«Wir telefonieren seit 20 Jahren täglich»

Sie sind Geschwister – und neu auch gemeinsam Firmenchefs. Franziska und Adrian Schoop über strenge Chefs, Erziehung, Politik und Blumen.

Franziska und Adrian Schoop: Per 30. Juni 2021 kaufen sie Vater Martin die Schoop Gruppe ab. (Bild: is)

03. Februar 2021
14:13

Franziska Schoop

Geboren 1992, verheiratet, wohnhaft in Baden. Floristin mit Berufsmatura (2011), 2014 Diplom staatl. dipl. Meisterfloristin an der Academy of Flowerdesign. 2019/20 Eidg. Fachausweis Fachfrau Unternehmensführung KMU am Schweizerischen Institut für Unternehmensführung. 2013 Gründung des Blumengeschäfts «badenblüht!» am Theaterplatz, das seit 1. Januar von Sarah Hutter geführt wird. Seit 2018 Mitglied der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats der Schoop-Gruppe. Seit 2019 Verwaltungsrat Limmatstadt AG. 2018–2020 im Einwohnerrat Baden (FDP).

Adrian Schoop

Geboren 1985, ledig, wohnhaft in Turgi. Master in Rechtswissenschaften mit Wirtschaftswissenschaften (02/2014), Master in Recht und Wirtschaft. Von 2013 bis 2020 Geschäftsführer Soba Inter AG sowie Mitglied der Geschäftsleitung der Schoop-Gruppe. Seit 2012 Mitglied im Turgemer Gemeinderat, seit 2017 Gemeindeammann sowie Grossrat (FDP). Wichtigste Ämter und Funktionen: Vorstandsmitglied im Aargauischen Gewerbeverband und in der KVA Turgi sowie bei Baden Regio. Seit 2017 Mitglied der Justizkommission Kanton Aargau, seit 2021 Präsident Subkommission Begnadigungen.

Sie ist 28, er 35 Jahre alt – gemeinsam haben Franziska und Adrian Schoop per 1. Januar 2021 die in Dättwil ansässige Schoop-Gruppe mit 200 Mitarbeitenden von ihrem Vater Martin übernommen. «E-Journal» traf die Geschwister am Firmenhauptsitz in Baden-Dättwil zum Gespräch.
 

Wie haben Sie Ihre ersten vierWochen als Firmenchefs erlebt? 

Franziska Schoop: Für die Firma war es von der vielen Arbeit her schwierig mit den Schneemassen. Auf den Baustellen lief praktisch nichts. Persönlich hatten wir einen sehr guten Start. Die Stimmung in der Firma ist toll, und wir fühlen uns sehr wohl in dieser Konstellation. Auch unser Vater kommt noch regelmässig vorbei, er lässt uns hier jedoch machen – was sehr schön ist.
Adrian Schoop: Es ist Ende Januar, und wir hatten praktisch noch keine einzige Sitzung mit ihm! Natürlich interessiert ihn, was läuft, aber er mischt sich nicht ein. Trotzdem schätzen wir seine Erfahrung und seinen Rat. Generell spüren wir eine Aufbruchstimmung. Die Mitarbeitenden freuen sich über die eine oder andere Veränderung.
Franziska: Bis Ende Jahr war ich noch mehrheitlich in meinem Blumenladen «badenblüht!» in Baden und kam vor allem für Sitzungen nach Dättwil. Ich möchte jetzt voll in die neue Funktion hineinkommen. Dafür brauche ich sicher noch Zeit – und Adrians Unterstützung.
Adrian: Ich trage als CEO die Gesamtverantwortung, Franziska ist meine Stellvertreterin und hat die Gesamtleitung von Marketing und Verkauf. Man darf nicht vergessen: Ich habe acht Jahre Vorsprung als Geschäftsführer von Soba Inter, die in der Schoop-Gruppe den internationalen Handel macht.


Sie sind beide noch jung – wie halten Sie es mit dem Duzen in der Firma?

