Keine Frage des Geschlechts

Auf den ersten Blick scheint die «Zementi» eine Männerdomäne zu sein. Doch bei der Jura-Cement-Fabriken AG sind von rund 125 Mitarbeitenden deren elf Frauen. Eine davon ist Ramona Keller (29). Als Maschinenbauingenieurin ist sie Projektmanagerin und nimmt an Weiterbildungsprogrammen für junge Talente teil.

Maschinenbauingenieurin Ramona Keller
Maschinenbauingenieurin Ramona Keller (Bild: sw)

von
Susanne Wild

03. Mai 2018
09:00

Es ist ihre erste Anstellung nach dem Studium: Ramona Keller ist seit April letzten Jahres als Projektleiterin im Werk Wildegg der Jura-Cement-Fabriken tätig. Als Maschinenbauingenieurin ist sie im Rahmen des Young Engineers Program über eine Vermittlungsagentur zu JFC gestossen. Für sie sei es «ein Riesenglück, hier angenommen worden zu sein». Die Freude an dieser Herausforderung ist an ihrer lebhaften Art, von der Arbeit zu erzählen, deutlich spürbar. Vom Studium auf eine Arbeitsstelle in wirtschaftlichem Umfeld umzustellen, war nichts Neues für sie: Anschliessend an das Studium hatte sie ein dreimonatiges Praktikum in Sri Lanka absolviert. «Die Leute im Arbeitsprozess hängen von mir ab», fasst sie den Unterschied zum Studium in klare Worte. «Hier bin ich nützlich, ich bin Teil von etwas Grösserem.»

 

Männerdomäne? Kein Problem!

Dass sie mit ihrem Stellenantritt bei JCF ihren Fuss in eine eigentliche «Männerdomäne» setzt, ist für sie weder Thema noch Problem. «Ich bin mit zwei älteren Brüdern aufgewachsen und war im Studium eine von wenigen Frauen», sagt sie und winkt mit einem Lachen um die Augen ab. Sie fühle sich im Betrieb und in ihrer Aufgabe wahrgenommen und könne in der Diskussion um Schwierigkeiten, die Frauen in «Männerberufen» antreffen, nicht mitreden, weil sie nicht davon betroffen sei. Wo Probleme auftauchen, vermutet sie deren Ursache eher in persönlichen Dingen als in geschlechterspezifischen Unterschieden.

Deutlicher fallen ihr Mentalitätsunterschiede auf, doch auch die nicht auf negative Art: Wie Menschen verschiedenen Alters die Dinge verstehen und darüber denken, fasziniert sie. Bei JCF kommt mit dem Werk im neuenburgischen Cornaux die Zusammenarbeit mit Kollegen ennet dem «Röschtigraben» hinzu. Ramona Keller besucht das Werk wöchentlich, in der Regel mittwochs. Im Rahmen ihrer Projekte gilt es, vor Ort Abklärungen zu treffen und Entscheidungen mit Kollegen vorzubesprechen. Es sei spannend, die grundsätzlich etwas andere Mentalität ihrer Westschweizer Kollegen wahrzunehmen und sich darauf einzustellen.

«Ich kann gut auf Menschen zugehen», stellt sie fest. Und die französische Sprache? Sie lacht. Während der Schulzeit habe sie nie richtig Freude am Französisch gefunden, weil der Bezug zum Leben fehlte. Jetzt ist die Freude da: Im Hinblick auf ihre Projekte, die das Westschweizer Werk beinhalten, bekam sie die Möglichkeit, Französisch-Korrespondenzunterricht zu nehmen. Sie nahm das Angebot gerne wahr und zollte damit gleichzeitig den französisch sprechenden Kollegen Respekt.

Einzig bei ihrem Eintritt in die Betriebsfeuerwehr habe sie gemeint, ein kollektives Gefühl von «Aha, jetzt kommen die Frauen auch in die Feuerwehr» wahrzunehmen. «Wer jünger als 40 ist, muss sich in der Betriebsfeuerwehr engagieren», erklärt Ramona Keller dazu. Gleich drei Frauen traten gleichzeitig der Betriebsfeuerwehr bei. «Wir haben uns ganz gut geschlagen», findet sie, «was wiederum zu unserer Akzeptanz beigetragen hat.»

 

Offene Türen für die berufliche Zukunft

Chemie. Das war es, was sie seinerzeit nach der Matur weiterverfolgen wollte, zum Beispiel als Chemieingenieurin. Doch nach eingehenderen Überlegungen begann sie das Maschinenbau-Studium an der ETH Zürich, das sie nach zwei Jahren ETH an der Fachhochschule Brugg-Windisch weiterführte und abschloss. Bei Jura-Cement-Fabriken AG findet sie im Rahmen des nationalen Young Talents Program Möglichkeiten der Weiterbildung und des Austauschs: «Die Idee ist, jungen Menschen ab dem Studium Gelegenheit zu geben, in der Praxis die eigenen Talente zu entdecken, Erfahrungen zu sammeln und damit die weiteren beruflichen Ziele zu finden.» Als Mitglied der CRH-Gruppe bietet JCF hoffnungsvollen jungen Mitarbeitenden über das europaweite Förderungsprogramm International Technical Program die Möglichkeit, in Werken in anderen Ländern zu arbeiten.

Ramona Keller packt die Chancen dankbar, ja enthusiastisch und setzt sich konsequent für den eigenen Erfolg ein: «Disziplin und Effizienz sind mir sehr wichtig im Berufsalltag», hat sie über sich herausgefunden. Dinge nicht aufschieben, sondern sofort zu bearbeiten, damit andere weiterarbeiten können, zum Beispiel. Nur so lassen sich bei jedem Projekt die Budget- und Zeitvorgaben einhalten, nur so hat sie jederzeit den Überblick über den Stand der Dinge. Und es sind viele Dinge, die bei ihr als Projektmanagerin zusammenlaufen. Sie vergleicht ihre Tätigkeit mit dem Bild eines Tellerjongleurs: Jeder Teller muss stets in Bewegung bleiben, damit er nicht von der Stange fällt. «Das braucht mal hier neuen Schwung, mal da.» 

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