Vom Ei zur Rüebliraupe

Die Entwicklung eines Schwalbenschwanzes vom Ei bis zur Rüebliraupe auf einem wilden Fenchel «hautnah» mitzuverfolgen, ist spannend.

Die Eiablage erfolgte am 24. August auf wildem Fenchel. (Bilder: bhe)

30. September 2021
07:23

In unserem Garten konnten wir in den letzten Tagen auf einem wilden Fenchel die Entwicklung eines Schwalbenschwanzes vom Ei bis zur Rüebliraupe «hautnah» mitverfolgen.

Die Entwicklung von Schmetterlingsraupen bringt man gemeinhin eher mit dem Frühling als mit der Herbstzeit in Verbindung. Es gibt aber wie so oft «sowohl als auch». Unterschiedliche Schmetterlingsarten haben unterschiedliche Entwicklungszyklen. In unseren Breitengraden steht dahinter immer die Frage: mit welcher Strategie kommt man am besten durch den Winter und übersteht Frost und eisige Temperaturen?

Betrachten wir den Lebenszyklus des Schwalbenschwanzes etwas genauer: Die Schmetterlinge kommen bei uns in zwei, manchmal drei Generationen vor. Die erste Generation fliegt in Mitteleuropa je nach lokalem Klima von April bis Juli, die zweite im Juli und August. Ein Schwalbenschwanz lebt als Schmetterling nur 2 bis 3 Wochen. Er muss sich also in dieser Zeit verpaaren und die Fortpflanzung sichern.

  • Frisch geschlüpft (6. Sept.) ist die Raupe ca. 5 mm lang.
  • Die Raupe «fährt aus ihrer zweiten Haut» (19. Sept.) ...
  • ... und entwickelt sich zur bekannten Rüebliraupe.


Zweite und dritte Generation
Die Falter, die im Mai schlüpfen, legen im Frühsommer ihre Eier ab, woraus sich innerhalb eines Monats ausgewachsene Raupen entwickeln. Diese verpuppen sich und nach 14 bis 21 Tagen (also ca. Mitte Juli) schlüpft aus der Puppe ein neuer Schmetterling. Diese zweite Generation legt im August/September wiederum Eier auf die für die Art typischen Futterpflanzen ab. Dies läuft zurzeit in unserem Garten ab. Die Raupen verpuppen sich wiederum nach ca. 30 Tagen und überwintern als Puppe. Die Schmetterlinge schlüpfen im nächsten Frühjahr ab April. Der Zyklus beginnt von vorne.

Je nach Zeitpunkt der Eiablage der zweiten Generation und der Witterung im Spätsommer/Herbst ist es für die Puppe noch zu früh zum Überwintern. Dann gibt es noch eine dritte Generation Falter mit Eiablage und Raupe, deren Puppe dann überwintert.


Kompliziert? ...
… wird es erst, wenn man die Überwinterungsstrategien anderer Schmetterlingsarten anschaut. Nur etwa 16% aller Schmetterlinge überwintern als Puppe. Es kommt auch jede andere Form vor, d.h. sie können als Raupe, Falter und sogar als Ei über den Winter kommen. Falter suchen hierfür frostgeschützte Räume wie Schuppen oder Keller auf – oder sie haben eine Art «Frostschutzmittel» im eigenen Körper, wie der Zitronenfalter. Raupen verkriechen sich unter dicker Baumrinde oder hüllen sich in einen Blattkokon. Und zuletzt gibt es noch die Wanderfalter wie etwa den Admiral. Sie verhalten sich wie Zugvögel und fliegen im Herbst in den Süden in wärmere Gefilde. Da soll noch jemand behaupten, die Natur sei einfallslos!

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