Wasser aus den Sodbrunnen

Von mehreren Dutzend Sodbrunnen in Hausen blieben nur wenige erhalten. Einer wurde jetzt ins Rampenlicht gerückt.

Initiant Max Schärli erklärt Besuchern die Geschichte der Sodbrunnen. (Bild: hpw)

07. Oktober 2020
12:30

Seit jeher gilt: Ohne Wasser kein Leben, keine Dörfer und Städte. Aber früher floss das köstliche Nass nicht in die Häuser und aus den Hahnen wie heute, sondern es musste von Quellen gefasst und in Brunnen geleitet oder mit Sodbrunnen aus dem Grundwasser geschöpft werden. In Hausen wurde 1895 erstmals die Ehebrunnenquelle erschlossen und 1898 eine neue Wasserversorgung mit Hydrantenanlage erstellt. Vorher bezogen die damals 500 Einwohner mit 244 Stück Grossvieh und 146 Stück Kleinvieh das Trink- und Brauchwasser aus insgesamt 52 Sodbrunnen.


Ein örtliches Kulturgut
Das Wort Sod ist mit Grube, Brunnen verwandt. In Hausen überstanden nur wenige der jahrhundertealten Brunnenschächte die Zeit und den Bauboom. Zwei, drei konnten durch die Rekonstruktion des Bruchstein-Mauerrings über Terrain wieder sichtbar gemacht werden. Einer von ihnen ist der Sodbrunnen im Gebiet Tannhübel, an der Strasse Richtung Scherz. Er ist 18,9 Meter tief und diente zwei Familien Meier mit sieben Kindern als Wasserquelle. Wie er ausgegraben wurde, ist nirgends dokumentiert. Dass es in mühsamer Handarbeit geschah, steht ausser Zweifel.

Die Ortspartei der FDP hat das Objekt jetzt als neunten Standort in das Verzeichnis der «Hauser Blickpunkte» aufgenommen. Sie legte diesen Parcours vor fünf Jahren aus Anlass ihres 50-jährigen Bestehens an und widmete ihn der Gemeinde. Wie bei den anderen Stationen verschafft ein QR-Code Zugang zu weiteren Informationen, die auf dem Smartphone gelesen und gespeichert werden können. Zum Thema Wasserversorgung existieren jahrtausendealte Spuren in Hausen, wie Max Schärli, Initiant des Sodbrunnen-Themas, Besuchern auf einem Rundgang am letzten Samstag darlegte. So nimmt die bis heute intakte römisch-mittelalterliche Wasserleitung, die einst das Legionslager Vindonissa versorgte und bis heute den Brunnen vor dem alten Hauptgebäude der Klinik Königsfelden speist, im Hausertäli ihren Anfang.


Wasserhaushalt im Hausertäli
Das Hausertäli weist eine wasserdichte Lehmschicht und darüber eine wasserführende Kiesschicht auf. Vom Scherzberg/Guggerhübel, Eitenberg, Rothübel und Wülpelsberg/Habsburgerwald fliesst Hangwasser in die kleine Talsohle hinunter, was schon die Römer entdeckten und nutzten. Das Hausertäli wird durch einen unterirdischen südlichen Felsriegel zwischen dem Scherzberg und dem Eitenberg, im Gebiet des ehemaligen Reichhold- Chemie-Areals, teilweise vom Grundwasserreservoir Birrfeld abgetrennt. Durch das Täli fliesst der Süssbach. Der Einschnitt für den Bau der Bahnlinie Brugg-Othmarsingen, 1875, zerteilte das Gelände. Die dabei gefasste Südbahnquelle speiste eine Zeitlang die Wasserversorgung von Altenburg.

Offensichtlich gibt es im Hausertäli einen östlichen und einen westlichen Grundwasserstrom. Im Gebiet der Holzgasse verengen sich die Läufe vorübergehend durch einen unterirdischen Felsriegel, der vom Rothübel bis zur Metzgerei Lüthi vordringt. Der Sodbrunnen Tannhübel liegt auf der westlichen Teilseite, die römische Wasserleitung auf der östlichen. Beides sind Zeugen vergangener Zeiten. Wie sehr sich die Verhältnisse geändert haben, zeigt der Wasserkonsum: Die 3700 Einwohner von Hausen verbrauchen heute durchschnittlich 300 Liter Wasser pro Person und Tag. Das kann nur noch die regionale Wasserversorgung Rewa gewährleisten.

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