Zu Besuch bei Kunstcoach Dr. Stegmann

Markus Stegmann ist ein Allrounder. Und probiert gerne Neues aus. Ab März startet der Leiter der Langmatt eine monatliche Sprechstunde.

Berät mit allen Mitteln der Kunst: Dr. Markus Stegmann in seiner «Praxis», der Bibliothek des Museums Langmatt
Berät mit allen Mitteln der Kunst: Dr. Markus Stegmann in seiner «Praxis», der Bibliothek des Museums Langmatt (Bild: aru)

von
Annegret Ruoff

25. Februar 2017
10:00

Dr. Stegmanns Sprechstunde

Jeden ersten Freitag im Monat bietet Markus Stegmann, Direktor des Museums Langmatt, von 17 bis 18 Uhr kostenlos individuelle Beratungen à 15 Minuten zu allen Fragen der Kunst an. 

Ab Freitag, 3. März

Museum Langmatt, Baden
www. langmatt.ch

Punkt neun Uhr betrete ich die altehrwürdige Bibliothek im Museum Langmatt. «Guten Tag», begrüsst mich Markus Stegmann, seit Herbst 2015 Direktor des Hauses. «Was kann ich für Sie tun?» Ich bin die erste Klientin von «Dr. Stegmanns Sprechstunde», die der renommierte Kunstwissenschaftler mit Zusatzausbildung in lösungsorientiertem Coaching ab März jeden ersten Freitag im Monat anbietet, kostenlos und unverbindlich. Eine Viertelstunde haben wir Zeit. Und fragen darf ich alles, was im nahen und im entferntesten Sinn mit Kunst zu tun hat. Mitgebracht habe ich drei Fragen. Also schiesse ich los.


Werke neu entdecken

Was tun, wenn ich mich zu Hause mit tollen Kunstwerken umgebe, sie aber vor lauter Gewohnheit gar nicht mehr sehe? – Markus Stegmann zeigt Verständnis: «Das geht mir auch ein wenig so. Man hat sie gerne. Und trotz allem scheinen sie nach gewisser Zeit unsichtbar zu werden.» Ganz klar, der promovierte Kunsthistoriker hat mein Problem erkannt. Doch was rät er mir? «Als Erstes könnte ich mir vorstellen, dass sich was ändert, wenn Sie die Bilder umhängen», schlägt er vor. «An einem anderen Ort, in neuem Licht und mit veränderter Nachbarschaft lassen sich die Werke wieder neu entdecken.» Das klingt pausibel. Und lässt sich subito umsetzen. Noch scheue ich den Aufwand. «Es müssen ja nicht gleich alle sein. Beginnen Sie mit wenigen, die Sie sehr mögen», hilft mir der Kunstcoach aus dem Dilemma.


Den Zugang finden

Nächste Frage: Es gibt Kunstwerke, zu denen finde ich einfach keinen Zugang. Schaue ich sie an, passiert  nichts. Das irritiert mich. Ein Beispiel dafür sind die rostigen Skulpturen von Bernhard Luginbühl. – «Ich mache das jeweils so», versetzt sich Markus Stegmann in meine Haut. «Ich versuche, mich in diese Generation, diese Zeit hineinzuversetzen. Und frage mich: Wie war das damals, als der Künstler jung war?» Und so führe ich mir die 50er-Jahre vor Augen. Was für Fragen bewegten wohl den jungen Luginbühl? Mit welchen Materialien arbeiteten Kunstschaffende damals? «Das mit dem Rost und den Schrotteilen war zu jener Zeit ein Tabu», hilft mir mein Berater. «Kunstwerke waren traditionellerweise aus Holz, aus Marmor, aus Bronze.»

So langsam dämmert mir das Bahnbrechende, Revolutionäre von Bernhard Luginbühl. Und ich spüre die konfrontierende Kraft, die diese rostigen Werke ausmachte. «Das Statement von Luginbühl lautete auch: Ewigkeit empfinde ich nicht mehr als stimmig. Vergänglichkeit ist wahr», führt mir Markus Stegmann vor Augen. Das macht Sinn. Und scheint mir doch immer noch weit weg von dem, was mich in meinem Alltag bewegt. «Die Gesellschaft entwickelt sich weiter», erklärt Dr. Stegmann. «Dieser Tabubruch ist eine Generation später nicht mehr nachvollziehbar. Wir stehen vor den Werken und denken: So what?» Das sei das Dilemma aller Kunstschaffenden. «Jede Künstlergeneration muss neu auf diese Welt schauen und ihre eigene Sprache finden», sinniert der Museumsdirektor. Das leuchtet mir ein. Und beflügelt mich zugleich. Weil es nach der Freiheit des Neuanfangs klingt, die jede Veränderung mit sich bringt. 


Einschätzungen einholen

Ich komme zu meiner letzten Frage: Was soll ich mit meinem Erbstück, einer Skizze von Cuno Amiet, anfangen? – Jetzt zückt Markus Stegmann die Lesebrille. Konzentriert nimmt er die Bleistiftzeichnung unter die Lupe, hält sie ans Licht, schaut sich die Rückseite an. «Da haben Sie ja was Tolles geerbt!», freut er sich. Natürlich könne er die Echtheit nicht mit Sicherheit bestätigen und eine verlässliche Schätzung mache er nicht. Dafür solle ich mich an ein Auktionshaus wenden. Fasziniert höre ich in den nächsten Minuten zu, wie mir der Experte die Linienführung, die Momenthaftigkeit, den Rhythmus des Bildes erläutert. «Ich würde es neu rahmen lassen, hell und schlicht. Und dann weiterschauen», schliesst er seine Ausführungen. 

Exakt 18 Minuten später reiche ich meinem Coach die Hand zum Abschied. Ich fühle mich verstanden und innerlich weit. Das lockere Gespräch auf Augenhöhe, gespickt mit einem augenzwinkernden Humor, hat mich beflügelt. Mit dem Amiet unter dem Arm mache ich mich auf den Weg nach Hause. Da werde ich jetzt erst mal ein wenig umhängen.

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