Zeit für eine berufliche Veränderung

Vor 21 Jahren trat Anton Meier in den Dienst der Gemeinde Obersiggenthal ein. Nun möchte er sich beruflich nochmals neu ausrichten.

Anton Meier an seinem Arbeitsplatz in der Gemeindekanzlei
Anton Meier an seinem Arbeitsplatz in der Gemeindekanzlei (Bild: pg)

von
Peter Graf

07. Mai 2018
14:50

Ende Februar hatte der Gemeinderat Obersiggenthal von der Kündigung des Gemeindeschreibers Anton Meier Kenntnis zu nehmen. Er wird sein Arbeitsverhältnis per 31. Juli beenden. Sowohl der Gemeinderat, die Verwaltungsmitarbeitenden, aber auch die Bevölkerung nahmen diese Kündigung mit grossem Bedauern zur Kenntnis. Mit Anton Meier verliert die Gemeindeverwaltung ein Kadermitglied mit einem breiten Wissen über das Geschehen und die Prozesse in der Gemeinde. 

In Wohlenschwil aufgewachsen, schloss Meier 1981 auf der Gemeindeverwaltung Mägenwil die Verwaltungslehre erfolgreich ab. Seine erste Anstellung fand er danach auf dem Grundbuchamt Baden. Sich aus- und weiterzu­bilden, war aber auch nach dieser Grundausbildung wichtig. Nebst dem «Gemeindeschreiberdiplom» hat er des­halb auch eine Management-Ausbildung absolviert. Seine rund zehnjährige Tätigkeit für den Kantonalen Gemeindeschreiberverband bezeichnet er als sehr wertvolle Erfahrung.

 

Rasante Entwicklung

Anton Meier erinnert sich auch an die Zeit, in welcher er während elf Jahren in der damals noch selbständigen, 700 Einwohnerinnen und Einwohnern zählenden Gemeinde Wil bei Etzgen (heute Mettauertal) als Gemeindeschreiber tätig war. Als sogenannter Zentralverwalter wurden ihm damals zu Beginn auch die Aufgaben als
Finanzverwalter, als Steueramtsvorsteher sowie die Aufgaben des Zivilstandsamts übertragen. 

 

Zunehmende Vielfalt

Es war die Zeit, als der Gemeindeschreiber der Bevölkerung als unabhängiger Ansprechpartner für Anliegen und Probleme zu Verfügung stand. Nicht selten galt es auch, die Rolle des Vermittlers zwischen Bürger und Behördenvertreter wahrzunehmen. In Wil arbeitete er auch mit Bernhard Wehrli zusammen, der ihm später als Leiter Abteilung Finanzen nach Obersiggenthal folgte. Im Gespräch stellt Anton Meier fest, dass sich das Arbeitsumfeld seit den Achzigerjahren in einem Tempo entwickelte wie wohl noch nie zuvor. Was vor Jahren noch undenkbar schien, ist mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden. Und, so ist der Gemeindeschreiber überzeugt, der Prozess der Veränderung und Erneuerung wird sich in den nächsten Jahren nicht abschwächen. Dies veranschaulicht auch die Entwicklung der im Einsatz stehenden Mittel. War es vor über 100 Jahren anfänglich die Schreibmaschine, dann der Umdrucker und vor über 40 Jahren der Fax, arbeitet man heute direkt am Bildschirm, wo man ans weltweite Internet angeschlossen ist. 

Nun, so hält Anton Meier fest, sei er seit 21 Jahren in Obersiggenthal als Gemeindeschreiber tätig. Tatsache sei, dass die in einer Gemeindekanzlei anfallenden Aufgaben und Pflichten, welche es mit den vier Angestellten in der eigenen Abteilung zu erledigen gebe, und die Beratung und Unterstützung anderer Abteilungen zunehmend anspruchsvoller würden.Schwierige Sitzungen und Verhandlungen, Mitarbeiterführung, Vertreten der Gemeinde nach aussen und weitere Spezialaufgaben, welche der Gemeindeschreiber zu erfüllen hat, erfordern ein breites Fachwissen. Er habe jedoch den Entscheid, sich beruflich in Obersiggenthal einzubringen, nie bereut, sagt Meier.

Damals zählte die aus den Ortsteilen Nussbaumen, Kirchdorf und Rieden sowie den zwei Weilern Hertenstein und Tromsberg bestehende Gemeinde knapp 7500 Einwohner. Obwohl in all den Jahren eine rege Bautätigkeit zu verzeichnen war, ist die Einwohnerzahl nur um rund 1200 Personen gewachsen. Dies dürfte auf die erheblich gestiegene Wohnfläche pro Person zurückzuführen sein. 

 

Intakte Infrastruktur

Alterssiedlung, Hallen- und Gartenbad, Oberstufenzentrum und das Gemeindehaus waren grosse Bauvorhaben, die in den 70er- und 80er-Jahren realisiert wurden. Der grosszügige Ausbau der Freizeitanlagen und das vielfältige kulturelle Angebot haben verhindert, dass Obersiggenthal zu einer «Schlafgemeinde» wurde. In jüngster Zeit wurde trotz der angespannten finanziellen Situation alles unternommen, um Anlagen und Stras-sen zu unterhalten. Erfreulicherweise, so Anton Meier, habe sich die Gemeinde entschlossen, in die familienergänzenden Betreuungsstrukturen zu investieren. Obwohl die Tagesstätte «Goldiland» im Vorfeld umstritten war, hat sich deren Realisierung als richtig und wichtig erwiesen. Die Gemeinde ist dadurch für Familien wieder attraktiv geworden. Dies dürfte wohl auch dazu geführt haben, dass in der Gemeinde die Zahl der Kleinkinder überproportional zugenommen hat. Hinsichtlich Hallen- und Gartenbad sowie der erforderlichen Schulbauten müssen zeitnah zielführende Entscheide gefällt werden. «Ich hoffe», so Anton Meier, «dass Behörden und Bevölkerung auch der Nachfolgerin oder dem Nachfolger die Akzeptanz und das Vertrauen entgegenbringen, wie ich dies erfahren durfte.».

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