«Wir sind auch ein Experimentierfeld»

«Wir sind umgeben von interaktiver Technologie», stellt Doris Agotai fest. Sie leitet das Informatik-Institut für Interaktive Technologien (IIT).

Doris Agotai, Leiterin des Instituts für Interaktive Technologien
Doris Agotai, Leiterin des Instituts für Interaktive Technologien (Bild: lp)

von
Louis Probst

18. August 2018
09:00

Ein Beamer projiziert eine Landkarte auf den Tisch. Mit der Landkarte erscheint auch gleich eine Art Touchscreen. Durchs Antippen verwandelt sich die Landkarte in eine Satellitenaufnahme. Software-Ingenieurin Fiona Nüesch legt ein Blatt Papier auf den Tisch, auf dem eine Tabelle mit Eckwerten für die Tragbarkeitsberechnung einer Hypothekenfinan­zierung erscheint. Durchs Antippen lassen sich die einzelnen Parameter variieren. 

Das Ganze nennt sich «Live Paper», und es soll Beratungsgespräche transparenter machen. Szenenwechsel. Software-Ingenieurin Kathrin Koebel befasst sich mit dem Aufbau einer Virtual-Reality-Installation, welche eine Zeitreise durch die Schweizer Pavillons der Biennale in Venedig ermöglichen wird. Mithilfe einer «Brille» – eines sogenannten Head Mounted Displays – wird ein Rundgang in einem Raum des Pavillons möglich, wie er sich 1952 den Besucherinnen und Besuchern dargeboten hat. Das sind nur zwei Projekte, an denen am Institut für Interaktive Technologien (IIT) gegenwärtig gearbeitet wird. «Wir verstehen uns auch als Experimentierfeld», sagt Doris Agotai, die Leiterin des Instituts.

 

Frau Agotai, was hat zur Gründung des Instituts für Interaktive Technologien geführt?

Doris Agotai: Der Studiengang Informatik ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Zudem hat sich auch die Informatik verändert und in vielen Bereichen weiterentwickelt. Wir sind heute umgeben von vielfältigen interaktiven Technologien. Seien das nun  Apps oder andere Software-Anwendungen. Anstelle des Laptops gibt es heute – beispielsweise durch das Handy – viele kleine Displays mit unzähligen Möglichkeiten der Interaktion. Ein weiterer Grund für die Bildung des Instituts war die Grösse. Mit 20 bis 25 Mitarbeitenden weist es jetzt eine ideale Dimension auf.

 

Wie ist das Institut aufgebaut?

Das Institut umfasst drei Forschungsgruppen: Design and Technology, Requirements Engineering und Computer Graphics. Im Zentrum steht die Informatik mit Forschungsschwerpunkten wie beispielsweise Virtual und Augmented Reality.

 

Wo liegt der Unterschied zwischen Virtual und Augmented Reality?

Während die Virtual Reality eine vollständige Immersion voraussetzt – durch das Anlegen einer Brille – wird bei Augmented Reality der reale Raum durch die Einblendung von Objekten erweitert.

 

Mit welchen Anwendungen von Interaktiven Technologien befasst sich das Institut?

Für Interaktive Technologien gibt es die unterschiedlichsten Anwendungsfelder. Das reicht vom «Live Paper», das wir in Kooperation mit einer Bank entwickeln und das Beratungsgespräche transparenter machen soll, bis zu einer Software für die Generierung von Sprach- oder Logikrätseln oder zu Anforderungen an die Cyber Security. Es gibt viele Themen wie intelligente Ansätze für Datenvisualisierungen oder die Benutzerfreundlichkeit. Wir entwickeln vor allem Software, beispielsweise Apps. Und wenn es die entsprechende Hardware noch nicht gibt, bauen wir sie selber. 

 

Woher kommen die Ideen für die Projekte?

Wir versuchen KMUs im Innovationsmanagement zu unterstützen, weil sich diese Unternehmungen oft keine eigenen Forschungsstellen leisten können. Es ist aber auch so, dass wir viele Studierenden-Projekte bearbeiten. So zum Beispiel im Biotech­bereich, wo sich ein Projekt mit der 3-D-Darstellung von medizinischen Schichtmodellen befasst. Bei den Studierenden-Projekten coachen wir die Studierenden. Sinn und Zweck der angewandten Forschung und Entwicklung ist es, dass einerseits Innovation für den Markt entsteht und aktuelles Wissen in die Lehre einfliesst und anderseits die Studierenden einen Bezug zur Praxis erhalten.

 

Und woher kommen die erforderlichen finanziellen Mittel?

In der Regel ist es so, dass die Projekte durch Mittel der Innosuisse (früher KTI, der Kommission für Technologie und Innovation, der Förderagentur für Innovation des Bundes, Red.)  oder aus dem Aargauer Forschungsfonds finanziert werden.

 

Die Vielfalt der Anwendungsfelder für Interaktive Technologien hat zweifellos auch einen Einfluss auf die Zusammensetzung des Teams? 

Ich bin der festen Überzeugung, dass gute Produkte dort entstehen, wo starke fachliche Kompetenzen vorhanden sind und eine gute Zusammenarbeit in einem interdisziplinären Team besteht. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist die gegenseitige Befruchtung der verschiedenen Disziplinen. Am Institut haben wir Spezialisten aus der Informatik, aber auch aus dem Bereich der Gestaltung oder der Psychologie. So können Fragen besser bearbeitet werden. 

 

Auffallend ist der hohe Anteil an Frauen.

Das Feld öffnet sich. Sobald es beispielsweise auch um Gestaltung geht, sind Frauen sehr interessiert. In meiner Forschungsgruppe ist das Verhältnis 50 zu 50. Über das gesamte Institut beträgt der Frauenanteil einen Drittel.

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