«Wir feiern einen Meilenstein»

Seit 25 Jahren werden Menschen in ihrer letzten Lebensphase sowie ihre Angehörigen im Hospiz Aargau in Brugg liebevoll betreut. Dank Pionierin Luise Thut. 

Hospiz-Pionierin Luise Thut, flankiert von Beatrice Koller und Anna Schütz. (Bild: CL)

von
Claudia Marek

09. September 2019
16:45

«Wir feiern einen Meilenstein», sagte Dieter Hermann, Geschäftsführer von Hospiz Aargau, beim Apéro riche. «Unser Hospiz ist eine der ersten Institutionen der palliativen Pflege und Sterbebegleitung in der Schweiz. Und es ist toll, dass es uns noch gibt», so Hermann stolz. Im Hinblick darauf, dass das Hospiz zu 40 Prozent über Spenden finanziert wird, sei dies keine Selbstverständlichkeit. Auch Anna Schütz, Präsidentin des Vereins, freut sich sehr über diesen Meilenstein. Sie empfinde grosse Dankbarkeit diesen engagierten Personen gegenüber, den Gründern wie auch den vielen Menschen gegenüber, die das Hospiz 25 Jahre lang durchgetragen haben. 

 

Sie ging beharrlich ihren Weg

370 Personen, Mitglieder des Vereins, Vertreter von Politik, Netzwerk Partner, freiwillige Helfer und Freunde des Hospizes Aargau folgten der Einladung zur Jubiläumsfeier. Ein kurzweiliger, unterhaltsamer Abend mit Witz und Tiefgang stand auf dem Programm. Durch den Abend führten Anna Schütz und Beatrice Koller Bircher, Stiftungsratspräsidentin. Ehrengast und Hauptperson des Abends war Hospiz-Gründerin Luise Thut. «Ohne sie wären wir nicht hier», betonte Anna Schütz. Unter grossem Beifall betrat Luise Thut die Bühne. «Es braucht Menschen, die ihren Weg beharrlich gehen», so Schütz. Zwei Frauen inspirierten und begleiteten Luise Thut auf diesem beharrlichen Weg: die Ärztin und Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross sowie die Hospiz-Pionierin Sisley Sounders. Diese habe ihr damals auch den Rat gegeben, mit einem ambulanten Angebot anzufangen. «Ein stationäres Hospiz kannst du in der Schweiz nicht eröffnen», habe Sounders damals zu ihr gesagt, erzählte Luise Thut. 

Die ambulante Sterbebegleitung wurde erstes Standbein des Vereins. In dieser Zeit ist viel passiert, und der Gründerin wurden auf dem Weg viele Steine in den Weg gelegt. Aber mittlerweile verfügt das Hospiz Stationär, Palliative Care im ehemaligen Bezirksspital Brugg über zehn Zimmer und ist zu einer anerkannten und professionellen Institution geworden.

 

Ein Leben ohne Tod wäre tödlich

Vielleicht dauerte es auch deshalb etwas lange bis der Hospiz-Gedanke bei uns Fuss fassen konnte, weil wir Menschen nicht gerne ans Sterben denken. Das sagt jedenfalls Ludwig Hasler, Philosoph, Autor und Publizist und einer der erfolgreichsten Redner der Schweiz. In seinem Vortrag «Ein Leben ohne Tod wäre tödlich», brachte er das Publikum mit einer guten Mischung aus Tiefgang und Witz zum Nachdenken und Schmunzeln. 

«Sterben tun die anderen», das sei die typische menschliche Haltung. Wir wissen zwar, dass wir sterben müssen, wahrscheinlich an Krebs, laut Medien, aber schon Freud sagte: «Im Grunde glaubt niemand an den eigenen Tod.» Wir leben, als würden wir ewig leben. Das sei früher anders gewesen, obwohl man nicht so alt wurde. Die Hauptsache war, dass man gute Karten fürs Jenseits hat. Und da wir mittlerweile vom Himmelsdruck befreit sind, machen wir uns selber Druck, so Hasler. Wir wollen das Paradies hier und jetzt und mit allem Drum und Dran. Und werden im Alter gierig nach langem Leben. «Wollen wir möglichst viele Tage oder Tage mit möglichst viel Leben?», stellte Ludwig Hasler die Frage. 

 

Jetzt ist meine Zeit

Hasler empfiehlt die Vergänglichkeit als Freundin zu betrachten. Denn nur wegen ihr könnten wir überhaupt ein gutes Leben haben. In der Unsterblichkeit lebe man wie ein Toter. Alles Menschliche verliere seinen Sinn. «Wir haben grosse Emotionen, weil wir sterben», betonte Hasler. Er empfiehlt folgende Lebensweise: aus der Rolle fallen, über die Schnur hauen, aus dem Altersheim ausbrechen, sich verschwenden, nicht nur sein mickriges Ich sehen und zu sündigen. Er halte sich an Goethe, der sagte: «Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, lasse sich begraben.»

 

Eine Silbermünze und eine Tafel

Anlässlich des Jubiläums liess man zu Ehren der Pionierin eine Silbermünze prägen. Die Münze soll daran erinnern, wie wertvoll und wichtig diese Arbeit ist. Sie soll den Menschen Mut machen, eigene Visionen umzusetzen.  Ausserdem wurde eine Gedenktafel geschaffen, auf der Luise Thut zusammen mit ihren beiden Wegbegleiterinnen aufgeführt ist. Die Tafel wird im Hospiz Aargau in Brugg montiert. «Ich bin überwältigt», sagte die 91-jährige Pionierin und betonte, dass sie die Ehre nicht allein verdient habe. «Viele Menschen haben dazu beigetragen», so Luise Thut. Sie bedankte sich bei all den Menschen, die den Aufbau des Hospizes Aargau möglich gemacht haben, und wünscht, dass sie diese Arbeit professionell und mit Herz weiterführen.

 

Brugg und Windisch gratulieren

Im Namen der Stadt Brugg und der Gemeinde Windisch gratulierte Jürg Baur dem Hospiz Aargau zum silbernen Jubiläum. Hospiz-Arbeit bedeute achtungsvolles Begleiten bis ans Lebensende. Das Hospiz sei ein Ort mit einer tollen Atmosphäre, an dem Beziehung und Zuwendung im Zentrum stehe. Auch für die Angehörigen seien die Menschen, die dort arbeiten, eine grosse Stütze. «Du zählst, weil du du bist und wirst bis zum letzten Augenblick deines Lebens Bedeutung haben», dieser Satz von Sisley Sounders habe ihn tief berührt, so Baur. «Merci allen Beteiligten und Mitstreiter für diese wichtige Arbeit», so Baur.

  

Den Politikern Dampf machen

Dass man sich im Hospiz nicht nur auf die Patienten, sondern auch auf das Umfeld fokussiere, betonte auch Hanspeter Stutz, Geschäftsleiter, Dachverband Hospiz Schweiz.  An die Politiker gewandt, benutzte aber auch starke Worte. «Die finanzielle Situation ist für ein reiches Land wie die Schweiz unhaltbar», so Hanspeter Stutz und bat die Verantwortlichen, schnell eine gute Lösung für eine Finanzierung zu präsentieren. 

  

Tanz des Lebens

Musikalisch wurde der Abend von Adrian Stern begleitet. Der symphatische Badener Musiker weckte mit seinen Liedern Emotionen. Und Mariella Farré, Sängerin und Tänzerin sowie Leiterin des Danza-Zentrums, präsntierte mit ihrer Showgruppe das eigens für diesen Abend choreografierte Stück: «Tanz des Lebens».

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