Zum Touristenmagnet geadelt

Turgi ist stolz, Standort einer wenn auch leicht «anrüchigen» Anlage zu sein – der ARA Laufäcker. 50 Jahre ist sie dort jetzt schon zu Hause.

Die eigens für das Jubiläum angefertigte Tafel, v. l.: Roger Huber, Thomas Schluep und Stephan Attiger
Die eigens für das Jubiläum angefertigte Tafel, v. l.: Roger Huber, Thomas Schluep und Stephan Attiger (Bild: wag)

von
Hans Christof Wagner

13. Mai 2019
16:10

Den runden Geburtstag feierte man vergangene Woche auf dem Areal selbst. Vertreter der sechs Verbandsgemeinden Baden, Ennetbaden, Neuenhof, Obersiggenthal, Turgi und Wettingen waren unter den rund 70 Gästen. Gekommen waren auch aktuelle und frühere Mitglieder des Abwasserverband Region Baden Wettingen (ABW) sowie derzeitige und ehemalige Mitarbeiter der Anlage, die 1969 in Betrieb gegangen ist. 

 

Gutachten von 1962

«Die Limmat ist immer getrübt und strömt einen mehr oder weniger deutlich wahrnehmbaren Abwassergeruch aus. Der Anblick des Flusses war bei jeder Probeentnahme unerfreulich. Ganz schlimm steht es in dieser Beziehung im engeren Gebiet der Stadt Baden. Was wir hier gesehen haben, gehört zum Übelsten, was uns bisher in unserem Lande zu Gesicht gekommen ist.» 

ABW-Präsident Roger Huber zitierte in seiner Begrüssung aus einem Gutachten der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz aus dem Jahr 1962. «Heute ist die Limmat nicht mehr getrübt und sie stinkt auch nicht mehr nach Abwasser. Das ist der Kläranlage zu verdanken, auf der wir uns heute befinden und die am 22. April 1969, also vor ziemlich genau 50 Jahren, ihren Probebetrieb aufgenommen hat», sagte Huber. Heute habe sich die ARA Laufäcker zu einem regionalen Kompetenzzentrum in Sachen Abwasser entwickelt. Und mehr noch. Liefere sie doch 450'000 Kubikmeter Biogas, womit 200 Häuser geheizt werden könnten.

 

Grosse Herausforderungen

«ABW und ARA Laufäcker stehen vor grossen Herausforderungen», betonte Huber. So sei die Kapazität der Anlage schon jetzt am Limit, die biologische Reinigungsstufe zu 90 Prozent ausgelastet. «Bis 2025 wird es noch gehen, dann muss aufgrund des Bevölkerungswachstums die Kapazität der Anlage steigen», sagte er – von heute 80'000 auf 125'000 Einwohnergleichwerte, der Kenngrösse für die Menge des eingeleiteten Abwassers aus Haushalten, Gewerbe und Industrie. Huber: «Es werden namhafte Investitionen nötig sein, die nur mit einer schrittweisen Erhöhung der Abwassergebühren zu stemmen sind.»

«50 Jahre ist ein gutes Alter, das darf und kann man noch feiern», sagte Regierungsrat Stephan Attiger. Attiger lobte den Trend zu zunehmend regionalen Lösungen in der Abwasserreinigung als sinnvoll. «Bei der Abwasserreinigung ist in den letzten Jahrzehnten extrem viel passiert», betonte er. Sie sei professionalisiert und ökonomisch und ökologisch optimiert worden. 

Die ARA Laufäcker feiert das 50-jährige Bestehen: Blick auf das Gelände
Die ARA Laufäcker feiert das 50-jährige Bestehen: Blick auf das Gelände (Bild: zVg | ABW)

 

Vierte Reinigungsstufe

Dennoch steigen die Anforderungen laufend. Attiger nannte die Herausforderung Mikroverschmutzung von Gewässern mit Stoffen, welche die klassischen drei Reinigungsstufen in ARA nicht herausfiltern könnten. Eine vierte Reinigungsstufe sei in Turgi im Moment zwar aufgrund der jetzigen Grösse noch kein Muss, in absehbarer Zukunft aber schon. Als zweite neue Herausforderung nannte Attiger die Pflicht zur Rückgewinnung von Phosphor aus dem Klärschlamm der Anlage. Diese trete 2026 in Kraft. 

 

Nicht Turgis Schokoladenseite

In Anlehnung auf die Hinweisschilder, die auf touristische Attraktionen des Kantons aufmerksam machen, hat der Regierungsrat nun auch die ARA Laufäcker zu einer solchen erhoben – wenn auch nur als Geburtstagsgeschenk, zur internen Verwendung. Attiger überreichte die Tafel und sagte: «Die ARA Laufäcker gehört zwar noch nicht zum kulturellen Erbe des Kantons, aber was nicht ist, kann ja noch werden.»

Adrian Schoop, Gemeindeammann der Standortgemeinde Turgi, überreichte als Präsent Schokolade, auch wenn, wie er in seinem Grusswort sagte, die ARA nicht gerade Turgis Schokoladenseite zeige. «Dennoch ist Turgi stolz darauf, einen so wichtigen und wertvollen Betrieb bei sich zu haben», sagte er. Schoop überbrachte die besten Wünsche zum runden Geburtstag und unterstrich: «Die ARA Laufäcker ist topfit und zeigt keine Spur von einer Midlife-Crisis.»

 

Infotafeln auf Tour 

«Wir sind 365 Tage für Sie alle im Einsatz», hob ARA-Geschäftsführer Thomas Schluep hervor. Und das gehe nur mit qualifizierten und engagierten Mitarbeitern. Die sieben, die in Turgi Dienst tun, stellte Schluep der Reihe nach vor. Vor 50 Jahren, 1969 bei der Eröffnung der ARA Laufäcker, gab es einen Tag der offenen Tür. Zum Jubiläum ist geplant, die drei zum 50-jährigen Bestehen der Anlage erstellen Infotafeln – je eine für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – auf Tour durch die sechs Verbandsgemeinden zu schicken. Sie werden an Gemeindeversammlungen oder anderen Anlässen aufgestellt. 

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