«Jura Cement produziert höchst ökologisch»

Beim Aargauer Unternehmenspreis 2018 wurde die Jura-Cement-Fabriken AG (JCF) in der Kategorie Industrie- und Produktionsunternehmen mit dem ersten Rang prämiert. Wir durchleuchten das Unternehmen anhand der Beurteilungskriterien.

Marcel Bieri, Leiter Produktion Zement bei jura cement, und Projektleiterin Vanessa Wippich freuen sich über den ersten Rang des Aargauer Unternehmerpreises 2018 in der Kategorie Industrie- und Produktionsunternehmen.
Marcel Bieri, Leiter Produktion Zement bei jura cement, und Projektleiterin Vanessa Wippich freuen sich über den ersten Rang des Aargauer Unternehmerpreises 2018 in der Kategorie Industrie- und Produktionsunternehmen (Bild: zVg)

von
Susanne Wild

09. Juni 2018
21:40

10‘000 Franken Preisgeld gehen mit dem Gewinn der Goldmedaille beim Aargauer Unternehmenspreis einher. Im Rahmen der Unternehmensbeurteilung hat die Jury die Finalisten nach denselben Kriterien begutachtet:

  • Wie erfolgreich ist das Unternehmen relativ zum Wirtschaftsumfeld?
  • Wie gestaltet das Unternehmen seine Personalpolitik? Welchen Stellenwert haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
  • Welche Zukunftsaussichten hat die Firma?
  • Besteht bezüglich der Erfolgsaussichten Beständigkeit, oder spielen Sonderfaktoren eine wichtige Rolle?
  • Wie geht das Unternehmen mit Kunden um? Wie hebt es sich speziell von den Mitbewerbern ab?
  • Welche Unternehmenskultur pflegt die Firma? Welchen Einfluss haben zum Beispiel Faktoren wie Ethik und Ökologie?

 

«Erprobtes Business Modell» 

«Wir wissen nicht, wie die Jury uns im Detail beurteilt hat», nimmt Marcel Bieri, Leiter Produktion Zement bei Jura Cement, vorweg. Im Gespräch erklärt er, so objektiv wie möglich, welche Argumente für die JCF sprechen. Drei Unternehmen versorgen die Schweiz mit inländischem Zement: Nebst der Jura Cement sind dies die Holcim (Schweiz) AG und die Vigier Holding AG. Das Geschäft läuft gut: Pro Kopf werden in der Schweiz rund 600 kg Zement jährlich verbaut. «Diverse Bauwerke sowie Infrastruktur für Mobilität, Energie- und Wasserversorgung sind die Hauptverbrauchsfaktoren», präzisiert Bieri. 800‘000 Tonnen Zement pro Jahr werden im Werk Wildegg produziert – ausschliesslich für die Schweiz und ein Grossteil für den Verbrauch in der Region. «Zement wird auch in Zukunft gebraucht werden. Das Unternehmen basiert also auf einem erprobten Business-Modell.» 

Allerdings hängt die Produktion, und damit der Fortbestand des Unternehmens, von den Rohstoffvorkommen ab. Diesbezüglich ist das Werk Wildegg auf eine Erweiterung des Steinbruchs Jakobsberg-Egg angewiesen: Aus dem heute bewilligten Steinbruch Jakobsbergg-Egg können noch für vier Jahre Kalk für die Zementproduktion gewonnen werden. «Die Ortsbürger von Veltheim und Auenstein haben bereits deutlich Ja gesagt, dass ihr bei der Steinbruchentwicklung benötigtes Land für einen Gesteinsabbau zur Verfügung gestellt wird. Bei der aktuellen Teilnutzungsplanung zur Steinbruchentwicklung Jakobsberg-Egg steht das Mitwirkungsverfahren kurz bevor und schliesslich werden die Einwohnergemeinden Auenstein und Veltheim dann frühestens Ende 2019 über dieses für JCF zentrale Anliegen befinden», erklärt Marcel Bieri.

