«Wir sind das Gegenstück zu Grossbanken»

Die Integration der NAB in die CS hat den Konkurrenzkampf der Banken verschärft. Auch beim Personal ist einiges ins Rollen gekommen.

Andreas Schreiber, Regionalleiter AKB Brugg: «90 Prozent aller neuen Geschäftsbeziehungen werden in den Geschäftsstellen eröffnet, obwohl das schon lange digital möglich ist.» (Bild: zVg)

20. Januar 2021
15:32

Der Aargau und Brugg im Speziellen waren schon immer ein umkämpftes Pflaster für Banken. Bis Mitte der 1990er-Jahre gab es in Brugg Filialen der Aargauischen Kantonalbank (AKB), der Aargauischen Hypotheken- &Handelsbank (AHH), der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG), des Schweizerischen Bankvereins (SBV), der Schweizerischen Volksbank (SVB), der Genossenschaftlichen Zentralbank (GZB/Bank Coop, heute Bank Cler) sowie der Bank Aufina. SBG und SBV fusionierten bekanntlich längst zur Grossbank UBS. Und 1995 entstand aus der AHH unter anderem durch die Integration der Aargauer Filialen der Volksbank die Neue Aargauer Bank (NAB).

In der Neuzeit kamen auf dem Bankenplatz Brugg die Migros Bank, die Raiffeisenbank Wasserschloss sowie zuletzt die Valiant Bank hinzu und eröffneten Niederlassungen. So blieb es bis zum August letzten Jahres, als die Credit Suisse überraschend die Auflösung ihrer hundertprozentigen Tochter NAB verkündete und deren Integration in die CS per 1. Dezember 2020 auch umsetzte.

Dies blieb nicht ohne Auswirkungen. Anfang dieses Jahres gab die Aargauische Kantonalbank nun bekannt, dass sie ihr Private-Banking-Geschäft weiter ausbaut. Für den Regionalsitz Brugg wurden mit Kajtan Breitenmoser, Uwe Mall und Karl Pühringer gleich drei Kundenberater der ehemaligen NAB übernommen.

Der «General-Anzeiger» stellte Andreas Schreiber, dem Regionalleiter der AKB Brugg, aufgrund dieser personellen Rochade einige Fragen.


Herr Schreiber, Hand aufs Herz, welches Gefühl überwog bei Ihnen, als Sie von der Auflösung des langjährigen Mitbewerbers NAB erfuhren – Schadenfreude oder Riesenchance für die AKB?

Als ich im Autoradio diese Neuigkeit erfahren habe, traute ich meinen Ohren nicht. Für mich war die NAB eine feste Grösse im Aargauer und Brugger Bankenmarkt. Schadenfreude kam nicht auf, ich kenne zu viele Kolleginnen und Kollegen der ehemaligen NAB. Diese taten mir in erster Linie leid. Eine Riesenchance für uns? Nach dem ersten Kopfschütteln ging mir das auch durch den Kopf. Wir von der AKB können ja nichts für den Entscheid, den die CS getroffen hat.


Die AKB Brugg übernimmt ein ganzes Private-Banking-Team von der ehemaligen NAB und verdoppelt damit die Zahl der Mitarbeitenden in diesem Bereich. Ist dies nun als «Kriegserklärung» an die CS zu sehen?

Wir verdoppeln nicht ganz. Das bisherige Team unter der Leitung von Christoph Kühne ist zu viert und sehr erfolgreich unterwegs. Das neue Dreierteam hat den Auftrag, unsere Kundenbasis nochmals zu stärken und auszubauen. Von einer «Kriegserklärung» an die CS würde ich nicht sprechen. Die CS ist eine Grossbank, wir sind eine Kantonalbank und vertreten unsere eigenen Werte. Die Kunden, die uns als Bank wählen, legen Wert darauf, dass ihre Bank Entscheide im Aargau und für den Kanton und dessen Bevölkerung trifft.


Sollen diese neuen Mitarbeiter auch aktiv Kunden von der CS abwerben respektive mit zur AKB bringen?

Bereits am ersten Tag nach der Information über die Integration der NAB in die CS haben wir einen deutlichen Anstieg der Neukundeneröffnungen gespürt. Jeder Kundin und jedem Kunden steht es frei, bei welcher Bank sie oder er die Geschäftsbeziehungen pflegt. Aargauerinnen und Aargauer wollen häufig von einer Aargauer Bank betreut werden. Schliesslich gehören wir auch allen Bürgern, und unser Gewinn geht komplett in die Aargauer Staatskasse.


Nicht nur in Brugg, auch im Fricktal hat sich der Wettbewerb verschärft.

