Wie geht es nach dem Eklat weiter?

Nach der Kündigung des Windischer Schulleiters Philipp Grolimund gaben auch die Schulpflegerinnen Judith Zürcher und Mirjam Oertli ihren Rücktritt.

Zünftig durchgeschüttelt: In Windisch kündigte erst der Schulleiter, dann traten zwei Schulpflegerinnen zurück (Bild: sha)

von
Annegret Ruoff

08. Januar 2019
19:00

Die Differenzen an der Schule Windisch begannen längst, bevor Schulleiter Philipp Grolimund knapp vor Weihnachten seine Kündigung per 31. Juli 2019 aussprach. Mit diesem Schritt aber wurde öffentlich, dass es zünftig kriselte. Denn Grolimund ist eine ausgewiesene Fachkraft mit jahrzehntelanger Erfahrung. Vor seiner Anstellung in Windisch war der 58-Jährige dreissig Jahre lang an der Schule Muhen angestellt, zudem ist er als Co-Präsident des Verbandes Aargauer Schulleiter tätig. Nach den Gründen für seine Kündigung gefragt, verweist Grolimund auf Schulpflegepräsidentin Judith Zürcher (SP). Diese bedauerte den Abgang des Schulleiters gegenüber der «Aargauer Zeitung» und sprach von einem «grossen Verlust für die Schule Windisch». Nur wenige Tage später, am 3. Januar, gab die Präsidentin selbst den Rücktritt per Ende Monat bekannt. Mit ihr tritt auch Schulpflegerin Mirjam Oertli (FDP) per Ende Januar aus der Schulpflege aus. Diese wollte aus Gründen der Rücksichtnahme – «damit in der Schule Windisch nun wieder Ruhe einkehren kann» – gegenüber dem General-Anzeiger keine Stellung nehmen. «Innerhalb der Schulpflege hat es zunehmend grosse Differenzen über die Rolle als strategische Führung und über die Aufgabenteilung zwischen der Schulpflege und der Schulleitung gegeben», begründet Judith Zürcher ihren Rücktritt. Das habe zu einer Polarisierung geführt. «Eine konstruktive Zusammenarbeit ist nicht mehr möglich», so die abtretende Schulpflegepräsidentin.

  

Unterschiedliche Vorstellungen

Das Ausmass der Krise erstaunt insofern, als Judith Zürcher, die erst 2017 im Rahmen der Gesamterneuerungswahlen in die Windischer Schulpflege gewählt wurde, zuvor als Schulleiterin in Laufenburg äusserst gute Erfahrungen gemacht hatte. «Ich hatte als Schulleiterin das Glück, mit einer Schulpflege zusammenzuarbeiten, die mich unterstützte und alle an der Schule Beteiligten in ihre Entscheide miteinbezogen hat», erklärt die inzwischen pensionierte Lehrerin. «Diese Art von Führung hätte ich auch gerne in Windisch umgesetzt.» Dies sei aber nicht möglich gewesen. «Mirjam Oertli und ich teilen die Ansicht, dass es wichtig ist, genau hinzuhören, was die Mitglieder der Schulleitung und die Lehrerinnen und Lehrer benötigen», sagt die Schulpflegepräsidentin. «Es kommen grosse Herausforderungen auf die Schule zu. Da ist es wesentlich, dass die Lehrpersonen von der Schulpflege gut unterstützt werden.» Zu den grossen Herausforderungen zählen unter anderem die
Umsetzung des Lehrplans 21 und die umfangreiche Schulraumplanung. 

Judith Zürcher betont, dass die Situation in Windisch in dieser Ausprägung mit Sicherheit ein Einzelfall sei. Und sie hält fest, dass nicht persönliche Konflikte zur Eskalation beitrugen. «Es geht um unterschiedliche Haltungen», sagt sie.

 

Eigenständige Behörde

Eins ist klar. Aus dem Nichts kamen die Differenzen nicht. «Ich habe mit der Schulaufsicht Kontakt aufgenommen und die Situation geschildert», sagt Judith Zürcher. «Die vorgeschlagenen Massnahmen hätten aber erst im Laufe des zweiten Semesters umgesetzt werden können.» Da die Belastung durch die Auseinandersetzungen zu gross geworden sei, hätten Mirjam Oertli und sie letzten Endes beschlossen, zurückzutreten. «Der Gemeinderat hat im Rahmen seiner Begegnungen wahrgenommen, dass Unstimmigkeiten in der Schulpflege spürbar sind», bestätigt auch Gemeindepräsidentin Heidi Ammon. Die Schulpflege sei aber eine eigenständige Behörde mit allen Rechten und Pflichten. Entsprechend sei es dem Gemeinderat nicht möglich, direkt Einfluss zu nehmen. «Wo möglich, haben wir uns aber unterstützend und beratend eingebracht», so Ammon. 

 

Neuwahlen am 19. Mai

Vergangenen Montag lud der Gemeinderat die verbleibenden Schulpflegemitglieder Suad Maliqi (parteilos), Zeynep Karavus (CVP) und Amir Nuredini (FDP) zu einem Informationsaustausch ein. «In einem konstruktiven Gespräch wurde das weitere Vorgehen besprochen«, sagt Heidi Ammon. «Ziel ist es, als Schulpflege die Akzeptanz zu den verschiedenen Tätigkeitsebenen wieder auf eine gute Basis der Zusammenarbeit und der offenen Kommunikation zu stellen», erklärt die Gemeindepräsidentin. Der reibungslose Schulbetrieb sei durch die Schulleitung und die neu organisierte Schulpflege zu jeder Zeit sichergestellt, vermeldet die Gemeinde. Zudem sei die Ausschreibung für die Stelle des Gesamtschulleiters bereits erfolgt. Im Weiteren habe sich der Gemeinderat mit den Präsidien der Ortsparteien und der Einwohnerrats-Fraktionen über das weitere Vorgehen betreffend Neubesetzung der Schulpflege ausgetauscht. Die Anwesenden hätten davon Kenntnis genommen, dass die Schulpflege motiviert ist, sich weiterhin für die Schule Windisch einzusetzen. Zur Ergänzung des bestehenden Gremiums würden nun, unabhängig von der politischen Zugehörigkeit, die bestmöglichen Kandidatinnen und Kandidaten gesucht. Zu diesem Zweck wird der Gemeinderat eine öffentliche Ausschreibung machen. Die Wahl findet am 19. Mai statt, die Nomination erfolgt bis Anfang April.

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