Wo Wald ist, sagt das Gesetz

Im Auengebiet Schlossgarten drohte der Wald am Aareufer eine Landwirtschaftsparzelle in Beschlag zu nehmen. Das Problem wurde gelöst.

Im Untersiggenthaler Schlossgarten südlich der Brücke Siggenthal–Stilli grenzt der Auenwald an landwirtschaftliche Flächen. (Bild: Swisstopo)

28. April 2021
17:41

Was Wald ist – und wo dessen Grenzen verlaufen –, das regeln in der Schweiz Gesetze. Im Aargau trat das aktualisierte Waldgesetz 2019 in Kraft. Bestandteil ist ein verbindlicher Waldgrenzenplan. Neu daran sind fixe und nicht mehr dynamisch verlaufende Grenzen. Bisher konnte sich ein Wald vergrössern, indem er in andere Flächen einwuchs – vorausgesetzt, es handelte sich nicht um Baugebiet. Für die künftige starre Abgrenzung landwirtschaftlicher Nutzflächen von Waldgebieten führten die Kreisforstämter Waldausscheidungen durch, ­deren Resultate öffentlich aufgelegt wurden.


Einsprache von Max Schwarz

Gegen einen dieser Entscheide der kantonalen Abteilung Wald hat ein Eigentümer in Untersiggenthal Einsprache gemacht, der laut einer amtlichen Mitteilung des Kantons statt­gegeben wurde. Es handelt sich dabei um die Parzellen 785 und 787. Wer meint, diese in oder an den Wäldern nördlich von Untersiggenthal in Richtung Steinenbühl vermuten zu müssen, übersieht die Bäume am Aare-Ufer.

Wem gehören die Parzellen und um was genau geht es? Wer Eigentümerin oder Eigentümer eines Grundstücks ist, kann im Aargau sehr einfach ermittelt werden: Das Aargauische Geografische Informationssystem, kurz Agis, gibt Auskunft.

Auf diesem Web-Portal finden sich die verschiedensten Fachkarten – so auch der Grundstückkataster. Nach einer Registration erfährt man mit einem Rechtsklick, wem eine Parzelle gehört. In diesem Fall die eine der Axpo Power AG und die andere dem Untersiggenthaler Max Schwarz. Der Inhaber vom gleichnamigen Bio-­Betrieb mit Sitz in Villigen nutzt seine Parzelle im sogenannten Schloss­garten in unmittelbarer Nähe zur Ruine Freudenau landwirtschaftlich. Nachbarin ist die Axpo, welcher Land zwischen der Parzelle Schwarz und der Aare gehört – ein Auenwäldchen. Dieses wucherte in den letzten Jahren in Richtung der Agrarfläche. Schwarz und die Axpo gingen das Problem im Schulterschluss an. Der Energiekonzern liess diesen Spätwinter den Wald zurückschneiden und dessen Grenze wird künftig Grundstücksgrenze sein. Weshalb ist die Axpo Eigentümerin eines Wäldchens? Tobias Kistner von der Axpo-Medienstelle nahm umgehend Abklärungen an die Hand. «Weshalb die Axpo Besitzer der besagten Parzelle ist, kann auf die Schnelle nicht mit Sicherheit eruiert werden. Fakt ist aber, dass wir offenbar viele solche Parzellen in Ufernähe besitzen.»


Geschichtlich und betrieblich begründet

Die genaueren Hintergründe dürften geschichtlich und betrieblich begründet sein – speziell mit Blick auf die zahlreichen Wasserkraftwerke der Axpo. So habe das Unternehmen beispielsweise in der Konzession für den Betrieb des Hydraulischen Kraftwerks Beznau die Auflage, für den Unterhalt der Burgruine Freudenau zu sorgen. Die nötigen Arbeiten habe die zuständige Abteilung der Axpo an die Gemeinde Untersiggenthal delegiert, die dort einen Grillplatz betreibt. Das Energieunternehmen entschädige die Gemeinde für die geleisteten Unterhaltsarbeiten.

Apropos Auenwald. Pilzsaison ist eindeutig der Herbst – aber nicht für alle Arten. Die Morchel, die «fruchtet» im Frühling. Der edle und entsprechend teure Speisepilz bevorzugt als Standort sandige Böden und die Nähe zu Laubbäumen, darunter Eschen. Das sind Bedingungen, welche man zum Beispiel in Auenwäldern antrifft. Morcheln finden, ist nicht einfach – und wie bei jedem Pilz gibt es zudem die Gefahr der Verwechslung. In diesem Fall mit der Stinkmorchel und der Giftlorchel.

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