Wenn Ethno-Look auf Ethik trifft

Bisera Tasic ist jung, kreativ und nicht zu bremsen. Unter dem Label «Ethno Pearls» hat die Jungdesignerin aus Nussbaumen ihre erste Modekollektion entworfen.

Bisera Tasic hat eine eigene Modekollektion entworfen (Bild: sbs)

von
Suzana Senn-Benes

06. Februar 2019
09:00

Manch ein Mädchen träumt davon, Modedesignerin zu werden. Mit bunten Stoffen Traumkleider zu entwerfen, um damit viele Frauenherzen zu beglücken. Bei Bisera Tasic aus Nussbaumen blieb es nicht nur beim Traum. Sie verfolgte ihre kreativen Ideen und kreierte in einer Nacht-und-Nebel-Aktion vor etwa zehn Jahren ihr erstes Gilet. Ein Kleidungsstück mit handgefertigter Stickerei. In die Wiege gelegt bekam die 29-Jährige dieses Talent wohl von ihrer Grossmutter, welche gelernte Schneiderin war. Auch die Mutter wurde vom Nähen inspiriert und übte die Tätigkeit hobbymässig aus. Obwohl sie auf so viel Erfahrung hätte zählen können, liess sich Bisera Tasic zur Anfangszeit nicht wirklich helfen. Fehler standen an der Tagesordnung. Trotzdem übte sie stur aber fleissig weiter, bis sie einsehen musste, dass die Mutter doch an wertvollem Wissen reicher war. Und siehe da, nach dieser Einsicht erhielten die Einzelstücke plötzlich den nötigen Feinschliff und konnten sich zeigen lassen. 

   

Nach FMS auf Mode gesetzt

Gerne hätte Bisera Tasic eine Schneiderinnen-Lehre absolviert, doch führte sie ihr Weg zuerst von der Fachmittelschule zur Kantonsschule und schliesslich zum Bachelor of Arts in slawischer Sprach- und Literaturwissenschaft. Beim Studium erkannte  sie dank der Kunst Gemeinsamkeiten, welche die Schönheit verschiedenster Kulturen verbindet. Bisera Tasic, eine Frau mit serbischen Wurzeln und einem Schweizer Pass, setzt Zeichen und integriert in ihre Entwürfe das Kulturgut aus verschiedensten Regionen des ehemaligen Jugoslawiens. Mit kritischem Blick gegenüber der politischen Entwicklung ist es Tasic ein Anliegen, das slawische Erbe in ihre Kollektionen einfliessen zu lassen. In ihren Augen gehört es allen zusammen, auch wenn jeder wiederum für sich steht. «Ich nähe mit Freude und Leidenschaft und füge auch Liebe hinzu, was doch der Grundstein der Menschen sein sollte. Es liegt mir am Herzen, mich irgendwann, wenn meine Kollektion ins Laufen kommt, fürs Frauenrecht im Ausland einzusetzen. Ich will die Frauen unterstützen und sie ermutigen, auf Selbständigkeit zu setzen.» 

  

Der eigenen Linie treu bleiben

Bei einer Stammbaum-Recherche fand die engagierte Jung-Designerin heraus, dass ihre Wurzeln nach Dubrovnik führen, in die dalmatinische Hafenstadt an der Adria, auch als «Perle des Jadrans» bekannt. Dort sind kulturelle Schätze und Trachten zu finden, die Spuren vergangener Zeit aufzeigen. Ein Paradies für Ethno-Liebhaber und erst recht für eine Designerin, die sich der Ethik auf ihrem Etikett verschrieben hat. 

Die Matura-Arbeit von Bisera Tasic widerspiegelte auch schon ihre Haltung vom Miteinander. In ihrem Diplomwerk zeigte sie auf, wie die Musik im Balkan die Menschen verbindet. Der Gesang spielt im Leben von Bisera Tasic ebenso eine wichtige Rolle wie die Schneiderei. Mit ihrer Schwester trat sie schon des Öfteren als Tasic-Sisters auf, mit slawischen Liedern im Gepäck und in selbst genähten Trachten gehüllt. Nicht verbiegen möchte sich die junge Frau. Sie will ihren eigenen Weg gehen, ihrer Linie treu bleiben – mit alltagstauglicher Mode, aber auch edlen Stücken, stets mit einem Hauch von Romanik und ethnischem Hintergrund. Bisera Tasic macht Mode für die modebewusste Frau, welche auf Weiblichkeit steht und diese auch zeigen möchte. Als Vorbilder sieht sie Coco Chanel und Karl Lagerfeld. Es imponiert ihr, wie beide fast aus dem Nichts zu unvergesslichen und beliebten Modeikonen wurden. 

 

Erste Kollektion ist Wirklichkeit

Im Hotel Blume fand kürzlich ein Fotoshooting ihrer ersten Kollektion statt. Eingebettet ins passende Ambiente, florale Muster versus Pflanzengrün. Mit Stolz erwähnt die «Ethno-Pearls»-Besitzerin, dass die Firma Walder ihr edle Schuhe fürs Shooting sponserte und sie in Zürich in zwei Geschäften ihre Kollektion präsentieren darf. Vorerst hängen in ihrem Atelier nur Frauenkleider, doch ist auf den Herbst eine Herrenkollektion eingeplant. Bisera Tasic sprudelt wahrlich vor Ideen, mit dem Ziel, Traditionen in ihr Ethno-Modeprojekt einzubauen und das kulturelle Gut verschiedenster Kulturen zu vereinen. Ein vorbildlicher Ansatz, um mit dem Ethno-Look ein Zeichen zu setzen und der Modewelt vor Augen zu halten, was wirklich zählt im Leben. 

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