Vom Treibhaus in die Beiz

Die Ateliergemeinschaft ­Vitrine ist von Wettingen nach Turgi gezogen. Im «Killer» hat sie eine neue Wirkungsstätte gefunden.

Von links: Gaby Itin, Monika Kappeler, Ursula Kalinga und Marianne Padeste  (Bild: cl)

29. Januar 2020
14:00

Im Killer wird schon lange kein Kochlöffel mehr geschwungen. Nun ist neues Leben in das ehemalige Restaurant eingekehrt. Die Ateliergemeinschaft Vitrine, ein Potpurri aus Kreativköpfen, ist in das Erdgeschoss des markanten Hauses mit südländischem Touch gezogen. «Wir haben für uns als Gemeinschaft eine gute Lösung gefunden», sagt Weberin Gaby Itin, eine der Mieterinnen. Sie hätten verschiedene Räumlichkeiten angeschaut und seien über eine Bekannte auf den Killer gestossen. «Der Ort und die Ambiance haben uns gleich gefallen», ergänzt Schmuckgestalterin Monika Kappeler. 

 

Eine bunte Mischung  

Bei dem Treffen sind vier Mieterinnen anwesend. «Es sind nie alle gleich­zeitig da», erklärt Marianne Padeste, Grafikerin und Wortgestalterin. Manche kommen nur für einen Tag pro Woche, andere fast jeden Tag. So gibt es auch kein Gedränge um den Beizentisch im ehemaligen Gastraum, wo sich die Mieter jeweils zum gemein­samen Mittagessen treffen. In diesem Bereich entsteht auch ein Atelier­laden. Dort bieten die Mieter ihre Produkte zum Verkauf an. Obwohl den Mietern im Killer weniger Platz zur Verfügung steht als in Wettingen, haben alle in dem offenen hellen Raum ihren Platz gefunden.

Die Ateliergemeinschaft Vitrine konnte das ehemalige Gewächshaus der Gärtnerei Widmer in Wettingen zwischennutzen. Die Journalistin Anouk Holthuizen, Werklehrer Chris­tof Borner sowie die Malerin Vera Käufeler gründeten 2014 die Ateliergemeinschaft. Weitere Mieter sties­sen dazu, und heute umfasst die Vitrine 17 kreativ tätige Personen, von der Farb- und Textilgestalterin bis zum Sonntagsmaler und Tüftler. Gleich neun Mitglieder der Atelier­gemeinschaft Vitrine sind im Web­atelier tätig. 

Eine davon ist Ursula ­Kalinga aus Würenlos. «Ich suchte vor ein paar Jahren ein neues Hobby für mich und bin über einen Zeitungsartikel aufs Weben gestossen», erzählt Ursula Kalinga. Sie suchte die Vitrine auf und erklärte Gaby Itin, dass sie das Handwerk unbedingt lernen wolle. Denn Gaby Itin, Marlis Renold und Christina Marugg bieten auch Webkurse an. «Es hat mich gleich gepackt», fährt Ursula Kalinga fort. «Weben hat für mich etwas Meditatives.» Dass dieses Handwerk eine Art Renaissance erlebt, führt Gaby Itin auf den Umstand zurück, dass die Menschen generell vermehrt etwas mit den Händen erschaffen wollen. 

 

Gegenseitige Inspiration

Gaby Itin kam vor 14 Jahren zum Weben. «Ich habe damals viel genäht und wollte wissen, wie Stoff entsteht», erzählt sie. Nach einem Webkurs war ihr klar, welchen Weg sie einschlagen will. «Das ist mein Handwerk», sagte sie sich. Und so absolvierte sie die dreijährige Ausbildung zur Gewebegestalterin EFZ. Bis heute sei ihr der Beruf nie verleidet.

Die kreativen Köpfe freuen sich, am neuen Ort auf neue Gedanken zu kommen. Denn in diesem Fall verderben die vielen Köche nicht den Brei, sie inspirieren sich gegenseitig. «Wir können etwas Neues wachsen lassen», so Padeste. «Hier brauche ich auch kein Konzept», schmunzelt die Grafikerin. «Es ist wie bei einer Fahrt ins Blaue, bei der man sich den Kopf frei macht und offen ist für Überraschungen.»

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