«Wir wachsen oft über uns hinaus»

Zur Feier seines 25-jährigen Bestehens tritt der Gospelchor Spirit of Hope mit dem Streich­orchester der Kantonsschule Wettingen und einer afrikanischen Percussion-Section auf.

Der Gospelchor Spirit of Hope feiert sein 25-jähriges Bestehen
Der Gospelchor Spirit of Hope feiert sein 25-jähriges Bestehen (Bilder: zVg)

von
Ursula Burgherr

12. Juni 2019
11:40

Es ist Dienstag, und wie immer strömen gegen 19.30 Uhr die über 60 Mitglieder von Spirit of Hope ins reformierte Kirchgemeindehaus Nussbaumen zu den Proben ein. Die grossen Konzerte zum 25-Jahr-Jubiläum stehen bevor. «Unsere Hausband wird verstärkt durch die beiden Percussionisten Willi Hauenstein und Omar Diadji sowie ein 35-köpfiges Streichorchester der Kantonsschule Wettingen», erzählt das musikalische Leitungsteam Christoph Wieder und Andrea Graf voller Vorfreude. Grimoaldo Macchia, Pianist bei Spirit of Hope, hat speziell für die Jubiläumsauftritte einige der schönsten Gospellieder für Streichmusik arrangiert, darunter «You Raise Me Up» oder «Baba Yetu», das Vaterunser in Swahili. 

 

Solos aus den eigenen Reihen

Für den Chor, der das ganze Repertoire vier- bis sechsstimmig singt, heisst es jetzt üben, üben, üben. Wie bei jeder Probe gibt es zuerst ein 15-minütiges Stimm-Warm-up. Sich recken und strecken, gähnen und summen gehört dazu. Dann schlägt Wieder auf dem Klavier die Töne für die Bass-, Tenor-, Sopran- und Alt-Register an. «Woza Nkosi», ebenfalls ein afrikanischer Gospelsong, schallt durch den Raum und erzeugt Hühnerhaut. Da ist er, dieser ganz spezielle «Spirit», den der Chor zu verbreiten vermag; die Intensität und das Feuer, das man vorwiegend von schwarzen Gospelchören kennt. Und eine ganze Reihe sehr talentierter Stimmen. 

«Wir können alle Soloparts mit Sängerinnen und Sängern aus unseren eigenen Reihen besetzen», zeigt sich Wieder stolz. Obwohl Spirit of Hope ein Laienchor ist, klingt er ungeheuer dynamisch und kraftvoll. Auch Nachwuchsprobleme gibt es keine. Die Mitglieder sind zwischen 16 und 80. Unlängst gab es vier Neuzugänge, einige sind schon seit den Anfängen vor 25 Jahren dabei. «Wir selektionieren sorgfältig, machen nach ein paar Schnupperproben ein kleines Vorsingen. Notenkenntnisse sind nicht erforderlich, aber ein gutes musikalisches Gehör sollte vorhanden sein», meint Graf. Die meisten Lieder werden mittels Vor- und Nachsingen einstudiert.

 

Gospels werden übersetzt

Gospel bedeutet ursprünglich «Go spell», also «gehe und verkündige». Gemeint ist dabei natürlich das Evangelium. Sowohl Wieder, der in Lengnau wohnt, als auch Graf aus Nussbaumen sind beide gläubig. Aber das gilt nicht unbedingt für alle Mitglieder von Spirit of Hope. Wieder dazu: «Wer sich mit der Bedeutung der Lieder identifizieren kann, die wir singen, bringt sie mit mehr Intensität rüber.» Glaubensdiskussionen gibt es im Chor jedoch absolut keine. Das ist jedermanns eigene Sache. Trotzdem möchte das Dirigentenduo, dass Sängerinnen und Sänger die Texte der meist in englischer Sprache gesungenen Gospelsongs verstehen. Deshalb lassen sie diese jeweils für alle auf Deutsch übersetzen. Optisches Markenzeichen von Spirit of Hope ist seit Jahren das klassische schwarze Tenue mit grünen Schals und Krawatten als Eyecatcher. 

Spirit of Hope entwickelte sich 1994 aus einem Konfirmationsgottesdienst in Nussbaumen. Gründerin war Kathrin Christen, der erste Dirigent Andreas Leupin. Dank eines Booms schossen Gospelchöre damals wie Pilze aus dem Boden. Nicht alle überzeugten. Wieder ist seit Beginn mit dabei und erinnert sich: «Auch wir klangen zuerst mit 20 blutigen Anfängern noch bei Weitem nicht so wie heute. Doch der Wille, dranzubleiben, war da. Irgendwann entwickelte sich dann dieser Spirit, der den Chor bis heute zu etwas Besonderem macht.» 

 

Reise nach Rom

Zu den Höhepunkten zählen Auftritte in England und Deutschland, in Frankenthal, der Heimat von Chorleiter Wieder. Das absolute Highlight war aber der Auftritt am Festival «Roma in Canto» 2018, für das Spirit of Hope extra mittelalterliche Chorliteratur von Monteverdi und Palestrina einstudierte und im Petersdom von Rom auftreten durfte. Ein weiterer Glanzpunkt sind jetzt die Jubiläumskonzerte mit Streichorchester und feurigen afrikanischen Trommelrhythmen. Eine Kombination, wie es sie weitherum in der Region noch nie auf einer Bühne gab. Den Jubiläums-Auftakt machte Spirit of Hope in St-Maurice im Wallis, der Partnergemeinde von Obersiggenthal. Das Publikum war begeistert. «Wir senden als Dirigententeam ganz viel Kraft aus und bekommen vom Chor ungeheuer viel Energie zurück. Dank dieses Wechselspiels wachsen wir oft über uns hinaus», bekunden Wieder und Graf. Beide strahlen.
  

Die grünen Eyecatcher sind das Markenzeichen des Chors
Die grünen Eyecatcher sind das Markenzeichen des Chors

 

Jubiläumskonzerte:

  • Samstag, 15. Juni, 19 Uhr, kath. Kirche Nussbaumen
  • Sonntag, 23. Juni, 18 Uhr, kath. Kirche St. Anton Wettingen

www.spiritofhope.ch

 

 

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