«Wir wollen Freienwil gestalten»

Othmar Suter (58) übernimmt Anfang Jahr das Amt des Gemeindeammanns. Er freut sich darauf, auf lokaler Ebene etwas bewirken zu können.

Freienwils neuer Gemeindeammann Othmar Suter mit Hündin Lara bei der Waldhütte. (Bild: eb)

von
Brunner, Eliah

05. Januar 2022
10:41

«Ich bin mit dem wunderschönen Freienwil seit Langem auf vielfältige Weise verbunden», sagt Othmar Suter. «Hier bin ich aufgewachsen, hier lebt meine Familie und ein grosser Teil meiner Freunde. Mit einem Rucksack von guten Erlebnissen möchte ich dem Dorf und seinen Leuten gerne etwas zurückgeben. Es macht mir Freude, mich für das Gemeinwohl einzusetzen.» Der 58-Jährige ist neuer Gemeindeammann von Freienwil, nachdem er bereits vier Jahre lang Gemeinderat und Vize­ammann war. Vor seiner Zeit als Gemeinderat war er neunzehn Jahre lang in der Finanzkommission der Ortsbürgergemeinde und acht Jahre in der Finanzkommission der Einwohnergemeinde tätig.


Amt braucht Energie und Zeit
Bei den letzten Wahlen im September wurde das Amt des Gemeindeammanns überraschend vakant, nachdem der bisherige Amtsinhaber Robert Müller abgewählt wurde. Nach Absprache mit seinen Gemeinderatskollegen, seiner Familie und dem Arbeitgeber hat sich Othmar Suter dazu entschieden, als Ammann zu kandidieren. «Eigentlich stehe ich nicht gerne im Mittelpunkt. Aber ich glaube, ziemlich gut organisieren zu können», erklärt Suter. Das Amt braucht viel Energie und Zeit, aber er ist überzeugt von seiner Entscheidung: «Das Amt braucht einen wirklich, und man kann auf lokaler Ebene viel bewirken. Das ist befriedigend.»

Trotzdem muss er aufpassen, dass es nicht zu viel wird. «Ich muss meine Ressourcen einteilen. In Dättwil arbeite ich bei der Reha Hilfen AG als Rehatechniker, da habe ich das Pensum auf 90 Prozent reduziert. Für den Gemeinderat wendete ich bisher etwa zwei Stunden pro Tag auf, manchmal war es mehr. Als Gemeindeammann wird der Aufwand wohl noch etwas grösser. Ich muss lernen, nicht alles bis zur Perfektion treiben zu wollen, aber ich freue mich auf die neue Herausforderung. Ich kann mich auf die Kollegen im Gemeinderat verlassen. Wir sind ein gutes Team!»

Wer Entscheidungen trifft, muss mit Gegenwind rechnen. Auch in Freienwil gibt es oppositionelle Stimmen – so kritisiert die Gruppe «Freienwil Transparent» die lokale Politik. Davon will sich Suter nicht behindern lassen: «Man muss miteinander reden und fair bleiben. Man muss auch nicht immer alles nachvollziehen können, funktionieren kann es trotzdem.» Gerade in Zeiten von Corona gibt es viele extreme Meinungen, die eine gemeinsame Lösungsfindung erschweren. Dazu meint Suter: «Wer eine extreme Meinung vertritt, der isoliert sich oft selber und kommt aus dieser Isolation nur schwer wieder heraus. Das kann es schwierig machen, Vertrauen zu fassen, was die Grundlage für fruchtbringende Zusammenarbeit ist. Ich hoffe, das beruhigt sich im neuen Jahr. Man darf sich aber auch selber nicht zu wichtig nehmen.»

Parteikonflikte kennt Suter nicht, er ist parteilos. «Obwohl ich bürgerlich orientiert bin, möchte ich mich nicht in eine Schublade stecken lassen. Die Parteizugehörigkeit macht für meine Arbeit keinen grossen Unterschied.»


«Kritische» Bevölkerung
Freienwil bedeutet Othmar Suter viel. «Ich mag die Ruhe, die ländliche Umgebung und den ablesbaren Charakter des Dorfs. Es ist hübsch! Trotzdem bin ich schnell in Baden oder Zürich, das ist sehr praktisch.» Das Verhältnis der Bevölkerung zum Gemeinderat und zur Politik freut ihn: «Freienwil hat eine kritische und engagierte Bevölkerung. Die Beteiligung an Wahlen oder Abstimmungen liegt meist über dem Durchschnitt. Die Einwohnerinnen und Einwohner wollen die Fakten kennen und mit guten Argumenten überzeugt werden.»

Besonders am Herzen liegen Suter die Landschaftsaufwertungsmassnahmen. «Wir setzen Bäume, legen im Wald Tümpel an und wollen Freienwil so noch lebenswerter gestalten. Für 2022 haben wir diverse Baumsetzaktionen geplant.» Diese Massnahmen wurden bereits aufgegleist, dieses Jahr sollen sie umgesetzt werden. «Ausserdem wollen wir für Kinder und Familien einen Erlebnisraum am Bach schaffen. Die wichtigsten laufenden Projekte sind die Überarbeitung der Bau- und Nutzungsordnung, die auf gutem Weg ist, und das Engagement der Gemeinde für einen neuen Dorfladen.» Dieses Jahr will er auch einige angefangene Projekte abschliessen. «Es ist wichtig, dass wir die begonnenen Sachgeschäfte sauber abschliessen können. Dann haben wir wieder Kapazität für neue Aufgaben.»


Leidenschaftlicher Jäger
Wenn Suter nicht gerade politisiert, verbringt er Zeit mit seiner Familie. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Seine Freizeit verbringt er auch gerne mit Schiessen; seit bald 35 Jahren ist Suter im Schiessverein. Seine grosse Leidenschaft ist aber die Jagd. Mit Hündin Lara verbringt er Stunden im Wald, häufig nachts. «Früher ging ich zwei bis drei Mal pro Woche nachts auf Wildschweinjagd. Momentan fehlt mir die Zeit, aber ab und zu schaffe ich es zum Glück trotzdem. Ich brauche das, auch wenn ich viel zu tun habe.» In der Nähe von Aarau bewirtschaftet Suter zusammen mit seiner Frau zudem eine kleine Rebparzelle. «Wir sind Hobbywinzer, das macht riesig Spass!» Frau, Kinder und Bruder helfen auch beim Rüsten von Brennholz im eigenen Wald.

Suter freut sich auf das neue Jahr und sein neues Amt: «Ich bin zuversichtlich und freue mich auf viele gute Kontakte mit den Leuten im Dorf. Natürlich hoffe ich auch, dass wir die Corona-Geschichte endlich hinter uns lassen können.»

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