Von Gastgebern und Gästen

Seit 2000 Jahren zieht Baden Besucher aus Nah und Fern an. Die Neujahrsblätter sind deshalb dem Motto «Gastgeber und Gäste» gewidmet.

Das Redaktionskomitee der Badener Neujahrsblätter, von links: Niklaus Stöckli, Salome Egloff, Benjamin Ryser, Sara Venzin und Andreas Fahrländer (Bild: ub)

von
Ursula Burgherr

27. November 2019
08:00

Badener Neujahrs­blätter

Die Badener Neujahrsblätter werden von der Literarischen Gesellschaft Baden und der Vereinigung für  Heimatkunde des Bezirks Baden herausgegeben. Sie sind im Buchhandel und direkt beim Verlag Hier und Jetzt in Baden (hierundjetz.ch) unter der ISBN-Nr. 978-3-03919-492-6 erhältlich. Der QR Code bei einzelnen Kapiteln kann mit dem Smartphone gescannt werden und führt zu weiterem Bildmaterial. Weitere Infos sind auf der Website erhältlich.

Die improvisierten Saxophonklänge von Musiker Mario Schenker hallen durch das historische Museum Baden, wo sich eine illustre Gästeschar zur Vernissage der Badener Neujahrsblätter eingefunden hat. Sepp Schmid sitzt im Publikum und erzählt «Ich habe alle Jahrgänge seit 1925 gesammelt und blättere immer wieder gern darin.» Gastgeberin Carol Nater Cartier behauptet in ihrer Begrüssungsansprache gar: «Ich konnte das neue Werk gar nicht mehr aus der Hand legen, als ich anfing darin zu lesen.» Bemerkenswert ist in jedem Fall die kreative, witzige und vielfältige Zusammenstellung der Beiträge zum diesjährigen Motto «Gastgeber und Gäste». Ausgewählt wurden sie vom Redaktionskomitee, das aus Salome Egloff, Andreas Fahrländer, Niklaus Stöckli, Benjamin Ryser und Sara Venzin besteht. Für einmal stehen nicht die internationalen Kurgäste, Hotels und Thermalquellen der Bäderstadt im Zentrum. Zwischen 1500 und 1800 gab es nämlich noch andere wichtige Gründe, um Gast oder Gastgeber in Baden zu sein. Der Beitrag von Andreas Würgler handelt von der Tagsatzungsstadt Baden, die lange als inoffizielle Hauptstadt der Eidgenossenschaft galt. Aber auch später schaffte es die Stadt immer wieder, Veranstaltungen zu kreieren, die weit über den regionalen Raum ausstrahlten. Fahrländer lässt die Aargauische Gewerbeausstellung 1925 Revue passieren. Er beschreibt, welch hohe Wellen dieses Ereignis schlug, das heute fast in Vergessenheit geraten ist. 

 

Zu Gast am persischen Neujahr

In den Neujahrsblättern ist auch von zahlreichen Menschen die Rede, die nicht nur einige Stunden oder Tage in der Limmatstadt verbrachten. Sondern kamen, und für immer blieben. «Wir wollen dem Land, das uns aufgenommen hat, etwas zurückgeben», wird David Khosh vom Hazara Kulturverein Schweiz im Bericht von Claudia Blangetti zitiert. Die Autorin war Gast am persischen Neujahrs- und Frühlingsfest, das Khosh mit seinen Landsleuten und Schweizern in einer Waldhütte in Würenlingen feierte. Dem gebürtigen Afghanen, der im Iran als Flüchtling aufwuchs, ist die Integration geglückt. Jetzt hilft er anderen Stammesbrüdern und -schwestern.

 

«Schmöcki» fürs Haar 

«Mit Schmöcki?» fragte Coiffeur Georges Friedrich nach getaner Arbeit jeweils die Klientel in seinem Salon in Birmenstorf. Was nichts anderes bedeutete als «Wünschen Sie etwas Parfüm auf die Haare?» Kaum jemand weiss heute noch, dass der Figaro in den 60er-Jahren einen Toupierkamm entwickelte und unter dem Namen «Miss Elle» patentierte. Hunderttausende von Exemplaren wurden abgesetzt. 

Roman Würsch widmet seine Zeilen einem ganz besonderen Wahrzeichen der Region: dem «Fressbalken» in Würenlos. Die Autobahnraststätte hat schweizweite Strahlkraft: In der Ausstellung Swiss Miniature in Melide steht sie neben dem Bundeshaus und Schloss Chillon. Im englischen Automagazin Top Gear rangierte sie 2006 gar unter den acht besten Autobahnverpflegungsorten der Welt. Würsch skizziert, wie die Raststätte entstand und sich weiterentwickelte. 

 

Wettingen feiert

Florian Müller befasst sich in den Neujahrsblättern 2020 mit dem 125-Jahre-Jubiläum des Reiseunternehmens Twerenbold, das seinen Ursprung in Baden hat. Jakob Twerenbold fing an, mit seinen Pferdefuhrwerken Badegäste herum zu kutschieren. Heute führt das Unternehmen jährlich 100'000 Kunden per Bus, Schiff und Flugzeug in die ganze Welt und die Twerenbold Gruppe gilt als älteste inhabergeführte Familienunternehmung in der Schweizer Reisebranche. Ebenfalls um ein Jubiläum geht es im Kapitel von Carol Nater Cartier. Sie befasst sich mit der grössten Gemeinde des Aargaus: Wettingen wurde 1045 erstmals urkundlich erwähnt und kann deshalb 2020 sein 975-Jahr-Jubiläum feiern. Ein 10-tägiges Fest à la Badenfahrt ist angesagt. Natürlich gibt es in den Badener Neujahrsblättern 2020 noch viel mehr Spannendes und Kurioses zu entdecken. Sara Venzin überreicht Ruth Wiederkehr zum Abschluss der Vernissage einen Blumenstrauss und dankt ihr für 10 Jahre Mitarbeit im Redaktionskomitee. «Du warst die Seele der Badener Neujahrsblätter», meint sie zu ihrer Vorgängerin.

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