«Wunschkonzert fürs Gewerbe»

Seit dem 1. Juli sendet Radio2Go aus Brugg. Reto Wettstein will mit seinem Sender dem Gewerbe eine Stimme geben.

Dietrich Berger gratuliert Reto Wettstein am 1. Juli zum Start von Radio2Go . (Bild: sha)

07. Juli 2021
13:28

Reto Wettstein (42) war schon immer fasziniert vom Radio. «Als ich aufwuchs, hatten wir zu Hause nur einen kleinen Fernseher. Eine meiner Lieblingsserien – «McGyver» – musste ich immer bei den Nachbarn anschauen», erzählt er lachend. Er habe deshalb immer schon viel Radio gehört. Es sei vor allem die Technik, gepaart mit den Emotionen der Musik, die ihn an diesem Medium fasziniere. «Und», so fügt er ergänzend an, «Radio ist nach dem TV das zweitglaubwürdigste Medium hierzulande. Achtzig Prozent der Schweizerinnen und Schweizer hören täglich Radio.»

Die Idee, eine eigene Radiostation zu gründen, hatte er schon seit rund zwei Jahren. Er war regelmässig im Austausch mit erfahrenen Radiomachern gewesen. Dass der Start nun pünktlich zum Brugger Rutenzug-Tag, dem 1. Juli, erfolgte, sei reiner Zufall gewesen. «Das Radio und der Zeitpunkt der Lancierung haben nichts mit den Wahlen vom Herbst und meiner Kandidatur als Stadtammann zu tun», betont der FDP-Stadtrat und Vorsteher des Bauressorts. Vielmehr sei 2021 das letzte Jahr, in dem man noch finanzielle Unterstützung des Bundesamts für Kommunikation (Bakom) für die Gründung eines DAB-Radiosenders erhalten könne. DAB steht für «Digitale Audio Broadcasting»: Audiosignale werden digital über Antenne verbreitet. Dafür ist keine Internetverbindung notwendig. Bei DAB+ handelt es sich um die Weiterentwicklung von DAB. Über DAB+ kann Radio2Go in Zukunft im Raum zwischen Baden und Olten empfangen werden.


Song-Sponsoring

In Brugg gibts aktuell erst eine Outdoor-Abdeckung, da die Antenne auf dem Bruggerberg noch nicht mit voller Leistung senden kann. Schweizweit ist Radio2Go aber ab sofort im Internet mit einem massgeschneiderten Musikprogramm empfangbar.

Doch wie kam es zum Namen Radio2Go? Dieser stehe dafür, dass man dieses Radio überall dabeihaben könne und dessen Musik immer passend sei. «Ursprünglich hatte ich die Idee, den Sender GeWerbe-Radio zu nennen», erklärt Wettstein. Doch davon sei er abgekommen, da der Name vielleicht nicht einprägsam genug gewesen wäre. Es hätte jedoch den Zweck sehr gut auf den Punkt gebracht, denn Wettstein will mit seinem Radiosender «dem Gewerbe eine Stimme geben», wie er sagt. «Es ist ein Wunschkonzert für die Gewerbetreibenden.» Diese sponsern für einen geringen Geldbetrag einen Song, und dieser wird mit einer kurzen Grussbotschaft der Firma angekündigt. Jedes dritte gespielte Lied auf Radio2Go soll im Idealfall gesponsert werden. Stand letzten Donnerstag hatte Wettstein schon zwölf Kunden gewinnen können. «Es kommen laufend neue hinzu», erklärt der zweifache Familienvater. Die Radiowerbung wird von der Brugger Lokalzeitung «Regional» von Verleger Andi Rothenbach als Vertriebspartner von Radio2Go verkauft. 


Glückwünsche des Gewerbevereinspräsidenten

Beim Start am 1. Juli wurde pünktlich zum Rutenzug auch das «Bruggerlied» gespielt, dies als Gruss an die Bevölkerung der Prophetenstadt, die bereits zum zweiten Mal auf das Jugendfest hatte verzichten müssen. «Ich erhielt viele Glückwünsche für meine Initiative», erklärt Wettstein. Unter anderem liess es sich auch Dietrich Berger, Präsident des Gewerbevereins Brugg, nicht nehmen, dem «Studio» von Radio2Go einen Besuch abzustatten. Berger sagt: «Ich denke, dass ein eigenes  Lokalradio eine Ergänzung zur bisherigen Medienlandschaft ist. Es kann durchaus auch als Werbekanal für den einen oder anderen Gewerbetreibenden in der Region dienen. Ich wünsche den Initianten viel Erfolg und weiterhin viel Enthusiasmus bei der Realisierung des Projekts.» Mit der der ersten Ausstrahlung sei das Kind «geboren» worden, aber es müssten nun noch viele weitere kleine Schritte folgen, bis es «gehen» könne. Als Gewerbevereinspräsident glaubt Berger, dass Radio2Go zur Stärkung des lokalen Gewerbes beitragen könne. Dafür sei aber die Erreichbarkeit des Publikums entscheidend. Berger ruft die Bevölkerung dazu auf, hineinzuhören und vielleicht sogar ihre Hörgewohnheiten umzustellen.


Erfahrenes Team

Beim Start von Radio2Go umfasst das Team 200 Stellenprozente, von denen Wettstein als Gründer und Geschäftsführer selbst 50 Prozent innehat. Der Rest verteilt sich auf Stephan Bornick (Musikredaktor und Moderator), Marco Caduff (Station Voice), Flavio Camenzind (Video-Marketing), Michael Caplazi (Moderator), Michel
Erismann (Verwaltungsrat), Nicole Schenk (GL-Assistentin), André Schnider (Moderator) sowie Vittorio Timpano (Moderator). Täglich wird von 4 bis 16 Uhr das Musikprogramm ausgestrahlt. Stündlich sind Nachrichten zu hören, die von Radio SRF bezogen werden. Von 16 bis 18 Uhr moderiert Stephan Bornick die werktägliche Fiirabig-Show. Ab August steht von 18 bis 20 Uhr das Kunden-Wunschkonzert auf dem Programm, wobei die Wünsche per WhatsApp aufgenommen und mit dem Musiktitel eingereicht werden können. Ab 22 Uhr werden Business-Podcasts gespielt. Das Programm soll laufend erweitert werden, erklärt Wettstein. Momentan gibt es sonntags jeweils eine Astro-Show von Michel Caplazi und Sonja Maier.

Das Programm wird dezentral produziert, weshalb die Moderatoren nicht im Studio zuoberst im Kabelwerk-Hochhaus, sondern zu Hause vor dem Mikrofon sitzen. Dennoch mache das temporäre Studio im Hochhaus Sinn, sollen doch hier etwa Gesprächsrunden stattfinden und aufgezeichnet werden können. Die Fahne auf dem Dach des Kabelwerk-Hochhauses kündet jedenfalls schon mal an, dass radiotechnisch in Brugg, Windisch und der Region ein frischer Wind weht.

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