Waldstrassen sind immer noch gesperrt

Der starke Schneefall bleibt nicht ohne Folgen für den Forst. Wer sich in den Wald begibt, tut dies immer noch auf eigenes Risiko.

So sah es auf der Kantonsstrasse Birrhard–Mellingen am 15. Januar aus. (Bild: zVg | Peter Schenkel)

27. Januar 2021
15:20

Auf die Frage, wie gross die Schäden an «seinen» Bäumen seien, musste Peter Schenkel, Leiter des Forstbetriebs Birretholz, Ende letzter Woche noch passen. «Es liegt immer noch sehr viel Schnee. Wir konnten noch keine Bestandsaufnahme erstellen, denn die Waldstrassen sind praktisch ausnahmslos durch umgefallene Bäume und Äste gesperrt.» Für Schenkel steht fest: «Es war ein ausserordentliches Ereignis, und es hat ganz sicher Schäden in einem erkennbaren Ausmass gegeben.» Als er am Donnerstagabend, 14. Januar, Anrufe von zwei regionalen Feuerwehrkommandanten erhielt, gab es nur eins: «Sofort ausrücken und aus Sicherheitsgründen rigoros die Strassen sperren.»

Gesperrt waren die Kantonsstrassen Windisch – Mülligen, von Birrhard nach Mülligen und nach Mellingen sowie auch von Birr nach Brunegg. Es sind eindrückliche und im  Mittelland in den letzten Jahren ungewohnte Bilder, die Schenkel zeigt: Umgedrückte Bäume versperren die unter tiefem Schnee liegenden Kantonsstrassen. Dank grossem Einsatz der Räumungsequipen und Forstmitarbeitenden waren die Strassen bereits am Freitagvormittag wieder befahrbar. Die Kantonsstrasse Windisch–Mülligen blieb bis am Montag nach dem starken Schneefall geschlossen.

Nasser und schwerer Schnee
Weshalb aber stürzten überhaupt derart viele Bäume um? Peter Schenkel: «Es war die Menge des Schnees, aber auch seine Beschaffenheit. Weil er sehr nass und schwer war, drückte er ungewohnt viele Bäume um und liess grosse Äste brechen.»

Die Räumungsarbeiten führten die Forstbetriebe nach Prioritäten aus. Nach den Kantonsstrassen galt es, Gemeindestrassen, Schulwege sowie auch die Zufahrten zu Wasserreservoirs oder Kläranlagen frei zu machen und zu sichern. Für Schenkel steht fest, dass die Aufräumarbeiten ihn und sein Team für die kommenden Wochen und Monate beschäftigen werden. Die Holzerarbeiten, die normalerweise um diese Jahreszeit anstehen, müssten nun zurückgestellt werden.


Schäden im Brugger Wald
Auch in den Waldungen des Forstbetriebs Brugg, am Bruggerberg, sind die Schäden enorm. Förster und Betriebsleiter Markus Ottiger kann das Ausmass ebenfalls noch nicht abschätzen, da die Waldgebiete nicht zugänglich sind. Was er bereits weiss: Im Gebiet der Altholzinsel Lauffohr-Halde sind grosse Waldstrassenschäden zu verzeichnen. Im Gebiet Rebmoos und Rüteliweg habe es zum Teil Elementarschäden an Hausfassaden und Schöpfen gegeben. Zudem wurde der Vitaparcours arg in Mitleidenschaft gezogen: Gleich oberhalb des Forstwerkhofs Bruggerberg fiel ein Baum um und begrub eine Reckstange unter sich.

Für Ottiger ist es nun wichtig, Folgeschäden zu vermeiden: Bruchstellen an den Fichtenkronen seien ideale Einstiegsstellen für den Borkenkäfer. In den nächsten Wochen müsse man hier sicher vorbeugend eingreifen, um einen starken Populationsanstieg des Käfers zu verhindern.


Riesiges Wegenetz
Der Forstbetrieb Brugg bewirtschaftet insgesamt nicht weniger als 150 Kilometer Waldstrassen, 22 Kilometer Wanderwege und 16 Kilometer Fusswege. Die Waldbesitzer sind nicht verpflichtet, diese nun freizuräumen: «Dazu fehlen die Finanzen, was sicher auch am sehr tiefen Holzpreis liegt.» Ottiger appelliert deshalb an die Vernunft und Geduld der Waldbenutzer: «Es hat derzeit schon wieder recht viele Leute im Wald. Sie tun dies aber – wie immer – auf eigenes Risiko und eigene Verantwortung. Man muss im Wald stets vorsichtig sein und sollte Augen und Ohren offenhalten.» Tatsächlich stellt Markus Ottiger eine recht hohe Erwartungshaltung der Bürger fest und meint dazu: «Wir tun, was wir können, müssen aber bei der Räumung der Strassen und Wege prioritär vorgehen. Es ist sicher nicht so, dass wir gleich jedes Wegli in den nächsten Wochen freiräumen können.»


Fallholz wird zu Holzschnitzeln
Doch was geschieht nun mit dem vielen Abräummaterial, das in den Wäldern liegt? Es wird als Energieholz in Form von Holzschnitzeln in grosse Heizkraftwerke nach Basel, Zürich oder Bern zu Dumping-Preisen geliefert. Leider hat die Holzenergie einen schlechten Stellenwert in der Region Brugg: «Nur gerade ein Prozent der Energie wird in der Stadt Brugg aus Holz gewonnen», weiss Ottiger. Er findet es sehr schade, dass die Wertschöpfung des Holzes nicht regional stattfindet. Das Fallholz würde das ideale Brennmaterial – nachhaltig und ökologisch – liefern. Er sieht in der nachlassenden Wertschätzung des Waldes in weiten Teilen der Bevölkerung auch ein Stück weit eine «Wohlstandserscheinung». Ottiger zitiert passend dazu den Würenlinger Alt-Gemeindeammann und Sägereiunternehmer Arthur Schneider, der jüngst ein Buch über die Holzindustrie im Unteren Aaretal und Zurzibiet herausgegeben hat: «Der Wald liegt nicht den Händen derer, die einmal das Holz sammeln mussten.»

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