Franziska: Das haben wir Anfang Januar direkt eingeführt, von der Lernenden bis zum CEO. Das kam sehr gut an.
Adrian: Man kann trotzdem respektvoll zusammenarbeiten. Wichtig ist, eine klare Linie vorzugeben, Erwartungen klar zu formulieren – und trotzdem Humor und Fairness zu zeigen. Die Mitarbeitenden haben es gern, wenn man streng ist und sie fordert. Du musst nicht der Liebling aller sein. Ich liebe es, zwei, drei Mal pro Tag durch die Firma zu gehen und mit den Menschen zu sprechen.
Franziska: Unser Vater war auch immer sehr präsent bei den Leuten. Er hatte Vertrauen, sie durften Fehler machen. Das halten wir genauso. Wichtig ist, dass man daraus lernt.


Gibt es weitere Neuerungen?

Adrian: Wir haben einen internen Fernsehsender, «Schoop-TV», eingeführt, in dem wir für unsere Mitarbeitenden einmal pro Monat eine Nachrichtensendung mit News und Hintergründen aus der Firma produzieren …
Franziska: … also, du hättest am liebsten noch mehr Sendungen gemacht, aber ich sagte stopp, das wäre zu viel!
Adrian: (lacht) Stimmt, da musstest du mich bremsen. Also einigten wir uns auf einmal pro Monat. So kann ich meine Leidenschaft immer noch ausleben. Ich hätte mir ja auch vorstellen können, Journalist oder Tagesschausprecher zu werden.
Franziska: Die Sendung wird über unsere neue Mitarbeiter-App ausgestrahlt. 90 Prozent unseres Teams haben ja keinen Büroarbeitsplatz. Nun sind alle gleich eingebunden. Wir sind wie eine grosse Familie.


Man spürt, dass Sie ein sehr enges Verhältnis zueinander haben – trotz fast sieben Jahren Altersunterschied.

Adrian: Das war seit eh und je so, wir telefonieren seit etwa zwanzig Jahren täglich. Wir kennen uns wirklich fast in- und auswendig.
Franziska: Ich wollte schon als Mädchen immer überall dabei sein, wo Adrian hinging.
Adrian: Sie war auch die Unterhalterin und machte viel Blödsinn – aber im positiven Sinn.


Und wie war Ihr Bruder als Bub, auch schon so schnell wie heute? War das manchmal anstrengend?

Franziska: (lacht) Wenn, dann höchstens für unsere Eltern. Es konnte ihm nie schnell genug gehen. Auch seine Ausbildungen und das Studium hat er ja im Eiltempo absolviert.
Adrian: Als ich zwölf war, habe ich als Ferienjob in der Firma Halbfabrikate aus Metall hergestellt und war im Stundenlohn bezahlt. Weil ich damals schon sehr schnell unterwegs war, schlug ich vor, nach Stückzahl bezahlt zu werden. So verdiente ich deutlich mehr.


Und heute?

Franziska: Ich bin schon eher der ruhende Pol von uns beiden. Diejenige, die bremst und sagt, dass wir uns das vielleicht nochmal genauer anschauen müssen. Da ergänzen wir uns sehr gut.
Adrian: Sie sagt auch mal: «Hey, dieser Mitarbeiter braucht vielleicht etwas mehr Zeit in einer neuen Situation.» Diese Feedbacks sind für mich sehr wertvoll – und immer ehrlich.


In jeder Familie gibt es mal Streit. Wie haben Sie vorgesorgt, falls dieser Fall einmal eintreten sollte?

Adrian: Ein Aktionärsbindungsvertrag regelt den Fall der Fälle. Zudem haben wir einen sogenannten «Code of Conduct», einen Verhaltenskodex: Was passiert bei einem Konflikt, wen ziehen wir als neutrale Person bei? Wir hoffen natürlich, dass wir dieses Dokument niemals hervorholen müssen. Ehrlichkeit und Transparenz sind uns wichtig. Wir kennen gegenseitig unsere Löhne, die wir übrigens nicht erhöht haben.


Ihr Slogan lautet «Familie verpflichtet» – waren Sie schon als Kinder oft hier in der Firma?

Franziska: Es war nie so, dass wir gezwungen wurden mitzugehen. Aber ich habe natürlich hier mein erstes Sackgeld verdient. Später machte ich meine Lehre als Floristin und begleitete Vater oft in die Baumschule oder wenn es darum ging, an der Blumenbörse eine Pflanze auszusuchen. Daheim wurde nie viel über die Firma gesprochen. Unser Vater brachte auch nie Probleme oder Themen aus dem Geschäft nach Hause; das schätzte die Familie sehr.
Adrian: Ich war schon immer gern in den Hallen unterwegs und beeindruckt von den riesigen Büros, den Maschinen und den Lieferwagen. Ich habe früh in der Firma mitgearbeitet, während des Studiums in Teilzeit. Da ging ich auch mal im Gartenbau mit und erfuhr, was es heisst, wenn man nach Feierabend wirklich erschöpft ist. Das kann man sich fast nicht vorstellen im Büro.


