Vom Kreisen um die eigene Schönheit

Zwei Jugendarbeiterinnen leiten bereits gemeinsam Tanzgruppen für Mädchen. Nun lancieren sie ein Pilotprojekt zum Thema Schönheit.

Bieten gemeinsame Workshops an: Eva Bühler und Marija Runje. (Bild: cd)

von
Dahl, Caroline

05. Januar 2022
13:11

Das Thema Schönheit ist zeitlos und bleibt stets aktuell. Die Antwort auf die Frage, was als schön gilt, hat über Generationen immer wieder neue Schönheitsideale definiert. Andere hingegen überdauern, bleiben unerschütterliche Bestandteile des Schönheitsbegriffs über kulturelle und kulturgeschichtliche Grenzen hinweg. Schönheit gehört zur menschlichen Existenz und deren Ausdrucksformen – und ist identitätsstiftend. Marija Runje (45), katholische Jugendarbeiterin, und ihre Berufskollegin Eva Bühler (32) von der reformierten Kirche möchten das Thema nun in einem Pilotprojekt einkreisen, das sich an junge Frauen von zwölf bis achtzehn Jahren richtet.


Die eigene Körperwahrnehmung
Seit fast drei Jahren leiten die beiden Jugendarbeiterinnen zwei Tanzgruppen. In diesen Tanztreffs sei ihnen aufgefallen, dass einige der Mädchen zögern, mit- oder vorzutanzen oder sich selbst nicht gern auf Video sehen. «Da wurde mir bewusst, wie stark Aussen- und Selbstwahrnehmung voneinander abweichen, wie schwierig es für die Mädchen in dem Alter ist, ihre Körperwahrnehmung einzuordnen», erzählt Bühler.

«Im neuen Projekt geht es um verschiedene Bereiche der Schönheit», erklärt Runje. «Wie definiert man die überhaupt? Jede und jeder hat ja eine andere Vorstellung davon, was Schönheit ist.» Bühler ergänzt: «Auch über persönliche und gängige Schönheitsideale, welche sich über die Zeit ändern, werden wir reden, besonders über die Bilder auf den sozialen Medien. Das beschäftigt die Jugendlichen sehr.» In den Workshops werden dazu Themenstationen angeboten, wo die Mädchen Verschiedenes ausprobieren können, so beispielsweise Maniküre, Pediküre, Schminken, Frisuren, Fussmassage, Kleider und Schmuck.

«Es geht vor allem darum, die Mädchen ihr Selbstwertgefühl entdecken zu lassen und es zu steigern», betonen die beiden Leiterinnen. «Und die Selbstwirksamkeit zu aktivieren: Wie wirke ich auf andere, wie möchte ich auch auf andere wirken?», präzisiert Bühler, und zwar gerade deshalb, weil die Inhalte in den sozialen Medien oft stark manipuliert sind und wiederum manipulierend wirken. «Die Wirklichkeit ist anders. Wir wollen den jungen Frauen bewusst machen, wie sie mit dieser Diskrepanz umgehen können, und wie sie für sich entscheiden, was für sie das Richtige, Wirkliche ist», fassen Bühler und Runje zusammen. Denn Schönheit, das sei vermutlich nicht das, was auf den sozialen Kanälen und von Influencerinnen suggeriert wird. Sondern etwas, das ganz individuell entstehe, durch persönliche Inhalte und Werte bestimmt werde, und sich in verschiedenen Lebensphasen auch ändere.


Sensible Themen
Auch der Stellenwert und das Selbstverständnis von Frauen sollen thematisiert und Rollenbilder durchleuchtet werden. «Es ist wichtig, dass diese erkannt werden. In sich selbst und in anderen. Wir wollen dazu ermutigen, Gegebenes und Angebliches zu hinterfragen, und in den Mädchen eine konstruktive Kritikfähigkeit wecken», wünscht sich Runje für das Projekt.

Sexuelle Orientierung ist ein weiteres Thema. Die binäre Ausrichtung ist heute sehr volatil geworden. Das nötige Fingerspitzengefühl dafür, um auch solche sensiblen Themen aufzugreifen, bringen die beiden erfahrenen Jugendarbeiterinnen mit. Durch die Tanztrainings sei eine Vertrauensbasis zwischen ihnen und den jungen Frauen gewachsen, die es ermögliche, auch über Vorurteile, Verhaltensweisen und zementierte Bilder zu reden.


Eine Wegkreuzung
Marija Runje, die einen kroatischen Hintergrund hat, wuchs zweisprachig in Berlin auf. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Religions- und Musiklehrerin und studierte später Theologie in Luzern. Neben ihrer Arbeit als Jugendarbeiterin widmet sie sich derzeit dem Studium der Kirchenmusik und Chorleitung in St. Gallen. «Schönheit liegt für mich in der Musik, in der Zwischenmenschlichkeit und in der Natur», sagt Runje. Sie und Bühler sind sich in Luzern begegnet und liefen sich hier in Brugg bei der Arbeit zufällig wieder über den Weg. Seitdem arbeiten sie Seite an Seite. Eva Bühler, Mutter zweier kleiner Kinder, lernte ursprünglich Fachangestellte Gesundheit und arbeitete zunächst in der Pflege. Dann studierte sie Soziale Arbeit in Zürich. «Für mich ist Schönheit ein sinnlicher Reiz und stark verbunden mit Formen von Ästhetik. Ich finde es faszinierend, was in verschiedenen Kulturen als universell schön gilt, und wann Schönheit eine individuelle Empfindung wird», erklärt sie ihre Schönheitsauffassung.


Neue Bewegungen
Begrüssenswert finden es Runje und Bühler, dass es neue Bewegungen und Kampagnen wie «body positivity», also das vorbehaltlose, kritikfreie Annehmen des eigenen oder eines anderen Körpers, gebe. «Das hatten wir noch nicht, als wir jung waren, das ist auch für uns neu!»

Die Workshops finden am 29. Januar, 26. Februar, 26. März, 21. Mai und 25. Juni jeweils von 14 bis 16 Uhr im Haus der reformierten Kirchgemeinde an der Spiegelgasse 9 in Brugg statt. Eingeladen sind Mädchen und junge Frauen im Alter von zwölf bis achtzehn Jahren. Anmelden kann man sich bei Marija Runje: marija.runje@kathbrugg.ch, 076 205 25 95.

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