«Wir müssen in Brugg zusammenspannen!»

Ums Standortmarketing kümmern sich derzeit mehrere Organisationen. Das sollte sich dringend ändern, findet Jürg Hässig, Präsident von Tourismus Region Brugg.

«Hier wäre der ideale Ort für ein Tourismusbüro»: Jürg Hässig vor dem leeren Lokal im Effingerhof (Bild: aru)

von
Annegret Ruoff

17. Juli 2019
09:00

«Tourismus Region Brugg»

Der Verein «Tourismus Region Brugg» existiert seit über 20 Jahren. Er hat sich zum Ziel gesetzt, Brugg als Standort zu fördern und dessen Attraktivität zu steigern. Der Vorstand setzt sich derzeit zusammen aus Jürg Hässig (Präsident), Peter Belart, Sepp Riechsteiner, Thomas Schäublin und Hans-Rudolf Sommer.

www.tourismusbrugg.ch

Jürg Hässig, bei Ihrer Wahl Anfang 2016 zum Präsidenten des Vereins Tourismus Region Brugg wohnten Sie noch in Dietikon und kannten die Region Brugg-Windisch vor allem vom Hörensagen. 

Das stimmt. Mittlerweile hat sich das aber geändert. Wenn man sich in einem solchen Amt für eine Region einsetzt, muss man auch da wohnen, so meine Philosophie. Seit dem ersten September 2018 hause ich also hier, mit Ausblick auf eine der schönsten Orte dieser Stadt, die Aareschlucht.

 

Dieser Ausblick wirkt bestimmt inspirierend. Welche Vision haben Sie für diese Stadt? 

Lassen Sie mich bei der Ausgangslage beginnen. Region und Stadt Brugg bieten sehr viel, gerade auch historisch. Eigentlich ideal, nicht wahr? Wie aber bringt man das an den Konsumenten? Unser Verein verfolgt die Vision, Grossanlässe nach Brugg zu bringen – zum Beispiel in den Campussaal. Das haben wir teilweise bereits umgesetzt. So ist es uns gelungen, die Galanacht des Aargauer Fussballverbands nach Brugg zu holen, die dieses Jahr bereits zum dritten Mal im Campussaal stattfindet. Da kommen immerhin 450 Leute zusammen! Ebenfalls fand die Delegiertenversammlung des Schweizerischen Gemeindeverbands mit 180 Teilnehmenden auf unsere Initiative hin im Campussaal statt. Von diesen Anlässen erhoffen wir uns mehr. Schliesslich ist die Lage von Brugg verkehrstechnisch ideal.

 

Sie machen sich also vor allem für die Auslastung des Campussaals stark? 

Wir erachten es als unsere Pflicht, etwas dafür zu tun, dass dieser Saal gut gebucht ist. Das spricht sich rum, und die Leute sagen: Hei, kennst du Brugg? Da musst du unbedingt hingehen! Das ist doch Standortförderung pur – also eines der zentralen Anliegen unseres Vereins.

 

Welche Ziele verfolgen Sie noch?

Wir wollen den Tourismus in der Region Brugg fördern. Diese Aufgabe ist eine riesige Herausforderung – zumal wir nur gerade fünf ehrenamtliche Vorstandsmitglieder haben, die meisten davon pensioniert. Schauen wir unsere Ressourcen an, können wir kaum etwas umsetzen, ohne Kooperationen einzugehen. Das schaffen wir zum Glück immer wieder. So erscheint etwa das Tourismusmagazin «Gut und gern» dank unserem Engagement. Das ist unser Aushängeschild, und wir bemühen uns, es nicht bloss aufzulegen, sondern wirklich unter die Leute zu bringen. Ein schönes Beispiel für unsere Arbeit ist auch der Slow-up. Den Anlass haben wir ursprünglich initiiert, umgesetzt wird er mittlerweile von Brugg Regio. Wir könnten so einen Grossevent mit 30 000 Teilnehmenden aktuell nicht mehr stemmen. Ein Riesenerfolg war auch die Veranstaltung «Brugg wird zum Bauernhof», die wir letztes Jahr erstmals organisiert hatten und auch diesen Herbst wieder durchführen. Da kamen wir aber ressourcenmässig an die Grenzen. Dabei sind es doch genau diese grossen Anlässe, welche die Leute nach Brugg bringen!

 

Planen Sie trotz beschränkter Möglichkeiten noch mehr solcher Grossanlässe?

Im Moment sind wir mit dem Förderverein Brugg daran, für nächstes Jahr ein Monsterguggenkonzert zu organisieren – auf der grossen Treppe im Campus. Wir sind also oft Ideen-geber, und dann braucht es andere, welche sie in die Tat umsetzen. Dasselbe gilt für das Klingende Lichterfest in der Altstadt. Da wurden wir angefragt, ob wir das in Zukunft mitgestalten möchten. Das tun wir gerne, aber wir brauchen die richtigen Partner dazu. Sie sehen, an Ideen fehlt es uns wirklich nicht!

