«Sauerstoff» für Hightech Zentrum

Mit weiteren 28,7 Mio. Franken sollen die Innovationsförderung im Aargau sowie das Hightech-Zentrum in Brugg bis 2022 fortgeführt werden.

Sie informierten über den neuen Hightech-Kredit, v.l.n.r.: Regierungssprecher Peter Buri, Regierungsrat Alex Hürzeler, Regierungsrat Urs Hofmann, Anton Lauber und Martin A. Bopp von der Hightech Zentrum AG, Brugg
Sie informierten über den neuen Hightech-Kredit, v.l.n.r.: Regierungssprecher Peter Buri, Regierungsrat Alex Hürzeler, Regierungsrat Urs Hofmann, Anton Lauber und Martin A. Bopp von der Hightech Zentrum AG, Brugg (Bild: h.p.w.)

12. März 2017
12:00

Was Kunden zum Hightech Zentrum sagen

Bei einer durch eine externe Firma durchgeführten Kundenbefragung bestätigten 96 von 100 antwortenden Unternehmen, sie würden das Hightech Zentrum einem Freund weiterempfehlen. Die Vertrauenswürdigkeit der Experten wurde mit 9,3 von 10 möglichen Punkten bewertet, und die Zufriedenheit bei der Beratung lag bei einem Wert von 8,6. Von den Unternehmen gaben 84 Prozent an, dass sie einen konkreten Nutzen aus dem Projekt mit dem Hightech Zentrum ziehen könnten. Am häufigsten genannt wurden dabei der Aufbau einer stärkeren Wettbewerbsposition, die Erwartung einer positiven Umsatzentwicklung sowie die Absicht, Investitionen zu tätigen.

An der Medienkonferenz wurden zwei konkrete Beispiele aus dem Hightech-Programm Aargau bekannt gemacht. Die Firma SWD AG Stator- und Rotortechnik in Densbüren, Weltmarktführerin bei der Herstellung von Komponenten für Elektromotoren, erzielte durch die Vermittlung des Hightech Zentrums und die Unterstützung der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) eine nachhaltige Produktionsverbesserung. Die SwissShrimp AG in Rheinfelden, die ab 2019 mit Salz und Wärme aus den Schweizer Salinen Shrimps züchten und anstelle von Importware fangfrisch auf den Schweizer Markt bringen will, wird bei der Anschubfinanzierung sowie einer optimalen Dosierung der Futtermenge und temperaturstabilen Verpackung unterstützt. 

Das im Jahr 2012 lancierte Hightech-Programm Aargau sowie das Hightech Zentrum in Brugg sollen die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit insbesondere von aargauischen Klein- und Mittelbetrieben (KMU) fördern. Die Bilanz der ersten vier Jahre ist nach Ansicht des Regierungsrates und der Verantwortlichen des Dienstleistungszentrums gut. Hightech Aargau trage dazu bei, dass der Kanton Aargau heute als attraktiver Wirtschaftsstandort für innovative, technologie- und wertschöpfungsintensive Unternehmen gelte. Darum wird dem Grossen Rat ein neuer Verpflichtungskredit von 28,7 Mio. Franken zur Weiterführung dieser schweizweit einzigartigen Institution für die Periode 2018–2022 beantragt. 

 

Innovation ist entscheidend

 

Der kantonale Volkswirtschaftsdirektor, Regierungsrat Urs Hofmann, erklärte an einer Medienkonferenz, die Wirtschaft stehe aufgrund der Frankenstärke, der hohen Produktionskosten, der Exportabhängigkeit sowie der steigenden Konkurrenz auf den Weltmärken unter Druck und wegen der zunehmenden Digitalisierung vor neuen Herausforderungen und grossen Veränderungen. Darum sei die Stärkung der Innovationsfähigkeit für Firmen und den Industriekanton Aargau von zentraler Bedeutung. Der Rückgang der Steuereinnahmen um 60 Mio. Franken bei den juristischen Personen im letzten Jahr, das unterdurchschnittliche aargauische Pro-Kopf-Erwerbseinkommen und der lediglich achte Platz des Aargaus im Innovations-Ranking der Kantone machen den Handlungsbedarf deutlich. 

