovationsbedürftig: Häuserzeile an der Baslerstrasse.
  • Zollplätzli in der Vorstadt.
  • Eingang an der Baslerstrasse rauf zur Herrenmatt.
  • Brunnen direkt an der Baslerstrasse.
  • Wehrgang beim Freihof.
  • Wehrgang beim Freihof.
  • Zugemauertes Stadttor.
  • Farbturm in der Vorstadt.
  • Park beim Zimmermannhaus.
  • Eintritt zum Garten hinter dem Zimmermannhaus.
  • Treppe vom Schützengarten zur Aare runter.
  • Terrasse beim Schützengarten – mit Sicht auf die Aareschlucht und das Wahrzeichen von Brugg.
  • Visionärer Austausch im Effingerhof.

 

«Das Herz von Brugg»
Dabei wurde deutlich: Die Vorstadt hat enormes Potenzial. Wo seit Jahren der Verkehr zur bestimmenden Tangente geworden ist, sollte nach Meinung der Teilnehmenden wieder die Aare das Zepter übernehmen. Damit dies gelingt, müsste der Blick geweitet und der öffentliche Raum zur Begegnungszone werden. «Warum nehmen wir nicht das Modell ‹Shared Space› Köniz zum Vorbild?», fragte eine Teilnehmerin. Vor der Sanierung 2001 präsentierte sich das Zentrum der Berner Gemeinde als verkehrsorientierte Ortsdurchfahrt, alle Kreuzungen wurden mit Ampeln gesteuert. 2005 wurde dann ein fussgängerstreifenloses Ortszentrum mit Tempo 30 und frei querenden Fussgängern getestet und aufgrund der guten Erfahrungen definitiv eingeführt. Die Koexistenz, die schweizweit als Vorbild gilt, brachte nicht nur den grossen Verkehrsstrom optimal zum Fliessen, sondern auch wesentlich mehr Passanten in die lokalen Restaurants, Geschäfte und zu den Sehenswürdigkeiten. Dies war auch ein zentrales Anliegen von Stadtrat Reto Wettstein. «Es braucht anziehende Orte ‹ännet der Aare›, welche die Touristen von Vindonissa her zum Schwarzen Turm und bis über die Brücke locken», monierte er. Zum Schluss waren sich die Teilnehmenden einig: Die Chance, die sich mit der geplanten Sanierung der Kantonsstrasse bietet, muss genutzt werden. «Schliesslich ist die Vorstadt das Herz von Brugg», resümierte ein Teilnehmer mit Verweis auf das Wappen und den Namen der Stadt.

Die Visionen, die von der Aarebadi mit Sauna über einen Ufersteg bis hin zur Aussichtsterrasse Schützengarten reichen, werden nun von Peter Schmidlin und Jürg Dietiker zusammengetragen und der Stadt überreicht. Im besten Fall fliessen sie in das Sanierungsprojekt, das sich derzeit im Prozess der Einwendungen befindet, mit ein.

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Kommentare (1)

  • Angela
    Angela
    vor 3 Wochen
    Gratuliere, sehr gut recherchiert, geschrieben und bebildert! Hoffentlich geht es weiter und versandet nicht in der Amtsstube.

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