Wie Gemsen den Jura eroberten

Seit den 1960er-Jahren leben Gemsen wieder im Schweizer Jura. Damals wurden die «Felsenkletterer» auch im Aargau wieder angesiedelt.

Eine Gamsgeiss und ihr Kitz tauschen familiäre Zärtlichkeiten aus. (Bild: bhe)

29. Dezember 2021
08:23

Ein schöner Abend im Spätherbst beim Steinbruch Gabenchopf auf dem Plateau des Villiger Geissbergs. Mit meiner Frau bin ich auf Gamspirsch, «bewaffnet» mit meiner Canon EOS1-DX mit 600-mm-Teleobjektiv. Nach kurzer Zeit entdecken wir vom Grubenrand aus an einem steilen Geröllhang eine Gamsgeiss mit ihrem Kitz. Ich nehme sie sogleich unter «Beschuss», sie scheinen sich jedoch weder am relativ lauten Klicken der Kamera noch an unserer Anwesenheit zu stören; wir sind für sie wohl auf sicherer Distanz. Nachdem sie eine Weile geäst haben, widmen sie sich der Fellpflege und tauschen dabei familiäre Zärtlichkeiten aus – was für ein berührender Moment!


Enge Beziehung zwischen Muttertier und Kitz
Gemsen leben überwiegend in lockeren Rudeln von bis zu dreissig Individuen. Während der Setzzeit im Frühsommer ziehen sich die Geissen vom Rudel zurück, um ihr Kitz an einem geschützten Ort zur Welt zu bringen. Seltener sind es zwei oder drei Kitze, die ihrer Mutter schon wenige Stunden nach der Geburt in schwieriges Gelände folgen können. Später kehren die Muttertiere mit ihrem Nachwuchs zum Rudel zurück, wo sich die Kitze bald zum Spielen, später auch zum Äsen zu «Kindergärten» zusammenfinden. Die Kitze werden sechs Monate lang gesäugt und bleiben bis zu einem Jahr bei der Geiss. Dabei entwickelt sich eine enge Beziehung zwischen Muttertier und Kitz. Wie bei den meisten Säugetieren kümmern sich die Männchen gar nicht um die Aufzucht und den Schutz des Nachwuchses, ganz im Gegensatz zu vielen Vogelarten, wo Männchen oft die liebevolleren «Mütter» sind. Die Gamsböcke leben meist einzelgängerisch und heften sich nur während der Brunftzeit im November an die Geissenrudel.


Gemsen in Villigen und Brugg
Es ist bekannt, dass man am Villiger Geissberg, wie auch an anderen Orten im Aargauer Jura, mit etwas Glück Gemsen beobachten kann. Auch auf dem Bruggerberg streifen einige Tiere umher. Das war nicht immer so. Bis in die 1960er-Jahre gab es im ganzen Jurabogen keine Gemsen, obwohl sie bis in die Jungsteinzeit sehr wohl in diesem Gebiet lebten. Nach der Wiederansiedlung wurden die Gemsen im Aargau unter Schutz gestellt. Dadurch vergrösserte sich die Population am Geissberg kontinuierlich und erreichte im Jahr 2010 einen Höchstbestand von rund 200 Tieren.

Wie die Felsenkletterer den Weg zurück zu den Jurahöhen fanden, ist in den Brugger Neujahrsblättern 2022 nachzulesen – in einer unter vielen spannenden und bewegenden Geschichten aus der Region Brugg.


Die «Brugger Neujahrsblätter 2022» erscheinen am 30. Januar 2022. Sie können an den Verkaufsstellen in Brugg bezogen oder via bnjb.ch bestellt werden.

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