«Wir sind da, die Türen sind offen»

Corona bedeutete für die Jugendarbeiter Michaela Ortlepp und Oliver Badrzadeh eine Herausforderung. Kontakte waren kaum möglich.

Die Jugendarbeiter Michaela Ortlepp (mit Hund Lino) und Oliver Badrzadeh im PiccadiIly freuen sich, dass wenigstens der Mittagstisch wieder geöffnet hat. Die Abstandsregeln zu den Jugendlichen machen ihre Arbeit aber schwierig
Die Jugendarbeiter Michaela Ortlepp (mit Hund Lino) und Oliver Badrzadeh im PiccadiIly freuen sich, dass wenigstens der Mittagstisch wieder geöffnet hat. Die Abstandsregeln zu den Jugendlichen machen ihre Arbeit aber schwierig (Bilder: sha)

20. Mai 2020
09:00

In diesem Jahr ist alles anders. Auch für das Jugendarbeitsteam im ältesten Jugendkulturhaus der Schweiz – dem seit 1963 bestehenden Piccadilly am Törlirain in Brugg. Normalerweise würde sich hier in diesen Tagen ein OK inten­­siv mit der Planung des Open Airs Lausch­allee am Jugendfest auseinandersetzen. Jugendliche würden ein- und ausgehen und im Jugendtreff zusammenkommen. 

Stattdessen herrschte letzten Freitag gähnende Leere. Nur die Jugendarbeiter Michaela Ortlepp und Oliver Badrzadeh halten die Stellung und sind primär mit administrativen Aufgaben beschäftigt. Der Grund liegt auf der Hand: Das Jugendfest mitsamt Lauschallee fällt heuer dem Coronavirus zum Opfer, und Jugendtreffs sind untersagt, da sich aktuell nicht mehr als fünf Personen zusammenfinden dürfen. Der verordnete Mindestabstand von zwei Metern zu den Jugendlichen mache ihre Arbeit derzeit sehr schwierig, erklärt Michaela Ortlepp. Ihr Kollege ergänzt: «Wir konnten in den letzten Wochen nur noch via WhatsApp-Gruppen Kontakt zu den Jugendlichen halten. Vereinzelte riefen aber auch an, wenn sie Rat suchten. Dennoch ist es momentan frustrierend für uns, auch weil keine Konzerte und andere kulturelle Events stattfinden können.»

 

Mittagstische finden wieder statt

Wenigstens gibt es seit dem 11. Mai wieder die beliebten Mittagstische der Oberstufe im Piccadilly. Diese sind vom Schulbetrieb abhängig. Bis zu 55 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren nehmen daran teil. Für die Brugger Jugendarbeitenden sind die Kontakte am von ihnen betreuten Mittagstisch sehr wichtig. Hier bauen sie Beziehungen auf, und die Jugendlichen aus der Umgebung lernen das Jugendhaus kennen. 

 

Engagiertes Team sucht erneut einen «Zivi»

Das aktuelle Team des Jugendkulturhauses ist noch nicht lange vor Ort. Die aus Bamberg stammende Michaela Ortlepp, ist im Piccadilly für alle Belange der Jugendarbeit der unter 16-Jährigen zuständig. Sie betreut als ausgebildete Pädagogin und Erzieherin die Jugendtreffs und speziell die Mädchentreffs.

Oliver Badrzadeh, gebürtiger Zürcher mit väterlicherseits persischen Wurzeln, sammelte während vieler Jahre Erfahrung als Jugendarbeiter in Dietikon und Buchs ZH. Er betreut schwerpunktmässig die Jugendkultur, das Barteam und eine neu gebildete Kulturgruppe sowie die über 16-jährigen Piccadilly-Besucher. Als Musiker und Produzent von elektronischer Musik verfügt er über das nötige Know-how, und er bot in Dietikon auch schon Musikproduktions-Workshops an. Bad­rzadeh ist der Nachfolger von Igor Simonides, der das Team nach sieben Jahren 2019 verliess.

Zur Verstärkung wird noch ein Zivildienstleistender gesucht. Dieser arbeitet nicht nur beim Mittagstisch mit, sondern hilft auch im täglichen Betrieb sowie an Events mit. «Es ist eine sehr vielseitige Aufgabe, bei der man viel über Eventmanagement, Organisation und auch Betreuung lernen kann», ist Oliver Badrazadeh überzeugt. Der aktuelle «Zivi» Jonathan Schenker ist nur noch bis Juli im Team, und danach wird für ihn ein Nachfolger gesucht. 

 

Verein als Rückhalt und Basis

Die Jugendarbeitenden werden vom Vorstand des Vereins Piccadilly, Jugendarbeit in Brugg, unter Leitung von Präsidentin Majken Larsen unterstützt. Es besteht eine Leistungsvereinbarung mit der Stadt Brugg, die erstmals 1998 unterzeichnet und zuletzt im August 2019 erneuert wurde. Das Pic soll auch weiterhin ein Treffpunkt zum Chillen, Diskutieren und für Filmabende sein, wo sich Jugendliche in ungezwungenem Rahmen treffen können. Dieser Auftrag der Stadt kommt bei der Zielgruppe gut an. 

Das Pic ist traditionell auch Durchführungsort für den Aargauer Bubenkulturtag. Dieser soll auch 2020 wieder im Pic stattfinden. Letztes Jahr genossen über 70 Buben aus dem ganzen Kanton die Workshops im Pic.

 

Abstandsregeln einhalten

Zwar sei es ihnen während der Corona-Zeit nicht langweilig geworden, erklärt Oliver Badrzadeh. «Wir haben Angebote geplant wie etwa ein Ferienprogramm mit verschiedenen Workshops.» Aber natürlich freuen sich er und Michaela Ortlepp, wenn die Abstandsregeln wieder gelockert werden und sie sich ihrem eigentlichen Auftrag, der Kontakt- und Beziehungsarbeit zu den Jugendlichen, widmen können. Michaela Ortlepp sagt es so: «Wir sind ab sofort wieder für die Jugendlichen da, wenn auch nur in Kleingruppen und mit dem vorgeschriebenen Abstand. Unsere Türen sind aber auf jeden Fall offen.»

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