Ein Jubiläum in eigener Sache

Die monatlich erscheinende General-Anzeiger-Serie «Der Campus und die Region» feiert die 100. Ausgabe – Zeit für eine Bilanz.

Der Campus: beliebter Treffpunkt (Bild: zVg | Max Gessler)

19. März 2020
09:00

Versetzen wir uns ins Jahr 2012: Auf der gigantischen Baustelle zwischen Bahnhof und Königsfelder Park, an der Nahtstelle von Brugg und Windisch, wachsen die Neubauten des Fachhochschul-Campus aus dem Boden – vom «Ballett» eines halben Dutzends Baukränen weitherum sichtbar gemacht. Bis dahin ist schon viel passiert. Einen entscheidenden Schritt tat der Grosse Rat 2001 mit dem Beschluss, die Fachhochschulbereiche Technik, Wirtschaft und Pädagogik in Brugg-Windisch zu konzentrieren. 

 

Entstehendes Jahrhundertwerk

Darauf setzte die 2002 gegründete Stiftung Vision Mitte einen städtebaulichen Entwicklungsprozess in Gang. Er führte über Ideenwettbewerb, Masterplan, Entwicklungsrichtplan und Nutzungsplan zur Zonenplan-Revision. Diese öffnete den Weg für konkrete Projektplanungen. Ab 2007 starteten die Architekturwettbewerbe für Campus, Sportausbildungszentrum Mülimatt, Aufwertung Bahnhofplatz Brugg, Campuspassage, Busterminal Süd und Hochhaus mit Hotel. Vorher trat noch die Archäologie mit Ausgrabungen auf den Plan.

Von 2008 bis 2013 wurden die Sportanlage Mülimatt und der Aaresteg, der Zürcherstrasse-Boulevard mit Personenunterführung sowie der Campusneubau realisiert. Zwischendurch fasste der Grosse Rat nochmals einen wichtigen Entscheid: Er ersetzte das Mietmodell für die Campusbauten durch das günstigere Kaufmodell. Aber der Baukredit von 189,88 Millionen Franken wurde mit einem Referendum angefochten. Am 13. Februar 2011 hiess das Aargauervolk das Projekt mit 81 Prozent Ja- gegen 19 Prozent Neinstimmen gut. Dabei setzten sich die Region Brugg und ein lokales Aktionskomitee mit frappantem Kampfgeist für das «Jahrhundertwerk» ein. 

Dieser Einsatz verblüffte, weil vorher der Funke der Begeisterung kaum wirklich von den Vision-Mitte-Promotoren auf die Bevölkerung übergesprungen war. Die Teilnahme changierte zwischen freundlichem Interesse und skeptischer Zustimmung. Es schien, als ob die Standortregion mit dem neuen Hochschulquartier und inskünftig grössten Bildungsplatz zwischen Zürich, Basel und Bern noch wenig anzufangen wüsste. Wie liess sich diese Hemmschwelle verringern? Journalisten hatten eine Idee. Vier mit der Region Brugg verbundene frühere Redaktoren der «Aargauer Zeitung» beschlossen Ende 2012 auf Anregung des Schreibenden, das allgemeine Interesse am Grossprojekt zu fördern. Dazu veröffentlichten sie ab Januar 2013 im «General-Anzeiger» (GA) die monatlich erscheinende, meist doppelseitige Serie «Der Campus und die Region». Zunächst wurde laufend über die Baufortschritte sowie die Herausforderungen und Chancen des Fachhochschul-Komplexes mit seinen über 3000 Studierenden und 1000 Mitarbeitenden informiert. Nach der Eröffnung gaben die Autoren Einblicke in die verschiedenen Bereiche des Fachhochschulbetriebes. 

Das Redaktionsteam bestand anfänglich aus GA-Chefredaktor Peter Belart (pb), den 2016 sein Nachfolger Stefan Haller (sha) ablöste, sowie Edgar Zimmermann (zi), Louis Probst (lp), Hans-Peter Widmer (H.P.W.) und bis Januar 2018 Richard Fischer, Unternehmer und einer der Impulsgeber der Vision Mitte. 

 

Ein halbes Tausend Themen

Die bisherigen hundert Ausgaben behandelten gegen ein halbes Tausend Themen rund um den Campus. Aktuelle Ereignisse wurden gewürdigt, wie die Inangriffnahme und Fertigstellung verschiedener Projekte, aber auch der Campusbrand am 11. April 2013, der Semesterbeginn am 16. September 2013, die Einweihungsfeier am 19. November 2013 und der Tag der offenen Tür am 13. September 2014. Zudem beschäftigten umstrittene Themen das Autorenteam, etwa die harzige Finanzierung des Campussaals, der verpatzte Ausbau der Fussgängerpassage vom Bahnhof zum Campus («Mausloch») und die fehlgeschlagene Aufhebung des verkehrsbehindernden Fussgängerübergang beim Kreisel Bachthalen. 

Immer wieder versuchte die Redaktion, dem Geschehen vor Ort mit im Campus und dessen Umfeld tätigen Menschen ein «Gesicht» zu geben. Zudem zeigten Berichte über Forschungsarbeiten – zum Beispiel jüngst über das Weltraumteleskop STIX – der Öffentlichkeit, dass an der FHNW Brugg-Windisch Spitzenleistungen erbracht werden. Auch die Bevölkerung wurde oft auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, Angebote wie Campus-Vorträge und die hochklassige Bibliothek zu nutzen.  

 

Frage der Identifikation

Natürlich fragen wir Autoren uns gelegentlich, ob sich das Bewusstsein verfestigt hat, dass die Region Brugg vom Campus profitiert. Wir haben keine konkrete Antwort. Wirtschaftliche Vorteile wie Geschäftsumsätze oder Steuererträge sind nahe liegend, aber nicht exakt zu beziffern. Offensichtlicher sind die «weichen» Faktoren, nämlich das gefällige und dynamische Hochschulquartier, der städtebauliche Akzent, das breitere Kulturangebot und die Standortaufwertung. Aber Euphorie ist nicht ausgebrochen. Die «Jahrhundertchance» wird mit einer gewissen Selbstverständlichkeit hingenommen. Diese Zurückhaltung spiegelt sich auch in der Serie «Der Campus und die Region». Auf die hundert Ausgaben gab es kaum Reaktionen: weder Lob – das die Redaktionscrew mit ihrer langjährigen journalistischen Erfahrung sowieso nie erwartete – noch Kritik. Brugg-Windisch ist Hochschulstandort geworden, aber noch keine Hochschulstadt.

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