 

Ökologie trotz Ökonomie

In den letzten zehn Jahren konnte JCF den spezifischen Stromverbrauch um 20 Prozent senken. Zudem wird die gesamte Restwärme genutzt: 14 GWh werden in das Fernwärmenetz Wildegg eingespeist und versorgen rund 3000 Haushalte mit Strom. Auch bei den Brennstoffen, die im Drehrohrofen verbrannt werden, konnte ein Wert von grosser ökologischer Bedeutung erreicht werden: 80 Prozent der Brennstoffe sind Abfallstoffe, unter anderem Altpneus, die zur Entsorgung exportiert werden müssten, oder Stoffe, die in Verbrennungsanlagen nicht rückstandsfrei entsorgt werden können. «Im Drehrohrofen werden die Brennstoffe energetisch verwertet und die anfallende Asche in das Endmaterial, den Zement, eingebunden», führt Marcel Bieri dazu aus. 

 

Kundenberatung vor Ort

«Das Technical Competence Center ergänzt unser Angebot», sagt Projektleiterin Vanessa Wippich zum entsprechenden Beurteilungspunkt der Jury. «Wir verkaufen nicht nur verschiedene Zementsorten, sondern bieten Komplettlösungen an.» Die Fachleute des TCC beraten unsere Kunden über die optimale Anwendung unserer Produkte und erarbeiten Lösungen für jegliche Fragestellungen in der Zementapplikation. Mehrere als mobile Labore ausgerüstete Kleinbusse ermöglichen unseren Baustofftechnologen die Kontrolle der dabei erzielten Eigenschaften und Qualität, sei dies bei unseren Kunden in den Werken oder auch auf Baustellen.

Im Bereich Personalpolitik punktet JCF zum einen mit langjährigen Mitarbeitern, die hoch motiviert sind und sich mit «ihrer Zementi» stark identifizieren, zum andern mit attraktiven Förderprogrammen für motivierte Berufsleute. «Seit 2017 haben wir unsere Anstrengungen im Rahmen dieses Förderprogramms intensiviert», sagt Vanessa Wippich dazu. Das Young-Talents-Programm etwa ermöglicht  eine besondere, persönliche Förderung durch einen Mentor. Auch steht die Erarbeitung eines internen Projekts innerhalb der Young-Talents-Gruppe im Fokus. Im Bereich der Lehrlingsausbildung ist neu die Ausbildung zum Chemielaboranten bzw. zur Chemielaborantin gestartet worden. Zur Zeit machen sieben Auszubildende eine Lehre bei der JCF.

 

Von Mitarbeitern für Mitarbeiter

Marcel Bieri und Vanessa Wippich sind sich einig, dass die Mitarbeitenden diesen Erfolg beim Unternehmenspreis erst ermöglicht haben. So soll das Preisgeld von 10'000 Franken den Mitarbeitenden sowie der Bevölkerung zugutekommen: Mit dem Betrag will Marcel Bieri einen rund 7 km langen Fitnessparcours mit Ausgangspunkt beim Zementwerk auf den Gemeindegebieten von Wildegg, Auenstein und Veltheim finanzieren. An den Geräten, die in gesunder Natur nahe der Aare zu stehen kommen werden, sollen sich Mitarbeitende sowie Sportbegeisterte aus der Bevölkerung körperlich ertüchtigen können. 

Kommentare (1)

  1. Thomas
    Thomas am 11.06.2018
    Ökologie trotz Ökonomie
    Mich würde es sehr wundernehmen, weshalb die JCF trotz diesem Lobgesang immer noch den Hochkamin aus den 60er-Jahren braucht? Wenn alles so ökologisch ist, entweichen doch gar keine Rückstände mehr aus der Verbrennung, für die eine Verteilung aus einem Hochkamin angewiesen ist.
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