Von Verwandlungen, wackelnden Zähnen und Gummibärchen

Die Maskenbildnerin Brigitte Erni und ihr Team sind beim Freilicht-Spektakel «Dällebach Kari» in Windisch für Maske und Kostüme zuständig. «e-journal.ch» durfte am Samstag einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Brigitte Erni und ihr Team bei der Arbeit
Brigitte Erni und ihr Team bei der Arbeit (Bilder: as)

von
Andrina Sarott

16. August 2017
14:55

Brigitte Erni

… ist seit über 30 Jahren als Maskenbildnerin und Visagistin für Foto, Film, Varieté, Theater und TV tätig. Ihre Schule «Colorline» in Aarau gründete sie 1990 und leitet diese seither. Sie unterrichtet dort in sämtlichen Bereichen (Visagist/Maske). Im Oktober wird Brigitte Erni mit ihrer Schule nach Unterentfelden umziehen.

Die Arbeit für den «Dällebach Kari» begann für das Team der Maskenbildner- und Visagistenschule «Colorline» Aarau vor über einem Jahr mit den Castings der Hauptfiguren. Die grösste Herausforderung bei diesem Projekt war wohl die Lippenspalte, die charakteristisch für den Dällebach Kari ist. «Wir arbeiteten mit einer Zahntechnikerin zusammen. Sie stellte ein Gebiss mit einem Draht her. Dieser ist die Grundlage für die Lippenspalte. Bereits bei den Castings konnten die potenziellen Darsteller mit den ersten Prototypen vorsprechen. Bis zur definitiven Version wurden diese aber immer wieder abgeändert», erzählt Brigitte Erni, Maskenbildnerin und Inhaberin von «Colorline». Sie und ihre Mitarbeiter kümmerten sich auch um die ersten Fotoshootings. Dafür wurden nicht nur die Gebisse, sondern auch die Kostüme benötigt. Diese wurden beim Kostümverleih von Annemarie Nufer in Siselen gemietet. Neben den Kleidern und Accessoires mussten im Vorfeld auch die Haarteile und Perücken vorbereitet und die Schnäuze geknüpft werden.


Schlag auf Schlag

An den Theaterabenden beginnt die Arbeit für das sechs- bis siebenköpfige Team um 17.00 Uhr, rund drei Stunden vor Beginn des Theaters. Die ersten Darsteller kommen um 17.15 Uhr in die Maske. Danach geht es Schlag auf Schlag. Für den «Dällebach» müssen 35 Personen zurechtgemacht werden. Die Verwandlung der Schauspieler von ungeschminkt und unfrisiert bis hin zur geschminkten, gestylten und kostümierten Figur ist beeindruckend. Neben Brigitte Erni und der Visagistin und Ausbildnerin Daniela Cereghetti arbeiten auch Lernende bei diesem Theaterprojekt mit. «Wir möchten mit solchen Projekten unseren Auszubildenden die Möglichkeit bieten, Praxiserfahrung zu sammeln. Sie sind bereits Visagisten und in der Ausbildung zum Maskenbildner», sagt Erni.

 

  • Brigitte Erni und Team im Atelier von «Colorline» in Aarau
    Brigitte Erni und Team im Atelier von «Colorline» in Aarau
  • Erste Prototypen der Gebisse für den «Dällebach Kari»
    Erste Prototypen der Gebisse für den «Dällebach Kari»
  • Backstage beim «Dällebach Kari» in der Schule Dorf in Windisch
    Backstage beim «Dällebach Kari» in der Schule Dorf in Windisch
  • Einsingen kurz vor Beginn des Spektakels
  • Auch während der Vorstellung gibt es noch zu tun
  • Gespräch mit Regisseur Peter Locher

Planung und Spontanität

Eine gute Planung ist bei dieser Tätigkeit das A und O. Denn beim «Dällebach Kari» gibt es Doppelrollen sowie Frisuren- und Kostümwechsel während des Stücks. «Alle müssen den Ablauf kennen und wissen, was bei welcher Figur zu beachten ist. Es ist wichtig, dass man einander hilft und das Team gut funktioniert», meint Daniela Cereghetti. Alles planen kann man jedoch nicht. Immer wieder geschieht Unvorhergesehenes, dann muss nachgeschminkt oder -frisiert, genäht oder die Perücke wieder befestigt werden. «Bei Regen haben wir während des Abends mehr zu tun. Die Perücken und Kleider müssen dann getrocknet oder ersetzt werden. Zudem müssen wir den Schauspielern bei Nässe beim Kostümwechsel behilflich sein. Nach der Vorstellung werden alle Frisuren und Kleider getrocknet und wieder in Form gebracht», erklärt Cereghetti. An diesem Samstag blieb das Theater glücklicherweise vom Regen verschont. Beim «Dällebach Kari» dauert der Abend für das «Colorline»-Team jeweils bis circa 23.15 Uhr. 

Beim Beruf des Visagisten oder Maskenbildners ist immer wieder Spontanität gefragt. «Bei den jüngsten ‹Dällebachs› konnten wir die definitiven Gebisse für die Lippenspalte erst sehr spät anfertigen, da sich die Zahnstellung in diesem Alter noch stark verändert. Bei einem der Schauspieler wackelt nun ein Zahn, und dies ist für ihn natürlich sehr unangenehm. Es gibt aber auch immer wieder lustige Anekdoten. Einer der ‹Dällebach›-Darsteller hatte plötzlich das Gefühl, eine Packung Gummibärchen in den Mund stecken zu müssen, als er das Gebiss schon trug», plaudert Brigitte Erni aus dem Nähkästchen, «Dies zeigt einmal mehr, dass wir keinen 08/15-Job haben und es immer spannend bleibt.»

Kommentare (2)

  1. Anna
    Anna am 29.08.2017
    Toll zu erfahren, was während eines Theaters so alles hinter der Bühne passiert :-)
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  2. silvia
    silvia am 18.08.2017
    Vielen Dank für diesen Blick hinter die Kulissen vom «Dällebach». Man bekommt eine sehr guten Einblick, wie viel Arbeit – neben der darstellerischen Leistung – hinter dem Projekt steht.

    Super!
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