Gämsen in der Nachbarschaft

Im Steinbruch der Jura-Cement-Fabriken AG und in dessen Umgebung leben Gämsen. Sie finden in der Oberegg und im Jakobsberg den idealen Lebensraum, erklärt Revierförster Max Senn.

Gams im Steinbruch
Gams im Steinbruch (Bilder: zVg)

von
Susanne Wild

09. November 2017
09:00

Routiniert lenkt Max Senn sein geländegewöhntes Auto auf einem Feldweg dem Waldrand entlang. Am nördlichen Rand des Steinbruchs sind wir unterwegs zu einer Waldlichtung. Max Senn kennt den Tagesablauf der Gämsen: Als Revierförster des Reviers Auenstein-Rupperswil ist er unter anderem für die Aufsicht und Pflege des Waldes, der an den Steinbruch angrenzt, zuständig. Und plötzlich sehen wir sie: Eine Gruppe Gämsen –  vielleicht fünf Tiere – rennt nur wenige Meter vor dem Auto behände zurück in den Wald. Die Grösse und Stärke der Tiere überrascht. 


Der Steinbruch und die Gämsen

Rund 25 bis 30 Gämsen leben gemäss kantonalem Departement Bau, Verkehr und Umwelt in der Region. «Die Gämsen sind mittlerweile weit verbreitet im Jura mit seinen Ausläufern», sagt Max Senn. «In Villigen sind vor einigen Jahren welche im Auftrag des Kantons ausgesetzt worden, damit sie in der Juraregion wieder heimisch werden. Heute lebt auch in der Umgebung von Zeihen ein Rudel.» Auch in Rupperswil habe jahrelang ein einzelnes Tier in der Kiesgrube gelebt.

In der Oberegg und im Jakobsberg seien seit rund 15 Jahren Gämsen zu Hause, schätzt Senn. Im Steinbruch finden sie, was ihr Sein prägt: Geröllhalden und Felswände, geeignete Nahrung und Sicherheit. Dies, obschon der Mensch und grosse, lärmende Maschinen im Steinbruch omnipräsent sind. «Die Tiere gewöhnen sich an den Lärm und die Geschäftigkeit», erklärt Max Senn. Würde hingegen ein einzelner, ungewöhnlicher Knall – wie bei einem Schuss – fallen, würden die Tiere fliehen. So aber bewegen sie sich unbesorgt in den Geröllhalden oder sonnen sich morgens in den Felswänden. «Aber keine Sorge, sie gehen nicht so nah an die Baumaschinen heran, dass sie verletzt werden könnten», beruhigt der  Förster.

Die JCF-Verantwortlichen sind fast ein wenig stolz darauf, dass Gämsen den Steinbruch zu ihrem Lebensraum erkoren haben. Beim Unternehmen schätzt man die Wildtiere auch aus ganz praktischen Gründen: Die Gämsen fressen die Vegetation in den Geröllhalden gründlich genug ab, damit  seltene Pflanzen wie die diversen Orchideen und Reptilien sowie andere Lebewesen, die im Steinbruch wie in einer raren Oase ihren Lebensraum gefunden haben, genügend Sonne bekommen.

  • Max Senn, Revierförster Auenstein-Rupperswil, obliegt die Hege des Waldes, in dem die Steinbruch-Gämsen leben
    Max Senn, Revierförster Auenstein-Rupperswil, obliegt die Hege des Waldes, in dem die Steinbruch-Gämsen leben (Bild: sw)

Gesund, aber zu dick

Den «Jura-Cement-Gämsen» geht es gut. Natürliche Feinde haben sie in unserer Region bis auf den sehr seltenen Luchs nicht, und die Gamsblindheit, die mitunter Tiere im Gebirge befällt, hat sie bisher verschont. Auch innere und äussere Parasiten, die die Tiere lebensbedrohlich schwächen können, scheinen keine Probleme zu machen.

Allerdings macht das übermässige Nahrungsangebot auf den Matten und im Wald den Gämsen zu schaffen. Ihr Stoffwechsel ist auf karges Nahrungsangebot ausgerichtet: Gräser, Kräuter, Moose, Flechten und Triebe von Sträuchern, wie sie im obersten Waldgürtel der Alpen oder eben im Steinbruch wachsen. Doch rundherum lockt saftiges, viel zu reichhaltiges Gras. So werden sie zu dick, ohne in unseren Niederungen den Fettvorrat im Winter, der für ihre Verhältnisse kaum einer ist, zu brauchen. Welche Auswirkungen dies auf ihre Gesundheit langfristig hat, lässt sich noch nicht sagen. Bislang sei seines Wissens nach keines eines natürlichen Todes gestorben, bilanziert Max Senn. Würde er feststellen, dass ein Tier krank sei, würden er den zuständigen Jagdaufseher informieren, damit das Tier erlegt wird; um weiteres Leid zu vermeiden, aber auch, um eine Ansteckung der anderen Tiere zu verhindern.

So stehen die Chancen gut, dass die Gämsen «alt» werden können: Böcke können in Freiheit ein Alter von 15 Jahren erreichen, Geissen können bis 20 Jahre alt werden.

 

Den Bestand halten

Mittlerweile werden sie – ausserhalb des Steinbruchs – unter strengen Auflagen des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt minimal bejagt, damit anderes Wild nicht konkurrenziert wird und ihr Fressverhalten (Gämsen «weiden», fressen also gründlich alles ab, während Rehe «naschen», wie Max Senn erklärt) im Wald nicht zu viel Schaden anrichtet.  

Wir sind bei einem Aussichtsplatz mit Sitzbank und Feuerstelle angekommen. Vor uns nähert sich eine Gams. Sie scheint uns im Nebel nicht wahrgenommen zu haben, da ihr der Wind unsere Witterung wohl nicht zugetragen hat. Doch eine sachte Bewegung des Menschen lässt das Wildtier blitzschnell kehrtmachen und die steile Felswand hinunterhuschen. Ein kurzer, fremdartiger Laut – knisternd-pfeifend – ertönt: der Warnruf der Gams.

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