Vom Turnerabend in den Kuhstall

Die Hauswirtschaftslehrerin Sonja Vogt-Meyer aus Scherz ist Gastgeberin in der morgigen Folge der «Landfrauenküche».

Sonja Vogt-Meyer backt fürs Leben gern. (Bild: zVg)

17. November 2021
16:30

Während andere Menschen an ihrem freien Tag ausschlafen, steht Sonja Vogt-Meyer aus Scherz jeden Dienstag um 2.30 Uhr nachts auf und feuert den Holzofen in der Küche des Bauernhauses an. Schon am Vorabend hat sie sechzig Kilogramm Mehl zu Brotteig verarbeitet, damit dieser noch ein paar Stunden aufgehen kann. In den frühen Morgenstunden wird dann das Bauernbrot im Holzofen und Chnebeli, Urdinkel- und Walliser Brot aus Kapazitätsgründen in den elektrischen Backöfen gebacken. Das Ergebnis gibt es ab 10 Uhr in ihrem Hof­lädeli zu kaufen.


Einblicke ins normale Leben
«Die Nachfrage war schon vorher gross, aber seitdem die ‹Landfrauenküche› läuft, ist bis zum Mittag alles ausverkauft», erzählt die 53-Jährige lachend. «Auf die Sendungen angesprochen werde ich jedoch nicht. Da ist man in der Schweiz zu diskret.» Sie selbst verfolgt das «SRF bi de Lüt»-Erfolgsformat schon seit 2007, als in der ersten Staffel eine Bäuerin aus Habsburg mitwirkte. «Mir gefällt es, dass dieser Kochwettbewerb Einblicke ins Leben von ganz normalen Menschen wie du und ich gewährt, nicht nur in ihre Küche», meint Vogt-Meyer. Als sie in den letzten Jahren in ihrem Umfeld immer häufiger Sätze wie «Komm, mach doch auch mal mit! Da würdest du gut reinpassen» hörte, bewarb sie sich vor drei Jahren erstmals und wurde nun im zweiten Anlauf für die 15. Staffel gecastet.

Das Kochen faszinierte die gebürtige Badenerin bereits in ihrer Kindheit. «Ich habe schon in der 3. Klasse gewusst, dass ich später Hauswirtschaftslehrerin werden möchte!» Inzwischen unterrichtet Vogt-Meyer seit 31 Jahren. Anfänglich hatten die Jugendlichen in der dreijährigen Oberstufe insgesamt zehn Wochenstunden Hauswirtschaft, heute, wo das Fach WAH (Wirtschaft/Arbeit/Haushalt) heisst, sind es noch ganze zwei Wochenstunden, in denen sie praktische Kocherfahrung sammeln. «Das ist umso bedauerlicher, als das Interesse durch die vielen Kochshows deutlich gestiegen ist», erzählt sie. «Oft möchten die Schüler und Schülerinnen etwas nachkochen, was sie dort gesehen haben, und ich ermuntere Jugendliche mit internationalem Hintergrund, von denen es in Birr viele gibt, Speisen aus ihrer Heimat mitzubringen.»


Oft kocht sie intuitiv
Vogt-Meyer, die selbst einst in Australien und Neuseeland gelebt hatte, um ihre Sprachkenntnisse für ihr zweites Unterrichtsfach Englisch zu verbessern, kombiniert in ihren Kreationen gerne ungewöhnliche Gewürze wie Kreuzkümmel mit Gemüse aus ihrem Garten. Ihre Favoriten sind momentan Randen und Federkohl. Ausserdem friert sie für die Familie immer Spinat sowie Erbsen und Bohnen ein, die Ehemann Daniel (56) auf dem 36-Hektar-Ackerbaubetrieb nebst Dinkel, Raps und Zuckerrüben anbaut. «Ich habe ihn kennengelernt, als mich seine Schwester zu einem der legendären Scherzer Turnerabende einlud. So wurde aus mir eine Landfrau, wobei ich nun wirklich nicht damit gerechnet hatte!», verrät sie lachend. Mit ihrem Gatten, der 1993 den elterlichen Hof übernommen hatte, bekam sie drei Kinder: Pascal (19) ist Fahrzeugschlosser in Ausbildung, Sebastian (17) liebt – wie die ganze Familie – den Wintersport und fährt Skirennen, und Kathrin (15) teilt mit ihrer Mutter die Begeisterung für Kochzeitschriften und wählt darin das Rezept aus, das sie gemeinsam ausprobieren wollen.

«Besonders in Ehren halte ich die Kochbücher meiner Grossmütter, obwohl ich mich meistens von meiner Intuition leiten lasse», sagt Vogt-Meyer. «Manchmal nehme ich sie nur hervor, um mir wieder einmal anzuschauen, was sie von Hand hineingeschrieben haben – oder weil bei einer Rüeblitorte oder Zimtsternen die Mengenangaben genau eingehalten werden müssen.»


Znacht im Kuhstall
Bevor es ans Guetzle geht, steht am Freitag, 19. November, um 20.05 Uhr die vierte Folge der «Landfrauen­küche» auf dem Programm. Aus diesem Anlass lädt die Protagonistin alle, die sie bei der Teilnahme unterstützt haben, zu einem Znacht im Kuhstall ein, den das Paar bereits für die Bewirtung der Landfrauen umgenutzt hatte. Die kulinarische Bewirtung wird zwar nicht ganz so ambitioniert sein wie beim Besuch der sechs Mitstreiterinnen, doch dafür gibt es auf einer Grossleinwand ein mit Spannung erwartetes Dessert.

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