Was vom Stadtfest bleibt

Kein Zweifel: Mit dem Konzert von Frank Powers ging in der Brugger Hofstatt ein grossartiges Fest zu Ende. Es hinterliess viele schöne Erinnerungen – und einen Nachgeschmack.

Frank Powers setzten auf der Jäggi-Bühne in der Hofstatt den Schlusspunkt unters Stadtfest 2019 (Bilder: sha/aru)

von
Annegret Ruoff*

04. September 2019
09:20

Der Ausklang des Stadtfests war noch einmal durch und durch «Brugg». In der Hofstatt gab die mehrheitlich einheimisch bestückte Band Frank Powers ein Heimspiel. Und wurde schon von Beginn weg gross gefeiert. Denn Frontmann Dino Brandão beging mit dem letzten grossen Act des Fests auch gleich seinen eigenen Geburtstag. Kein Wunder, begrüsste ihn das Publikum schon am Anfang mit einem lautstarken «Happy Birthday to You». In friedlich-froher Stimmung tanzten die Fans noch einmal über das Kopfsteinpflaster in der Hofstatt und liessen das eindrückliche Fest wehmütig ausklingen. 

 

Ein lebendiges Kunterbunt

Es war ein stimmiger Schluss für eine grandiose Feier, die viele Menschen aus Brugg und der ganzen Region nach Strich und Faden genossen hatten. Unzählige Freiwillige, zumeist aus Vereinen und Institutionen, leisteten nebst dem Organisationskomitee einen enormen Einsatz und schufen aus der Stadt über die Dauer von sechs Tagen hinweg ein lebendiges Kunterbunt. 

Eines ist sicher: Für das grosse Mehr der Bevölkerung überwogen die positiven Momente, die als bunte Splitter nicht nur im persönlichen, sondern auch im kollektiven Gedächtnis der Stadt hängen bleiben. Dennoch wäre es anmassend, im vom Festrausch verklärten Blick über diejenigen Menschen hinwegzusehen, die sich mitten im Zentrum des Geschehens befanden und unmittelbar betroffen waren: die Anwohnerinnen und Anwohner. Während sie den Strömen von Menschen, die durch die Strassen und Gassen vor ihren Häusern und Wohnungen streiften, ausweichen und sich in ihre vier Wände zurückziehen konnten, gab es kaum einen Weg, sich den wummernden Bässen und hohen Schallpegeln der Konzerte zu entziehen, die in ihren Küchen stundenlang die Gläser klirren liessen. An Schlaf war nur während weniger Stunden zu denken, und die Beeinträchtigung durch das Fest ging weit über die sechs Tage hinaus. Denn mitsamt dem Auf- und Abbau war der Lebensrhythmus der Anwohner drei Wochen lang betroffen.

Klar, man konnte ausweichen und sich zumindest für zwei Wochenenden in die Berge zurückziehen. Das war aber für viele mit Kosten verbunden, die sie alleine zu tragen hatten. Familien mit Kindern, angeschlagene und ältere Menschen, sensible oder ganz einfach auch solche, die nebst dem Fest den normalen Arbeitsalltag zu stemmen hatten, sahen sich mit hohem Stress konfrontiert. Am allermeisten traf es wohl die, welche beim Konzert von Luca Hänni eigentlich einen Logenplatz hatten: die Bewohner der Hofstatt. Im Bestreben, die tollen Acts mitten in die Stadt hineinzuholen, hatte das OK dort die Jäggi-Bühne platziert. Stars wie Luca Hänni, James Gruntz und Dabu Fantastic lockten zweifellos Riesenmassen auf den lauschigen Platz zu Füssen des Salzhauses. Doch: War der Ort wirklich ideal für diese Riesenparty? Plätze wie das Simmengut vermochten die grosse Lautstärke und den immensen Besucherandrang besser aufzufangen.

 

Ein Fest für alle

Vielleicht mag das Bedürfnis von nicht mal tausend Altstadtbewohnern im Angesicht von rund 35'000 Festbesuchern marginal erscheinen. Und doch ist gerade hier Solidarität gefragt und Sensibilität gefordert. Dass die Wogen während des Fests und fast intensiver noch im Nachgang dazu hochgingen, hat nicht nur mit den Nerven zu tun, die aufgrund des Schlafentzugs bei manchen blank lagen. Viel stärker wiegt das Gefühl der Betroffenen, als Bewohner dieser Stadt nicht gehört zu werden und im fröhlichen Lärm der Party unterzugehen.

Für dieses Fest kommt das Dankeschön an die Anwohner wohl zu spät. Aber es zeichnet eine Stadt aus, deren Anregungen mit in die Planung eines nächsten Grossanlasses aufzunehmen. Ganz einfach, weil es noch mehr Freude macht, ein so tolles Fest zusammen zu feiern – mit allen, die in dieser Stadt leben und wohnen.

 

*Die Autorin wohnt in der Vorstadt und konnte während des Stadtfests wunderbar schlafen.

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