Wildschweinschäden im Rebberg

Trotz eines Elektrozauns richten Wildschweine seit Wochen im Rebberg «Sommerhalde» in Villnachern massive Schäden an.

Massive Spuren der Wildschweine im Terrain an der «Sommerhalde» (Bild: zVg)

von
Hans-Peter Widmer

06. November 2019
09:00

Die Wildschweinplage an der «Sommerhalde» ist nicht neu, aber sie hat sich seit dem vergangenen Sommer massiv verschärft. Im Gebiet wurden Rotten mit bis zu 20 Tieren gezählt. Weil der alte Drahtzaun nicht mehr genügte – die Schwarzkittel, wie sie in der Waidmannssprache genannt werden, gruben sich unten durch –, wurde der Rebberg im August mit einem 50 Zentimeter hohen elektrischen Wildzaun eingehagt. Doch die schlauen Eindringlinge wussten sich rasch zu helfen: Sie übersprangen das Hindernis einfach und hinterliessen im Terrain und am Traubenbehang gravierende Spuren. Am stärksten ist das Weingut Hartmann in Remigen betroffen, das an der «Sommerhalde» die grösste Rebfläche bewirtschaftet. Andere Rebbesitzer wurden weniger oder nicht geschädigt.

 

Den Boden durchwühlt

Die Wildschweine durchwühlten den Boden und zerstörten auf längeren Strecken den Grasbewuchs zwischen den Rebreihen, der vor Erosion schützt und ein gutes Bodenmilieu begünstigt. Auf der Suche nach Käferlarven, Würmen und Engerlingen – ihrer beliebten Proteinnahrung – drangen die Sauen mit ihren kräftigen Rüsseln zum Teil bis zu den Pflanzenwurzeln vor. Und sie beschädigten auch die Terrassierung. Die Eindringlinge fanden zudem an den reifenden Weinbeeren Gefallen. Sie richteten an rund 300 Kilo weissen Müller-Thurgau-Trauben und an über zwei Tonnen roten Blauburgunder-Trauben Frass-Schäden an. Neben dem aktuellen Ernteverlust sind Folgeschäden zu erwarten. Wegen der Bodenunebenheiten kann das Gras vor dem Wintereinbruch nicht mehr gemäht werden – die Mäuse wirds freuen. Und der Boden lässt sich erst im nächsten Frühling, wahrscheinlich in Handarbeit, wieder ausebnen. Denn ein Maschineneinsatz ist in den beschädigten Rebgassen erschwert und die Arbeitssicherheit gefährdet. Der Winzer Bruno Hartmann befürchtet, dass die Beschädigung der artenreichen Wiesenstreifen und die Stickstoffmobilisierung zum falschen Zeitpunkt eine Störung des Ökosystems im Rebberg bewirken kann. 

 

13 Tiere im Rebberg erlegt

Angehörige der Jagdgesellschaft Bözberg haben allein in den vergangenen Wochen im Rebberg «Sonnhalde» 13 Wildschweine erlegt. Eigentlich gehören Rebberge und vor allem durch Wildzäune geschützte Rebparzellen – anders als der Wald und die offene Flur – nicht zum elementaren Jagdgebiet, wie Obstplantagen auch nicht. In diesem Fall müssen Jagdgesellschaften keinen Anteil an den Wildschadenkosten übernehmen. Die Vergütung obliegt dem Kanton. Sie wird durch eine Schadensabschätzung ermittelt. 

Obschon die Wildschweinplage noch nicht gemeistert ist, lobt Bruno Hartmann den Einsatz der Jäger: «Sie haben ihr Mögliches getan.» Doch die Wildschweinbestände in der Gegend sind einfach zu gross. Die intelligenten Tiere steuern ihre Population nach dem Nahrungsangebot, und das ist reichlich vorhanden. Auch die vergangenen milden Winter hatten keine regulierende Wirkung.

Was können die Rebleute an der «Sommerhalde» noch tun? Die Rede ist von einer Erhöhung und Verdichtung des elektrischen Wildzaun, ähnlich einem Schaf-Weidezaun, um den ganzen Rebberg.

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