War immer klar, dass Sie die Firma dereinst übernehmen?

Franziska: Mir war immer klar, dass ich nach der Bezirksschule eine Floristinnen-Lehre machen will. Nach einem kurzen Wechsel ins Treuhandfach machte ich einen Auslandsaustausch. Dann kam die Idee mit dem Blumenladen, das war mein Ding, das ich umsetzen wollte. Erst, als Adrian mit dieser Idee ankam, beschäftigte ich mich konkreter damit. Das war vor drei Jahren. Ich fand dieses Vertrauen extrem schön, ich war damals erst 24.
Adrian: Ich sagte immer, nicht zu früh, erst etwa mit 35. Als dann 2013 bei der Soba Inter grosse Veränderungen passierten, willigte ich nur für ein Jahr ein, weil ich unbedingt nochmal ins Ausland wollte. Zuvor war ich sechs Monate bei der Deutschen Bank in London, und die Finanzwelt gefiel mir sehr. Aber dann gab mir Vater immer neue Aufgaben, schliesslich war ich in der Geschäftsleistung. Und ich fand irgendwann: Wieso soll ich weggehen, wenn es so viel Spass macht?


Sie haben noch eine mittlere Schwester, Isabelle (33). Wollte Sie nie in die Firma einsteigen?

Adrian: Sie hat stets betont, dass sie nie die Gesamtverantwortung möchte. Es war ihr aber immer wichtig, dass die Firma in der Familie bleibt. Selber ist sie Lehrerin und in der Geschäftsleitung sowie im Verwaltungsrat der Firma Inter Grund tätig, einer Immobilienfirma. Diese ging aber nicht an uns über, sie wurde aus der Schoop-Gruppe herausgelöst.
Franziska: Wir haben immer offen darüber geredet, auch unsere Mutter war bei allen Gesprächen dabei. Ihr war es wichtig, dass alles sauber abläuft, dass es keinen Streit gibt und Privat von Geschäft getrennt wird.


Nun tragen Sie beide die Verantwortung für 200 Mitarbeitende. Wie gehen Sie mit diesem Druck um?

Adrian: Gute Frage. Wir haben uns das ganze letzte Jahr über damit beschäftigt, wie wir diese Verantwortung abfedern können. Ich bin ja auch noch in der Politik und fehle dadurch ein bis anderthalb Tage pro Woche. Wir haben unseren CFO, Lorenz Muntwyler, in die Gruppenleitung befördert und ihn zum Leiter Unternehmensentwicklung gemacht. Unser dreiköpfiges Gremium steht über der Geschäftsleitung. Die Geschäftsleitung wiederum ist ein bewährtes und sehr starkes Gremium, das unsere Strategie mitträgt.
Franziska: Es wird vor allem Ende Juni präsenter werden, wenn wir die Firma – zu gleichen Teilen – offiziell von unserem Vater abkaufen. Dann tragen wir auch finanziell die ganze Verantwortung …
Adrian: … und verschulden uns dafür stark mit einem Kredit bei der Bank. Wir wollten unserer Schwester gegenüber fair sein und zahlen doch einen rechten Preis für die Firma. Eine sehr grosse Verantwortung.
Franziska: Mit diesem Druck müssen wir aber umgehen können.


Der Zeitpunkt, mitten in der Corona-Pandemie, liess Sie nie zweifeln?

Franziska: Es ist sicher nicht der optimale Zeitpunkt, aber es ist auch ein Signal.
Adrian: Ja, man kann das als Chance sehen. Es wäre falsch gewesen, alles hinauszuzögern und nur da zu sein, wenn alles toll ist und super funktioniert. Wir haben uns ja ein Jahr lang intensiv vorbereitet. Jetzt können wir zeigen, dass wir gemeinsam durch diese Krise kommen. 


Sie haben sogar Wachstum als Strategie definiert.