 

Für einen Tourismusverein strotzt Ihre Öffentlichkeitsarbeit nicht gerade vor Transparenz. Ihre Homepage befindet sich im Überarbeitungsmodus, und die Mitglieder des Vorstands zu eruieren, braucht Rechercheaufwand. 

Das soll sich nun definitiv ändern. Wir lassen gerade einen tollen Internetauftritt gestalten im Rahmen einer Masterarbeit an der Handelsschule/KV Basel – dazu kommt ebenfalls ein Imagefilm.

 

Und wie stehts mit den Mitgliederzahlen?

Unser Verein hat knapp 200 Mitglieder, bestehend aus Gemeinden, Privatpersonen und Unternehmen. Was die Privatpersonen angeht, sage ich Ihnen ganz offen: Wir sind überaltert.

 

Wie sieht es finanziell aus?

Nebst den Mitgliederbeiträgen erhalten wir von insgesamt drei Gemeinden finanzielle Unterstützung. Aber klar, um grössere Projekte umzusetzen, fehlt uns das Geld.

 

Die Gemeinden sind ja auch stark involviert bei Brugg Regio, zudem gibt es die Dachorganisation «InBrugg», die sich ebenfalls ums Standortmarketing kümmert. Kommen sich dieses vielen Organisationen nicht in die Quere?

Ich muss vorausschicken, dass wir uns von der Plakataktion von «InBrugg» zu Fronleichnam ganz klar distanzieren. Wir können uns aber vorstellen, bei einzelnen Projekten mit dem Verein zusammenzuarbeiten. Sie sehen, ich bin klar der Meinung, man sollte möglichst viel zusammenlegen. Diesbezüglich bin ich in Kontakt mit einer anderen Schweizer Gemeinde, deren Modell mich überzeugt. Dort haben verschiedene Organisationen, die fürs Standortmarketing verantwortlich sind, zusammen eine AG gegründet, die Gemeinde hat daran einen Anteil von 51 Prozent. 

So was schwebt mir auch für Brugg vor. Da liessen sich die Vereine Tourismus Brugg, Brugg Regio, der Förderverein, «InBrugg» und zum Beispiel eine Altstadtorganisation integrieren. Man könnte einen Geschäftsführer installieren und einige Angestellte. Es wäre möglich, zusammen zu planen sowie Dinge umzusetzen, und man hätte erst noch den finanziellen Rahmen dazu. 

 

Die Realität sieht allerdings anders aus. Es gibt, mit Verlaub, noch nicht einmal einen gemeinsam koordinierten Veranstaltungskalender von Brugg. 

Sehen Sie, da beginnt es schon! Es fehlt noch an vielen Orten. Das Wichtigste aus meiner Sicht wäre ein gemeinsames Tourismusbüro. Im Effingerhof gibt es derzeit freie Räume – an zentralster Lage. Das wäre doch was! Da könnten die Leute hin, wenn sie eine Info brauchen – und vielleicht gäbe es sogar die Möglichkeit, gemütlich einen Kaffee zu trinken. So eine Anlaufstelle hätte ich mir gewünscht, als ich das erste Mal nach Brugg kam. 

 

Und wie haben Sie sich stattdessen zurechtgefunden? 

Ich schloss mich spontan einer Stadtführung an. In einem zweiten Schritt besuchte ich mit den Vorstandsmitgliedern die verschiedenen Gemeinden. So bekam ich einen vertiefteren Einblick. Und mir wurde klar: Da kann man doch mehr draus machen! 

 

Nun sind Sie schon drei Jahre im Amt: Haben Sie mehr daraus gemacht?

Ansatzweise ist dies gelungen, ja. Nun gilt es, an diesem Ziel festzuhalten. Wir müssen Brugg attraktiver machen. Dafür brauchen wir aber eine grössere Organisation – und ein Hotel.

 

Das ist ja nun geplant.

Und es ist enorm wichtig. Wenn ich Organisationen nach Brugg bringe, will ich doch, dass sie hier übernachten – und nicht in Baden. Wesentlich  ist natürlich, dass wir dann auch mit der Hotellerie zusammenarbeiten und tolle Anlässe organisieren. Einer davon ist übrigens schon in Vorbereitung. Im Dezember 2020 wird der Bözbergtunnel eröffnet. Da planen wir einen richtigen Grossanlass. Solche Chancen muss man nutzen. Zugleich ich gebe zu: Es ist ein ambitioniertes Ziel. 

 

Ich merke, Sie gehen gerne grosse Projekte an – scheitern aber gleichzeitig an den nicht vorhandenen Ressourcen. 

So ist es. Eine richtig grosse Kiste anzugehen, und das in Brugg, das ist mein Traum. Aber dafür müssen wir zusammenspannen!

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