Woher kommt das Trinkwasser?

Das Thema Wasser stand beim Waldumgang in Freienwil im Fokus. Trotz Grundwasservorkommen muss regelmässig Wasser aus Ennetbaden bezogen werden.

Die Teilnehmenden werfen einen Blick in die Brunnstube der Quelle Eichbrunne 2, wo Wasserproben entnommen werden können. (Bild: is)

23. September 2020
14:20

Freienwil verfügt über zwei eigene Quellen. Zudem befindet sich im Maas ein Grundwassersee. Dieses Grundwasser wird allerdings nicht genutzt. Eine Probebohrung vor längerer Zeit hatte ergeben, dass das Grundwasser mit Sauerstoff angereichert werden müsste. «Wir haben über den ganzen Siggenberg verteilt ein riesiges Wasservorkommen», zeigte Geologe Jürg Stäuble vom Ingenieurbüro Dr. Jäckli in Baden anhand einer Karte auf. Am Rand der wasserführenden Schicht befinden sich mehrere Quellfassungen, die von Schutzzonen umgeben sind. Diese schützen die Quellen und damit das Trinkwasser vor Verunreinigung. Auch die Gemeinde Ehrendingen hat Quellen auf Freienwiler Boden. Diese wurden im Jahr 1929 an die Nachbargemeinde verkauft. Dieses Wasser fliesst, ohne Anschluss an das Freienwiler Netz, direkt nach Ehrendingen.

Anschliessend hatten die rund 40 Teilnehmer die Möglichkeit, die Brunnstube der Quelle Eichbrunne 2 zu besichtigen. Leicht oberhalb dieses Schachts ist Gebüsch zu sehen. «Unter diesen Büschen befindet sich die Quellfassung», erklärte Stefan Näf, neuer Leiter des Bauamtes Freienwil. Die Brunnstube ist eine Art Zwischenstation auf dem Weg des Wassers ins Reservoir. Mehrmals pro Jahr entnimmt Näf dort und an weiteren Orten Proben, die in einem spezialisierten Labor untersucht werden. «Stimmt ein Wert nicht, dann kann man den Zufluss zum Reservoir hier stoppen», erklärte Näf. So wird verhindert, dass verunreinigtes Trinkwasser ins Dorf gelangt. Das Freienwiler Trinkwasser sei jedoch von bester Qualität, lobte Geologe Stäuble: «Denn Quellwasser aus bewaldetem Gebiet ist sehr wertvoll. Gebt eurem Wasser Sorge!»


Blick ins Reservoir
Mit dem bald pensionierten Brunnenmeister, Bernhard Burger, konnten die Teilnehmenden auch einen Blick ins Innere des Reservoirs werfen. In zwei Kammern à je 100 Kubikmeter wird dort das Wasser gesammelt. «Fällt der Wasserstand unter 1,30 Meter, öffnet sich beim Sportplatz Maas unten automatisch eine Klappe, und Wasser fliesst vom Hochzonenreservoir Chalberweid in Ennetbaden nach Freienwil, bis das Niveau wieder stimmt.

Die Löschwasserreserve der Gemeinde Freienwil für die Nutzung durch die Feuerwehr bei Brandfällen befindet sich ebenfalls in der Chalberweid. Weil die sogenannte Quellschüttung der beiden Freienwiler Quellen, als Folge der vergangenen Trockenjahre, innerhalb der letzten 5 Jahre um 40 Prozent zurückgegangen ist, muss immer wieder Wasser ab dem Hochzonenreservoir zugekauft werden. 2019 waren dies mehr als 10 000 Kubikmeter, erklärte Vizeammann Othmar Suter: «Ein richtig nasses Jahr und ein kalter Winter täten gut».

Das heisse und trockene Klima ist auch für den Wald, einen wichtigen Wasserspeicher und -füller, problematisch. Revierförster Daniel Hitz zeigte im Wald bei der Forsthütte die Folgen auf: Die einheimischen Buchen haben oft dürre Äste an der Krone. «Der schöne Frühling war zwar schön für die Menschen, für den Wald jedoch eine Katastrophe», sagte Hitz. So konnte sich der Borkenkäfer ausbreiten, der beträchtliche Schäden am Holz anrichtet. Die befallenen Bäume müssen gefällt werden, doch «die Sägereien in ganz Europa nehmen mittlerweile kein Holz mehr an, weil sie randvoll sind», erklärte Daniel Hitz.


«Klimafitte» Bäume pflanzen
Der Wald werde sich in den kommenden Jahren verändern, prophezeit der Förster: «Die Buche wird es schwer haben. Wir bepflanzen den Wald mit möglichst vielen verschiedenen, klimafitten Baumarten, damit er für die Zukunft gerüstet ist und grössere Überlebenschancen hat.» Dazu zählen auch nicht einheimische Bäume wie Douglasien, die auf dem Siggenberg mittlerweile häufig gesetzt werden, da sie schnell wachsen.

Gebietsfremde Pflanzen, sogenannte Neophyten, waren das Thema von Michael Suter von Suter Agriservice (Freienwil). Er zeigte Beispiele von Unkräutern, die sich invasiv ausbreiten, heimische Pflanzen verdrängen und dadurch die Biodiversität beeinflussen. Disteln, Bärenklau, Berufskraut, Goldrute, Kirschlorbeer und Sommerflieder sollten am besten im Hauskehricht entsorgt werden, empfahl der Referent.

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