Wird Baden zur grössten Stadt im Aargau?

Gehört Turgi künftig zu Baden? Der Vorentscheid fällt am 13. Juni. Bei einem Ja wird ein Vertrag ausgearbeitet. Bei einem Nein ist die Fusion Geschichte.

In welche Richtung darfs denn sein? Die wegweisende Entscheidung zur Fusion fällt am 13. Juni. (Bild: sha)

von
Huber, Marco

10. Juni 2021
10:38

Die Stadt Baden heckt Fusionspläne aus – wieder einmal, ist man versucht zu sagen. Seit 1950 hat sich die Einwohnerzahl beinahe verdoppelt. Heute ist die Industrie- und Bäderstadt mit 19'500 Einwohnern die drittgrösste Stadt des Kantons Aargau – hinter Aarau und Wettingen.

Rasant gewachsen ist Baden vor allem in den Stadtteilen Dättwil und Rütihof, die als ehemals autonome Gemeinden «eingemeindet» wurden. Dort entstanden neue Wohnquartiere, Schulen, Kindergärten, das Kantonsspital, das Fussballstadion Esp und das Forschungszentrum des Elektrotechnikkonzerns Brown, Boveri & Cie.


Chance auf Platz in den Top Ten

Nicht alle Fusionspläne Badens waren allerdings erfolgreich. 2010 lehnten die Badenerinnen und Badener die Fusion mit dem benachbarten Neuenhof ab. Am 13. Juni geht es nun also um den Anschluss Turgis. Dies dürfte eine wegweisende Abstimmung für die ganze Region Baden werden. Bei einem beidseitigen Ja würde ein Fusionsvertrag ausgearbeitet und 2023 endgültig über den Zusammenschluss entschieden.

Neben der «Turgi-Frage» geht es um das Wachstum der Stadt Baden. Auf einen Schlag wäre Baden nicht nur flächenmässig, sondern auch in puncto Einwohner die grösste Gemeinde des Kantons Aargau. Die Entwicklung könnte aber noch steiler verlaufen. Möglicherweise ist der Fusionsvertrag nämlich eine Art juristischer Wegbereiter für weitere Gemeindefusionen im Grossraum Baden. Von verschiedener Seite ist deshalb von einem Dominoeffekt die Rede.


Konferenz mit Signalwirkung

Die Verantwortlichen der Stadt Baden werden im Sommer 2022 mit jenen der Nachbargemeinden über weitere Zusammenschlüsse beraten. Aus dieser «Badener Konferenz» könnte mittelfristig eine Stadt mit 60'000 Einwohnern erwachsen. Damit wäre Baden grösser als Biel und würde zu den zehn grössten und wichtigsten Städten der Schweiz gehören.

Zwar ist Baden längst ein überregionales Zentrum im Limmattal respektive in der Metropolitanregion Zürich. National bekannt ist es aber eher wegen der «Badenfahrt», wegen des Casinos, des Staus vor dem Bareggtunnel, vielleicht noch als internationales Zentrum der Elektrotechnikbranche sowie ganz bestimmt als Gründungsort der damaligen Brown, Boveri & Cie., aus der später der Industriegigant ABB hervorging. Allein die wirtschaftliche Bedeutung hat dazu geführt, dass Baden seit Jahren mehr Arbeitsplätze als Einwohner zählt.


Zweiter Bahnhof für Baden?

In Baden unterstützen mit Ausnahme der SVP alle Parteien die Vorlage. Die drei aktiven Turgemer Ortsparteien – die Bürgerliche Vereinigung Turgi (BVT), die IG Turgi und die Grünen – sind ebenfalls für den Fusionsvertrag.

Für die Befürworter ist klar, dass eine kleine Gemeinde wie das 3000 Einwohner zählende Industriedorf Turgi in vielerlei Hinsicht zu wenig Eigenpotenzial habe. Dies manifestiere sich nur schon daran, dass es schwierig geworden ist, geeignete Leute für politische Behörden zu finden.

Zudem könnte Turgi Flächen für verschiedene raumplanerische Entwicklungen bieten. Und ausserdem ist Turgi bereits heute via Baden an den öffentlichen Verkehr angebunden. Durch die Fusion hätte Baden neu zwei Bahnhöfe und ein städtebaulich attraktiver Ortsteil käme dazu. 2002 wurde Turgi mit dem Wakkerpreis für seinen Ortsbild- und Heimatschutz prämiert.


Frage nach den Finanzen

Hauptgegnerin der Gemeindefusion ist die SVP. Aber auch Teile des Badener Freisinns halten wenig davon. Die Gegner sorgen sich um die finanziellen Folgen der Fusion. Kommt es zum Anschluss Turgis, würde dort der Steuerfuss um 21 Prozent gesenkt. Dadurch dürften die Steuererträge in Turgi um rund 1,4 Millionen Franken pro Jahr zurückgehen. Die Gegner befürchten, dass diese Rechnung nicht aufgeht.

Fakt ist: Die Stadt Baden erhält vom Kanton einen Betrag von 3,8 Millionen Franken, falls es mit der Fusion klappt. Auf den Finanzausgleich dürfte der Zusammenschluss keine Auswirkungen haben, so zumindest skizzierte dies Badens Stadtammann Markus Schneider (Die Mitte).

Die SVP Baden findet, dass die Stadt einen langfristigen Dialog mit der Nachbargemeinde Turgi anstreben sollte, anstatt diese zu «fressen». Zudem sei Turgi ein Sonderfall, mit dem Baden kaum gemeinsame Nenner habe. Da erscheine eine Fusion mit Ennetbaden wesentlich logischer. Und letztlich habe es der Stadtrat bislang versäumt, klar aufzuzeigen, wie das Gros der Badener Bürgerinnen und Bürger von der neuen Grösse profitieren könnte.

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