Den Einzug der Basellandschaftlichen Kantonalbank im Fricktal nehmen wir mit gewissem Unverständnis zur Kenntnis. Offenbar sehen auch andere Banken viel Potenzial im Wirtschaftsraum Aargau. Ich gehe nicht davon aus, dass ein unmittelbarer Einzug der Zürcher oder Basler Kantonalbank in Brugg oder Baden geplant ist. Zudem bin ich überzeugt, dass wir als AKB dank regionalen Kenntnissen und stark lokal verankerten Mitarbeitenden keine Angst vor weiterer Konkurrenz haben müssen.


Von einstmals 30 Aargauer Filialen hat die CS alle bis auf 12 geschlossen. Wie steht es um die Zukunft der heute 31 AKB-Filialen im Kanton Aargau (die 32. befindet sich in Olten)? Braucht es auch in ein paar Jahren noch so viele wie heute?

Auch hier sind wir das absolute Gegenstück zu Grossbanken. Wir wollen die starke physische Präsenz im Kanton Aargau mit 31 Geschäftsstellen aufrechterhalten und sind überzeugt, dass wir mit dieser Strategie richtig liegen. Wir sind im Übrigen auch die einzige Bank im Kanton, die in den letzten Jahren mit Oberentfelden, Fislisbach und Spreitenbach drei Standorte eröffnet (und nicht geschlossen) hat. Digitale Medien sind wichtig. Für umfassende Geschäfte wie Finanzierungen, Anlagen und Vorsorgethemen wünschen die Kunden nach wie vor das persönliche Gespräch, und wir können sie in unseren Filialen optimal beraten. Trotz der Digitalisierung ist die effizienteste und beste Kommunikationsart, wenn Menschen mit Menschen sprechen. Übrigens werden immer noch 90 Prozent aller neuen Geschäftsbeziehungen in den Geschäftsstellen eröffnet, obwohl das schon lange digital möglich ist.


Die Digitalisierung schreitet im Bankenwesen rasant voran. Covid-19 hat diesen Trend weiter verstärkt. Brauchen jüngere Bankkunden noch einen physisch präsenten Berater vor Ort oder lässt sich künftig alles per Videocall,  Onlinebanking, Twint oder mit anderen mobilen Tools erledigen?

Wir stellen auch bei den jüngeren Kunden keine Trendwende fest. Die heutigen jungen Menschen sind zwar digital affiner, kennen aber das Bankgeschäft und die Produkte genauso wenig, wie es zu unserer Zeit der Fall war. Oftmals werden auch heute noch die Kinder von den Eltern zur ersten Kontoeröffnung begleitet, und wir können in den Geschäftsstellen den jungen Kunden eine umfassende Beratung bieten. Dazu gehören auch alle digitalen Medien wie Mobile Banking, Twint oder Apple-Pay. Wenn alles eingerichtet ist, sehen wir diese oftmals für ein paar Jahre nicht mehr häufig in den Geschäftsstellen, bis sich die Lebenssituation ändert und Anlagen oder Hypotheken zum Thema werden.


Die CS lenkt ihre Aargauer Filialen von Zürich bzw. Basel (Fricktal) aus und setzt auf Kundenpools. Wäre dies auch für die AKB eine gute Lösung?

Für die AKB ist das kein Thema. Jeder Kunde mit einem Depot oder einer Hypothek ist bei uns persönlich von einem Kundenberater vor Ort in einer Geschäftsstelle betreut. Wir wollen den gegenseitigen Austausch aktiv pflegen. In unserer Region ist das neben dem grossen Regionalsitz in Brugg auch in unseren Geschäftsstellen in Birr-Lupfig und in Döttingen möglich. Auch dort pflegen wir die persönliche Beratung vor Ort. Alle Standorte bieten mit der Kundenzone, die von 9 bis 12 Uhr und 13.30 bis 17 Uhr geöffnet ist, die Möglichkeit, persönlich vorbeizukommen. Das Bedürfnis, ohne Voranmeldung eine Kontoeröffnung zu tätigen oder Beratungen und Support in den digitalen Produkten zu erhalten, ist nach wie vor sehr gross und nimmt aufgrund der steigenden Komplexität sogar zu. Zudem haben wir, im Vergleich zu den vielen anderen Banken, zwischen 10 Uhr und 12 Uhr und 13.30 Uhr bis 16 Uhr unsere Cash-Desks geöffnet. Kunden können während dieser Zeit Bargeldtransaktionen bei uns abwickeln. Terminvereinbarungen sind auch ausserhalb der Kundenzonen-Öffnungszeiten möglich. Wir sind dann da, wenn unsere Kundinnen und Kunden Zeit haben, dies kann durchaus auch am Samstag sein.

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