Von Irland nach Italien

Der Kolumbansweg führt von Irland nach Italien. Rund 50 Pilger nahmen in Wettingen an der Eröffnung des Schweizer Abschnitts teil.

Der Start ist erfolgt. Die Pilgerschar auf dem Weg zum Kloster Fahr
Der Start ist erfolgt. Die Pilgerschar auf dem Weg zum Kloster Fahr (Bilder: pg)

08. Juli 2020
09:15

Die drei grossen Pilgerorte Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela sind aus der christlichen Geschichte bekannt. Jerusalem war schon für die jüdische und später für die musli­mische Religion ein Pilgerort. Jeder Pilgerweg, so Josef Schönauer in seinem Einführungsreferat, ist auch ein spiritueller Weg, und so lässt sich auch der Kolumbansweg mit einer spirituellen Geschichte verbinden. Der Kolumbansweg folgt dem Weg des irischen Mönchsvaters Kolumban von Luxeuil von seinem Geburtsort am Mount Leinster in Irland nach Bobbio in Italien, wo er im Jahr 615 gestorben ist. Gallus, ein Gefährte des Mönchs, der sich mit Kolumban auf den Weg machte, blieb im Steinachtobel im heutigen St. Gallen zurück und errichtete eine Klause, wo später das Kloster und die Stadt St. Gallen entstanden sind.

 

In 21 Etappen durch die Schweiz

Im Jahr 2012 hatten vier Zweierteams den über 1900 Kilometer langen Weg von Bangor in Nordirland nachSt. Gallen stafettenartig zurückgelegt. Danach ging man auch in der Schweiz daran, einen Weg durch unser Land festzulegen und mit den anderen beteiligten Ländern zu verknüpfen und diesen für Pilger und Wanderer verfügbar zu machen. Mit Tuggen, Arbon und Bregenz sind drei Orte bekannt, an denen sich die Mönche nachweislich aufhielten. Man ging davon aus, dass man zur damaligen Zeit den Flussläufen und Römerwegen folgte. Der Schweizer Teil des internationalen Weitwanderwegs «Via Columbani» ist in 21 Etappen aufgeteilt und wird mit rund 500 Kilometern angegeben. Im Gegensatz zum Jakobsweg, der ein eigentlicher Pilgerweg ist, so Cornel Dora, Stiftsbibliothekar von St. Gallen, in seinen interessanten Ausführungen, handelt es sich um einen Erinnerungsweg. Man wandert auf schönsten Wegen durch geschichtsträchtige Dörfer und Städte auf den Spuren der irischen Mönche und Gallus. Dora verglich den Weg mit einer Perlenschnur.

 

Entschleunigung vom Alltag

Franz With stellt fest, dass die heute noch von der Leistungsgesellschaft geprägten Menschen, die sich bis zur Selbsterschöpfung für ihre Selbst­optimierung verausgaben, langsam aber sicher wieder zu einer gesünderen Lebenseinstellung kommen. Noch nie, so With weiter, hatte die Gesundheit einen so hohen Stellenwert wie heute. Gesundheitswissen wird zu einer gesellschaftlichen Erwartung und zu einem zentralen Anliegen moderner Menschen im Zeitalter der Individualisierung. Unter dem Motto «De Schnelligkeit entfliehen» möchte der Kolumbansweg Schweiz den Menschen daher vielfältige Impulse zu Gesundheit für Körper, Geist und Seele mit auf den Weg geben. Nach den ausführlichen Informationen im Ritter-Heinrich-Saal des im Jahre 1227 durch die Zister­ziensermönche gebauten Gasthofs Sternen, dem ältesten Gasthof der Schweiz, offerierten die Gastgeber Andrea und Walter J. Erni den erwartungsvollen Pilgern in der pittoresken Gartenwirtschaft einen erfrischenden Apéro. Gespannt wurde im Anschluss die Enthüllung der an der Fassade des Gasthofs Sternen angebrachte Kolumbans-Plakette verfolgt und mit Applaus bedacht. Nach einem kurzen Abstecher in die Klosterkirche nahmen die Pilgerleute unter der Leitung von Wolfgang Sieber den Weg zum Kloster Fahr unter die Füs­se. Infos unter: kolumbansweg.ch.

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