«Wir wollen raus auf die Strasse»

Für ihr 10-Jahr-Jubiläum hat sich die «Bühne Heimat» ein offenes Programm ausgedacht. Dabei wird das Innere nach aussen gekehrt.

Der künstlerische Leiter Menf Rhyner vor dem Eingang zur Bühne Heimat
Der künstlerische Leiter Menf Rhyner vor dem Eingang zur Bühne Heimat (Bild: ce)

von
Claudio Eckmann

19. Juli 2018
11:20

Der Dorfplatz Oberehrendingen wird für zehn Tage gesperrt, eine Bühne steht vor dem Tenntor von Bühne/Restaurant Heimat, vis-à-vis eine gedeckte Tribüne – eine richtige Grosspackung haben die Theatermacher hier vorbereitet. An acht Abenden finden Vorführungen statt, die Rahmenhandlung hat der Programmleiter der «Bühne», Menf Rhyner, selber geschrieben: Es geht um Wilhelm Tell, um Heimat, um Shakespeare – eine turbulente Mischung ist zu erwarten, wie sie typisch ist für das «Bühne»-Team. Eingebettet in die Handlung, werden Gastkünstler einen etwa 15-minütigen Auftritt haben, dabei wechseln sie jeden Abend: Knuth & Tucek, Patti Basler, Christoph Simon, Andreas Thiel, Philipp Galizia – eine Art Parade der Künstler, die in den vergangenen zehn Jahren das Bühne-Heimat-Programm mitgeprägt haben.

 

Grosses Jubiläumsfest

Seit zehn Jahren verantwortet das Bühne-Team jeweils von September bis Mai ein Programm aus den Sparten Kabarett, Satire und Comedy, mit in- und ausländischen Künstlern, teils sehr bekannten Namen. In den ersten Jahren war das Theater eingemietet im Restaurant Heimat, 2015 konnte mithilfe einer Genossenschaft der Bühnentrakt käuflich erworben werden. Die Nähe zum Restaurant Heimat blieb: Viele Theaterbesucher benützen vor den Aufführungen das gastronomische Angebot des Wirtshauses. Und nun wird also gefeiert: «Wir wollen das Innere nach aussen kehren, wir wollen raus aus den geschlossenen Türen der Bühne auf die Stras-se», sagt Menf Rhyner zum grossen Jubiläumsfest. Nebst den Aufführungen gibt es an den acht Abenden ein Essen im Festzelt unter Regie des Wirtshauses zur Heimat sowie zwei Bars. 

Die Verbundenheit mit Ehrendingen will die Bühne dann am ersten Samstagnachmittag zeigen, mit einem kostenlosen Familienprogramm: Um 14 Uhr singt der Jugendchor «Funky Bees», um 16 Uhr treten die  Kabarettisten «Jobert & Pancetta» auf, und die Jugendarbeit «Jaeh» bietet Getränke und Food an.

 

 

Fünf Fragen an Menf Rhyner, 54, Schauspieler, Regisseur und Programmleiter, wohnhaft in Baden.

Menf Rhyner, wie hat das eigentlich angefangen mit der «Bühne Heimat» – waren Sie auf der Suche nach einem Veranstaltungslokal für Ihre Kabarettprogramme?

Nein, das kam ganz anders: Der damalige Wirt des Restaurants Heimat, Marco Gelmi, suchte für seine Weindegustationsabende eine schauspielerische Umrahmung. Ich selber war damals, auf dem Niveau guter Amateurschauspieler, an verschiedenen Theatern tätig, so etwa am Laxdal-Theater in Kaiserstuhl. Als Erstes ging 2008 mit «Heimatbahnhof» gleich eine erste Eigenproduktion über die Bühne. Wir spannten den Rahmen weiter und starteten nach und nach mit der Kabarettreihe. Mit Glück konnten wir Kontakt knüpfen zu verschiedenen Schweizer Künstlern, etwa zu Andreas Thiel. Ich denke, gerade dieses langsame Wachsen war wichtig für unseren Erfolg. Stufe um Stufe haben wir unseren Theaterbetrieb professionalisiert und uns zu keinem Zeitpunkt in finanzielle Grossrisiken gestürzt.

 

Die meisten Veranstaltungen finden am Donnerstag statt. Wieso?

Man muss klar sehen, dass wir mit unserer Platzzahl von aktuell achtzig Plätzen bei den Gagen limitiert sind. Mit dem Donnerstag gelang es uns, auch namhafte Künstler engagieren zu können, da sie an Wochentagen eher verfügbar sind. In der Region hat sich der Donnerstag darum als «Heimat-Abend» schon fast einen Namen gemacht. Mittlerweile, so denken wir, ist unsere Bühne aber so etabliert, dass wir vermehrt auch freitags oder samstags programmieren werden. 

 

Gab es Tiefpunkte in der zehnjährigen Geschichte der «Heimat»?

Wirkliche Tiefpunkte? Nein. Eine schwierige Situation hatten wir, als wir – nachdem die Genossenschaft den Hausteil mit der Bühne erwerben konnte – die Auflage für einen zweiten Fluchtweg erhielten. Das hat uns kurzfristig finanziell stark belastet und überrascht. Beeindruckend war in der Folge, wie die Genossenschaft zusammenstand und diesen unkalkulierten Aufwand bewältigte. 

 

Welche Höhepunkte sind Ihnen in Erinnerung geblieben?

Für mich persönlich ganz klar der Auftritt von Gerhard Polt bei unserem 5-Jahr-Jubiläum. Eine solche Galionsfigur des deutschen Kabaretts gewinnen zu können, auch der persönliche Kontakt mit ihm, das war einfach grandios. Höhepunkte stellen sich für mich aber auch jedes Mal ein, wenn ich neue Künstler auf der Bühne begrüssen kann. Und selbstverständlich bei unserem bevorstehenden Jubiläumsspektakel.

 

Zehn Jahre: Zeit für eine Bilanz. Was setzen Sie sich nun für Ziele? Werden Sie Ehrendingen verlassen und ein grösseres Lokal suchen?

 

Ich denke, unser Konzept hat sich bewährt, und wir wollen daher die jetzige Grösse, die auch finanziell überschaubar ist, beibehalten. Ausbauen wollen wir in nächster Zeit den Kontakt mit Ehrendinger Institutionen, so wird zum Beispiel die Jugendarbeit «Jaeh» am Jubiläum mitwirken. Auch mit der Schule können wir uns eine vermehrte Zusammenarbeit vorstellen. Zudem gibt es hier in Ehrendingen oder aus Ehrendingen einige Künstler, Gitarristen, Bands, Comedians: Die wollen wir vermehrt in unser Programm aufnehmen.

 

 

HeimatZähni! Jubiläumsprogramm Freitag, 17., bis Samstag,
25. August, Vorführungen jeweils 20.30 Uhr, Dorfplatz Oberehrendingen
www.heimat-zaehni.ch

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