Wohin fliessen die Steuerfranken?

Der «Betrieb» einer Gemeinde kostet, und viele Gemeinden haben Schulden abzubezahlen. Die Finanzstatistik des Kantons liefert Details.

Villigen bezog 2020 mit einem Steuerfuss von 87 Prozent die tiefsten Steuern im Verbreitungsgebiet des «General-Anzeigers». (Bild: bkr)

04. August 2021
14:47

Welche Verwendung findet unser Steuergeld in unserer Wohngemeinde? Ausgegeben wird es für möglichst erstklassige Dienstleistungen, für ein ausgezeichnetes Bildungssystem, für unsere Sicherheit im öffentlichen wie auch sozialen Bereich. Wie verteilen sich die Pro-Kopf-Ausgaben auf die verschiedenen Positionen der Gemeinderechnung? Wie teuer kaufen wir die Leistungen ein? Wie steht es um Steuerfuss, Vermögen und Schulden? Das kantonale Departement hat die entsprechenden Zahlen für das Rechnungsjahr 2020 erhoben und als Gemeindefinanzstatistik publiziert. Um die Zahlen der eigenen Gemeinde seriös mit jenen anderer Kommunen vergleichen zu können, gibt es zudem auf der Website des Departements Volkswirtschaft und Inneres ein Benchmark-Tool.

Grösste Ausgabenposten einer Aargauer Gemeinde sind – die Investitionen ausgeblendet – der Bildungsbereich und die soziale Wohlfahrt, gefolgt von den Kosten der allgemeinen Verwaltung. Während sich die ersten beiden Kostenstellen kaum beeinflussen lassen, gilt dies für die Verwaltung nur bedingt. Eine Binsenweisheit lautet hier: Je grösser, je einwohnerreicher eine Gemeinde ist, desto günstiger fallen die Verwaltungskosten aus. Zum Thema gibt es eine Studie der Fachhochschule Chur. In ihr steht: «Die Gemeindegrösse hat einen systematischen Einfluss auf die allgemeinen Verwaltungskosten pro Kopf.» Um vom Skaleneffekt profitieren zu können, muss man nicht fusionieren. Eine gemeinsame Bau- oder Steuerverwaltung senkt die Kosten ebenfalls – und verbessert zudem die Stabilität der Qualität.


Mägenwil mit höchster Pro-Kopf-Verschuldung

Am meisten interessiert die Bürger, was ihre Gemeinde in Steuerprozenten kostet und wie deren Rechnung abschneidet. Im Verbreitungsgebiet des «General-Anzeigers» bewegen sich die Steuerfüsse zwischen 87 (Villigen) und 120 Prozent (Villnachern). Im Bezirk Brugg beträgt der durchschnittliche Gemeindesteuersatz 103 Prozent – gesamtkantonal beläuft sich der Durchschnittswert auf 102 Prozent. Im ganzen Kanton waren 31 der insgesamt 210 Gemeinden defizitär. Im Vergleich zum Vorjahr ist damit der Anteil der Gemeinden mit positivem Ergebnis wie auch der Gesamtüberschuss (minus 9,7 Prozent und minus 23,7 Millionen Franken) leicht gesunken. Das Gesamtdefizit ist um 5,1 Millionen Franken angestiegen. – Wie schlimm ein Defizit ist und ob eine Steuererhöhung ins Haus steht, ist davon abhängig, wie die Bilanz aussieht. Ist die gesund, dürfte die kurzfristige Gefahr höherer Steuern gering sein. Eine Grösse ist hier, ob ein Vermögen vorhanden ist oder bereits ein Schuldenberg drückt. Wesentlich dabei sind ein Strauss an sogenannten Kennzahlen – bei Investitionen beispielsweise der Selbstfinanzierungsgrad. Nettoschulden haben gesamtkantonal 124 Gemeinden, Vermögen deren 86. Im Verbreitungsgebiet des «General-Anzeigers» weisen 14 Gemeinden eine Nettoschuld aus – Mägenwil hat mit 8042 Franken pro Einwohner die höchste Pro-Kopf-Verschuldung im Kanton.

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