Auch der Bildungsdirektor, Landstatthalter Alex Hürzeler, bekräftigte, die Aargauer Wirtschaft sei auf Spitzentechnologie angewiesen, um in Zukunft konkurrenzfähig zu sein. Grundsätzlich biete der Aargau mit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) samt dem Technopark und dem Hightech Zentrum in Brugg-Windisch, dem Paul Scherrer Institut (PSI) mit dem künftigen Park Innovaare in Villigen sowie dem Argovia-Programm am Nanoscience Institute (NSI) der Universität Basel beste Voraussetzungen für die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft. 

 

Drei Hauptziele

 

Die drei Hauptziele des Hightech-Programms Aargau sollen fortgeführt werden. Das ist erstens der Erhalt und Ausbau der Forschungsinfrastruktur im Kanton. Im Fokus steht vor allem das PSI, das jährlich über 2'500 Forschende aus der ganzen Welt anzieht. Wie bereits für die erste Strahllinie des SwissFEEL will der Regierungsrat auch einen Beitrag an die zweite Anlage leisten, die zur weltweiten Spitzentechnologie gehört. Der zweite Schwerpunkt ist die Innovationsförderung durch das Hightech Zentrum. Fachleute beraten Unternehmen, begleiten Innovationsprojekte und vermitteln Kontakte zu Spezialisten in Forschung und Industrie. Drittes Element ist die Entwicklung von Arealen und Industriebrachen für ansässige Betriebe und die Ansiedlung von neuen, wertschöpfenden Firmen. Unter rund 30 analysierten Standorten nehme das Reichholdareal in Lupfig/Hausen einen Spitzenrang ein, verlautete an der Medienkonferenz. 

Ein weiteres aargauisches Förderinstrument ist der Forschungsfonds, aus dem bereits 88 Projekte unterstützt und 6,4 Mio. Franken Fördermittel gesprochen wurden. Weil die Nachfrage mittlerweile höher ist als die bisher verfügbaren jährlichen Mittel von 1 Mio. Franken, will die Regierung die Ausschüttung auf 1,4 Mio. Franken erhöhen. 

 

Ein Leistungsausweis

 

Verwaltungsratspräsident Anton Lauber, Brugg, und Geschäftsführer Martin A. Bopp von der Hightech Zentrum AG teilten mit, dass im Zeitraum 2013–2016 mehr als 750 Projekte mit rund 350 verschiedenen Unternehmen – darunter über 90 Prozent KMU – gestartet wurden. Bei 150 Innovationsprojekten konnte das Hightech Zentrum den Firmen direkte Wissens- und Technologietransfer-Kontakte zu Hochschulen vermitteln. 2016 flossen zusätzlich 5 Mio. Franken Fördergelder vom Bund in den Aargau. Mit dem neuen Verpflichtungskredit von 28,7 Mio. Franken – der im Rahmen der kantonalen Sparmassnahmen allerdings gegenüber der Vorperiode um 10 Mio. Franken gekürzt wurde – hofft das Hightech Zentrum weiterhin jährlich rund 300 neue Projekte lancieren zu können. 

Die neue Vorlage fand in der Vernehmlassung bei Parteien und Verbänden mehrheitlich Unterstützung. Eine kritische Haltung, die auf ideologisch-ordnungspolitischen Bedenken basiert, nimmt die SVP ein. Sie bezweifelt, ob die Innovationsförderung Sache des Staates und das aargauische Modell effizient sei. Hingegen scheint die ursprüngliche Skepsis beim Aargauischen Gewerbeverband erodiert zu sein, weil es nicht mehr an Belegen mangelt, dass vom Hightech-Programm vor allem KMU profitieren. Der Grosse Rat entscheidet voraussichtlich im Mai über das Kreditbegehren. 

Der Beschluss untersteht dem fakultativen Referendum – er könnte also an eine Volksabstimmung gezogen werden, was allerdings kaum erwartet wird.

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