Zeit für neuen Lebensabschnitt

Brigitte Brünisholz aus Riniken hat losgelassen, ist nun «echte» Pensionierte und freut sich auf die neugewonnene Zeit.

Autofan Ivo bastelt mit seiner «Nonna» am neuen Lego-Gefährt herum
Autofan Ivo bastelt mit seiner «Nonna» am neuen Lego-Gefährt herum (Bild: av)

von
Adrian Vonlanthen

11. Januar 2018
09:00

Brigitte Brünisholz sitzt am Esstisch in ihrem Haus in Riniken. Neben ihr sitzt ihr sechsjähriger Enkel Ivo, der vor sich eine Reihe aus kleinen Spielfahrzeugen aufgebaut hat. «Das sind Autos aus dem Film ‹Cars›», bemerkt er stolz und führt gleich aus, welche Fähigkeiten das eine vom anderen Modell unterscheidet. Seine Grossmutter hört ihm aufmerksam zu, obwohl sie diese Szene womöglich nicht das erste Mal miterlebt.

Genaues Hin- und Zuhören gehörte auch im Berufsleben zu den Spezialitäten von Brigitte Brünisholz. 15 Jahre lang arbeitete sie für die Effingerhof AG in Brugg. Als Redaktorin redigierte sie Artikel für die Rundschau und erledigte vielseitige administrative Aufgaben in der Redaktion. Unzählige Male war sie auch als Journalistin unterwegs für die Rundschau und den General-Anzeiger, und das, obwohl sie ihre Leidenschaft für das Schreiben von Texten viele Jahre lediglich im privaten Bereich auslebte.


Überraschende Anfrage

«Mein Traumberuf wäre Kindergärtnerin gewesen», erzählt Brigitte Brünisholz. Damals habe ihr aber der Berufsberater von diesem Wunsch abgeraten. Sie sei zu klein und damit fehle ihr die nötige Autorität. Sie muss selber lachen, wenn sie heute von dieser Episode ihres Lebens erzählt. «Mit deinen Noten solltest du das KV machen», hatte der «Experte» geraten. Und so kam es, dass die damals 16-Jährige Ende der 60er-Jahre auf der Verwaltung der Landwirtschaftlichen Konsumgenossenschaft in Möriken ihre kaufmännische Lehre absolvierte. Einige Jahre und Arbeitgeber später, als sie gerade eine Zusage für eine neue Stelle bei einer Raiffeisenbankfiliale in der Region erhalten hatte, erreichte sie ein unerwarteter Anruf.

Annemarie Pelikan, damalige freie Journalistin der Wochenzeitung Rundschau und gute Bekannte von Brigitte Brünisholz, kam mit einem unverhofften Vorschlag auf sie zu. Die damalige Chefredaktorin Friderike Saiger sei auf der Suche nach einer Unterstützung für die Redaktion. «Das wäre doch was für dich», meinte ihre Freundin.

Neugierig und trotzdem etwas nervös stand sie später in der Redaktion und absolvierte im Dezember 2001 einen Schnuppertag. Die Arbeit gefiel ihr, und sie sagte zu. «Bereits im darauffolgenden Februar ging Friderike in die Sportferien, und ich war auf mich alleine gestellt», erinnert sich Brigitte Brünisholz mit einem Schmunzeln an ihre erste Feuertaufe.


Unverhoffter Aufgabenwechsel

Lange Zeit hatte sie sich nicht getraut, auch als schreibende Kraft in Erscheinung zu treten. Irgendwann versuchte sie es trotzdem und schrieb ihre erste Kolumne für die Rundschau. Auf diese folgte die nächste, und als eines Tages ein Personalengpass drohte und man für einen anstehenden Anlass kurzfristig eine Schreibkraft suchte, hiess es: «Du könntest doch einspringen.» Und so stand sie etwas unerwartet und ziemlich nervös eines Abends, mit Kamera und Schreibblock bewaffnet, erstmals im «Ausseneinsatz» für die Zeitung. Viele weitere folgten. Was blieb, sind die Erinnerungen an einige ganz besondere Geschichten und Begegnungen mit Menschen, die sie für eine kurze Zeit, in ihrem Projekt, mit ihren Gedanken und Eindrücken begleiten konnte.

In den letzten Jahren vor ihrer Pensionierung hatte sich der Berufsalltag nochmals entscheidend verändert. Tagesaktuell konnte man nun dank des Online-Portals berichten. Auch wenn sich Brigitte Brünisholz gegen diese Errungenschaft nie zur Wehr setzte, war die Verbundenheit zur gedruckten Zeitung stets grösser. Bis heute liest sie die Rundschau und den General-Anzeiger regelmässig und hält sich so, was die Regionalnachrichten betrifft, auf dem neusten Stand.

Ende Juli 2016 erreichte sie das Pensionsalter, blieb aber dennoch für fast ein Jahr an zwei Tagen pro Woche weiter für die Rundschau tätig. «Der stetige und nicht abrupte Ausstieg, hat mir das Loslassen erleichtert», sagt Brigitte Brünisholz heute rückblickend. Denn durch die Arbeit hätten sich viele Freundschaften ergeben. Menschen, die ihr ans Herz gewachsen waren und die sie nun nicht mehr täglich trifft.


Neugewonnene Zeit

Im vergangenen Sommer hat Brigitte Brünisholz ihre Tätigkeit beim Effingerhof bis auf gelegentliche Aushilfseinsätze beendet und startete erstmals als «echte» Pensionierte ins neue Jahr. «Es fühlt sich schon speziell an», bemerkt sie in Bezug auf diesen neuen Lebensabschnitt. Man mache sich Gedanken. Stelle sich Fragen, die man sich vorher in dieser Form noch nie zum Jahresbeginn gestellt habe: Was ist mir wichtig? Wie will ich meine Zeit verbringen? Langweilig wird es ihr bestimmt nicht. «Ich habe eine Liste abzuarbeiten mit Leuten, die ich schon lange wieder treffen wollte und nie die Zeit dafür fand», verrät die Seniorin.

Ganz oben auf der Liste steht wohl ihr Enkel Ivo, mit dem sie die neu gewonnene Zeit besonders geniesst. Zudem wolle sie ein altes Hobby wieder aufnehmen. «Vor wenigen Tagen habe ich mich mit drei Frauen zum Jassen verabredet. Wir haben beschlossen, dass wir uns nun regel­mässig einmal im Monat treffen.» Der Kontakt zu Menschen ist ihr nach wie vor sehr wichtig. Und wer ihre lebensfrohe, warmherzige und offene Art kennt, der weiss, dass sie eine Zeit brauchen wird, um ihre «Freunde-Treff-Liste» abzuarbeiten. Letztlich geniesst sie aber auch einfach die Möglichkeit, die Dinge nicht kontrollieren zu müssen. «Ich nehme es, wies kommt», erwidert sie auf die Frage, was die Zukunft wohl sonst noch parat habe, und schaut zufrieden zu ihrem Enkel, der gespannt darauf wartet, wann «Nonna» nun aufhört zu reden und endlich Zeit hat, mit ihm das neue Lego-Auto zusammenzubauen.

Kommentare (2)

  1. dorothea
    dorothea am 15.01.2018
    Unbekannterweise alles Gute für den neuen Lebensabschnitt liebe Frau Brünisholz und geniessen sie die Unabhängigkeit. Unsere Tochter Annabarbara wird sie bestimmt vermissen!
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  2. isabel steiner peterhans
    isabel steiner peterhans am 11.01.2018
    Alles Liebe Brigitte!
    ... und nur das Allerbeste zum neuen Lebensabschnitt.
    Antworten

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