«Wir reden sehr oft über Handball»

Zu Besuch bei der Sportler-Familie Ariane und Leonard Pejkovic in Nussbaumen: Sie war Handballprofi im Ausland und Nationalspielerin, er ist Leistungsträger beim TV Endingen. Auch Tochter Neva liebt ihren grünen Ball.

Leonard, Ariane und Neva Pejkovic in ihrer Wohnung in Nussbaumen
Leonard, Ariane und Neva Pejkovic in ihrer Wohnung in Nussbaumen (Bild: is)

von
Ilona Scherer

05. November 2019
13:00

Sobald in der GoEasy-Arena der Schlusspfiff ertönt, gibt es für die kleine Neva kein Halten mehr: Dann läuft die Zweijährige mit ihrem grünen Ball auf das Spielfeld und drückt ihren «Tati», Leonard Pejkovic. Der Slowene ist Kreisläufer beim Nationalliga-A-Verein TV Endingen – und leidenschaftlicher Vater: «Wenn ich Neva umarme, spielt es gerade nicht mehr so eine grosse Rolle, ob wir verloren oder gewonnen haben», erklärt der 29-Jährige. Mutter Ariane ergänzt: «Neva liebt Turnhallen allgemein, aber es ist eher das Drum und Dran des Spiels wie die Trommeln der Fans, das sie fasziniert.» Musik sei derzeit Nevas grösste Leidenschaft. 

Trotzdem ist Handball in der Familie Pejkovic ein wichtiges Thema, denn auch Ariane Pejkovic war eine Top-Handballerin. Unter ihrem Mädchennamen Geissmann absolvierte sie 51 Länderspiele (105 Tore) und war zweimal als «Spielerin des Jahres» nominiert. Ihre Karriere führte die gebürtige Freienwilerin von Ehren­dingen bis nach Dänemark, Slowenien und Deutschland. 2014 kehrte sie in die Schweiz zurück, holte Cup und Meistertitel mit dem LK Zug und trat 2015 zurück. «Was Ari erreicht hat, schaffte keine andere Schweizerin in den letzten 25 Jahren», sagt Leo stolz.

Kennengelernt hat sich das Paar 2009 in Dänemark, wo Ariane in der damals stärksten Liga der Welt beim SK Aarhus unter Vertrag war und in einer Sport-Akademie lebte. Leo war damals nach der Matura Nachwuchs­profi bei RD Slovan in Ljubljana, als ein Teamkollege ihn fragte, ob er mit ihm für ein halbes Jahr nach Dänemark komme. «Eigentlich hatte ich keine Lust», erinnert sich Leo, «aber dann erfuhr es mein Vater, und meine Eltern fanden, diese Chance müsse ich packen.» Fünf Tage später sass er im Flieger. In der Akademie lief er Ariane über den Weg, und bald wurden sie ein Paar. Als er nach Slowenien zurückkehrte, trennten sie sich vorübergehend: «Die Distanz war zu gross.»

  • Ariane Pejkovic hat 51 Länderspiele
    Ariane Pejkovic hat 51 Länderspiele (Bild: zVg)
  • Leo Pejkovic in Action
    Leo Pejkovic in Action (Bild: zVg)

Champions-League-Pionierin

Der Zufall wollte es, dass auch Ariane in Ljubljana landete: «Unsere Nationaltrainerin war Slowenin. Als sich eine Spielerin von RK Krim verletzte, stellte sie den Kontakt zu mir her.» Schon als sie für die Vertragsunterschrift nach Slowenien flog, verabredeten sie sich: «Danach war klar, dass wir wieder zusammen sind.» 2010 spielte Ariane Geissmann als erste Schweizerin überhaupt mit einem Team in der Champions League und verpasste die Final Four nur knapp.

Ein Jahr später wechselte Ariane Geissmann nach Stuttgart, und weil Leos Verein in Slowenien kurz vor dem Ruin stand, durfte auch er wechseln. Ariane liess ihre Kontakte spielen und fragte, wo ein Kreisläufer gesucht werde. So kam der Transfer zum TV Endingen zustande, wo Leo nun seit neun Jahren unter Vertrag ist. Neben dem Handball arbeitet er drei Tage pro Woche als Fitnessinstruktor im Fitnesspark Baden im Trafo. Zudem ist er Trainer der U17 von HSG Aargau Ost Inter 1. «Er ist ein strenger Trainer und fordert viel Disziplin von seinen Spielern. Aber ohne Disziplin geht es halt nicht», sagt Ariane. 

 

Neva wächst zweisprachig auf 

Doch wenn er mit Wirbelwind Neva zusammen ist, wird aus dem strengen Trainer der «Tati», der ganz in seine Tochter verschossen ist. Die Eltern teilen sich die Betreuung ihrer Tochter: Am Montag und Donnerstag ist Papa-Tag, mittwochs ist Ariane zu Hause. Seit Februar arbeitet Ariane Pejkovic, die Sportwissenschaften studiert hat, beim Schweizerischen Handball­verband in Olten. Sie ist dort als Assistentin Leistungssport für alle Nationalteams zuständig. Während Ariane Pejkovic mit Neva auf Schweizerdeutsch kommuniziert, spricht Leo nur Kroatisch mit seiner Tochter. 

Der Tag von Nevas Geburt war sehr emotional: Am Vormittag kam sie im Kantonsspital Baden zur Welt, am Nachmittag schaffte Leo mit dem TV Endingen den vorzeitigen Aufstieg in die höchste Schweizer Spielklasse.

Dem Aufstieg folgte der sofortige Wiederabstieg – und ein Jahr darauf die erneute Rückkehr: Endingen ist ein klassischer «Lift-Klub» und kämpft auch diese Saison als Vorletzter gegen den Abstieg in die NLB. «Wir müssen unbedingt den Ligaerhalt schaffen, damit wir dem Nachwuchs genug bieten können», fordert Leo: «Sonst wandern die besten Junioren weiterhin zur Konkurrenz ab.» 

Nach neun Saisons fühlt er sich in Endingen wie zu Hause, sein Vertrag läuft bis 2020. Pro Woche ist Leo Pejkovic sieben- bis zwölfmal im Training. «Dadurch habe ich oft wenig Zeit für meine Ladies», sagt Leo. «Als ich mir 2018 den Fuss brach, wäre das ohne die beiden mein Untergang gewesen», sagt er offen. Als ehemalige Spitzensportlerin weiss Ariane jedoch genau, wie viel Arbeit und Herzblut hinter dem Engagement ihres Mannes steckt: «Wir reden zu Hause sehr oft über Handball.» Schliesslich ist sie seit einem Jahr selbst wieder aktiv beim HC Dietikon-Urdorf in der
2. Liga und trainiert zweimal pro Woche. Allerdings nur noch aus Freude: «Der Ehrgeiz ist zwar noch da, aber nicht mehr so gross wie früher.»

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