Franziska: Wir glauben daran, dass das wirklich funktioniert. Und alle ziehen mit.
Adrian: Im Bereich Flachdach/Spenglerei wollen wir durchstarten, aber auch den Gartenbau weiter ausbauen. Unser Einzugsgebiet ist der Grossraum Baden, Lenzburg, Aarau. Aber in der Kantonshauptstadt sind wir noch zu wenig präsent; daran arbeiten wir derzeit.
Franziska: Wir wollen die Mitarbeitenden jedoch nicht überfordern, sondern vernünftig wachsen und einfach «dranbleiben». Sie sind unsere Visitenkarte nach aussen. Wir möchten ihnen etwas bieten. Ich mache zum Beispiel gerade via App eine Umfrage, wie wir unsere Arbeitskleidung verbessern können.
 

Adrian Schoop, Sie haben ja bereits bekannt gegeben, im Fall einer Fusion von Turgi mit Baden nicht als Stadtrat kandidieren zu wollen. Bleiben Sie aber Gemeindeammann von Turgi und Grossrat?

Adrian: Ich kandidiere diesen Herbst nochmals für vier Jahre als Turgemer Gemeindeammann. Aber selbst wenn die Fusion nicht zustande kommt, werde ich 2025 aufhören. Nach zwölf Jahren im Gemeinderat ist das ein guter Zeitpunkt. Auch mein Mandat als Grossrat behalte ich. Politik ist ein spannender Ausgleich. Und ich möchte betonen, dass ich immer noch genug Freizeit habe.


Und Sie, Franziska Schoop, hat die Politik nie gereizt?

Franziska: Ich war im Einwohnerrat Baden, aber da ich nach Wettingen umziehe, hörte ich auf. Politik ist klar Adrians Steckenpferd. Ich schaue immer gespannt zu, wenn er im Fernsehen auftritt.
Adrian: Auch da gibt sie mir schöne Rückmeldungen und wertvolle Inputs.


Fehlen Ihnen die Blumen, Franziska Schoop?

Franziska: Ich habe immer noch engen Kontakt zum Laden, er gehört ja zur Schoop-Gruppe. Am Valentinstag, am Muttertag oder an Weihnachten darf ich aushelfen. Dann ist es schön, zwei bis drei Tage zurückzukehren und handwerklich arbeiten zu dürfen.


Zum Schluss: Sie übernehmen die Schoop-Gruppe in dritter Generation. Werden Sie sie dereinst an die vierte weitergeben?

Franziska: Da werde ich es wohl wie meine Eltern handhaben: Sollten mein Mann und ich einmal Kinder haben, so dürfen sie selber entscheiden, was sie machen wollen. Aber umso schöner wäre es, wenn sie von sich aus kämen und einen Platz in der Firma wollten.
Adrian: Mein Ziel ist es, die Firma in dieser Generation so erfolgreich zu führen und auszubauen, wie es mein Vater tat, damit ich überhaupt einmal etwas Attraktives übergeben kann. Aber diese Frage ist noch so weit weg, dass es keinen Sinn macht, darüber zu sprechen. Ich habe ja noch nicht einmal eine Familie. Dafür muss ich erst einmal eine Partnerin finden. Eine Beziehung mit mir zu führen, ist wohl ziemlich anspruchsvoll. Aber ich bin mir sicher, dass irgendwo die richtige Frau wartet.

War dieser Artikel lesenswert?

Wir setzen uns mit Herzblut und Know-how für gute Geschichten aus Ihrer Region ein. Wenn auch Sie hochwertigen Journalismus schätzen, können Sie uns spontan unterstützen. Wir danken Ihnen – und bleiben gerne für Sie am Ball.

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Eine Arztpraxis fürs Auge

Die Augenärzte Martina und Pascal Knecht-Bösch haben am Theaterplatz die wohl… Weiterlesen

Er bringt Qualität in die Tasse

Als erster Schweizer Produzent vertreibt Ole Bull aus Schinznach-Bad… Weiterlesen

region

Schluss mit Tabu und Augen zu!

Alles easy! Oder doch nicht? Das Projekt «Wir sprechen an» macht sexuelle… Weiterlesen

region

«Tschipfu, tschipfu, d‘Isebahn chonnt»

Urs Vogel ist DJ für Oldies. Und ein angefressener «Isebähnler». Diese… Weiterlesen

region

Diese Chläuse ermuntern Kinder

Die Mitglieder des Vereins Würenloser Samichlaus verbinden die Tradition mit… Weiterlesen