Kapitäne der Landstrasse

Es sind Bilder, die die Sehnsucht wecken: tiefblaues Wasser, weiss stiebende Gischt und eine Jacht, die mondäne Eleganz ausstrahlt. Doch wie kommen Schiffe überhaupt auf unsere Seen?

Die Samuel Amsler AG ist eine erfahrene Bootstransporteurin
Die Samuel Amsler AG ist eine erfahrene Bootstransporteurin (Bilder: zVg)

von
Jürg Wyss

20. Mai 2017
23:30

Mit einem Boot oder gar mit einer Jacht auf einem der in prächtiger Kulisse gelegenen Schweizer Seen zu cruisen: Wer träumte nicht davon? Doch bevor ein Bootskapitän das Ruder übernehmen kann, braucht es einen Kapitän der Landstrasse. Denn: Boote werden in einer Werft gebaut. Folglich ist ein Transport zum gewünschten Hafen unumgänglich. Und diese Verschiebung erfolgt mit einem Spezialtransport über die Strasse.

 

Professionelle Bootstransporte

Eine erfahrene Bootstransporteurin ist die Samuel Amsler AG aus Schinznach-Dorf. Das Unternehmen ist auf aussergewöhnliche, anspruchsvolle Transporte spezialisiert. «Wir überführen, meist im Auftrag von Bootswerften oder Eigentümern, die Boote beispielsweise ab Werft oder ab einer Bootsausstellung zu einem Hafen am gewünschten See, wo es zu Wasser gelassen werden kann», erläutert Mitinhaber Ruedi Amsler. Auch Verschiebungen von See zu See gehören dazu. «Für den Transport verladen wir die Segel- und Motorjachten auf unsere modernen, ausziehbaren Tiefbett-Sattelanhänger. Dort werden sie mit speziell für diesen Zweck ausgelegten, variablen und vielfach verstellbaren Stütz-, Auflage-, Spann- und Sicherungsvorrichtungen für den Transport vorbereitet.» Und quasi auf der Brücke des Zugfahrzeugs sitzt ein Kapitän der Landstrasse am «Ruder», der sein Metier beherrscht und für einen sicheren Transport sorgt. «Unsere ‹Kapitäne› sind langjährige, äusserst erfahrene und zuverlässige Fahrer. Sie verfügen über fachliches Know-how, technisches Verständnis sowie über das nötige Feingefühl für ihre Ladung.»

Auf allen Seen zu Hause

Neuenburger-, Murten oder Genfersee, Vierwaldstätter-, Zuger oder Zürichsee, Lago Maggiore oder Bodensee: Die Orte, an denen die Jachten dann zu Wasser gelassen werden, sind über die ganze Schweiz verteilt. «Die Besitzer haben eine starke, emotionale Bindung zu ihren Booten», sagt Ruedi Amsler. «Sie haben hohe Erwartung an einen sicheren, schadenfreien Transport und erwarten einen herausragenden Service.» Selbstredend, dass die Samuel Amsler AG diesen bieten kann. Schon dem Verlad gilt die volle Aufmerksamkeit. Die Auflagepunkte zum Beispiel müssen exakt festgelegt, die Halterung und Verzurrung sorgfältig angebracht, das Boot kompromisslos gesichert  werden. «Die Vorbereitungszeit dauert  deshalb meist gleich lang wie der Transport», betont Amsler.

Vieles gilt es im Vorfeld abzuklären: etwa die Masse des Bootes oder die exakte Route; gibt es Tunnels oder Unterführungen, schmale Brücken, welche eine Durchfahrt verunmöglichen könnten? «Ein Team rekognosziert die vorgesehene Route, damit während des Transports keine Überraschungen auftauchen», sagt Amsler. Es könne aber durchaus vorkommen, dass unterwegs Strassenschilder abmontiert und nach dem Passieren wieder montiert werden müssen. Entsprechend sind die Transporte nicht ganz billig: Rund 1500 bis 2500 Franken muss ein Auftraggeber dafür hinblättern.

Patrouillenboote der Schweizer Armee

Doch die Samuel Amsler AG transportiert nicht nur Traumboote «in Weiss» für Freizeit und Spass. Unter der wertvollen Fracht befinden sich auch Boote, welche weniger durch die eher emotionslos graue Farbe auffallen, als vielmehr durch den sichtbaren Zweck: mit Blaulicht und kräftigen Motoren ausgestattete Patrouillenboote der Armee. Sie gehören einer Motorbootkompanie an, einer Einheit der Schweizer Armee, die den Genietruppen unterstellt ist. 1995 wurde in der Genierekrutenschule 256 in Brugg erstmals ein Motorbootzug mit dreissig Bootsschützen ausgebildet. Die Kompanie betreibt Patrouillenboote auf den Schweizer Grenzseen. Die heutigen «P-80»-Boote sollen im Zeitraum von 2018 bis 2021 durch 14 neue «Patrouillenboote 16» abgelöst werden. Das Patrouillenboot 16 kann 15 Personen transportieren, erreicht dank zwei Dieselmotoren eine Spitzengeschwindigkeit von 65 km/h und ist mit Radar, Infrarot- und Wärmebildgeräten ausgestattet. Boot und Mannschaft sind übrigens bewaffnet.  

Etwa 25 Bootstransporte führt die Samuel Amsler AG pro Jahr durch, wie Ruedi Amsler bestätigt: «Für unsere Kapitäne der Landstrasse stellen diese jeweils eine willkommene Abwechslung dar – und für unser Unternehmen jedes Mal eine logistische Herausforderung.» Doch das Team der Samuel Amsler AG weiss diese zu meistern. 

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!
Unternehmen

Der neue Bözbergtunnel – gebaut mit Schinznacher Beton

Von der Strasse auf die Schiene: Dies ist das Hauptziel der schweizerischen... Weiterlesen Kommentare

Unternehmen

Intelligente Transporte für die Bildung

Wenn die Samuel Amsler AG Betonelemente von der Element AG in Veltheim mit dem... Weiterlesen Kommentare

Unternehmen

Unterwegs für Ariane

Dass unsere Region ganz direkt etwas mit der Raumfahrt zu tun hat, wissen nur... Weiterlesen Kommentare

Unternehmen

Ueli Siegrist, Chauffeur bei Samuel Amsler AG

Wie kommt ein gewaltiges Pistenfahrzeug aus dem Schweizer Mittelland hinauf nach... Weiterlesen Kommentare

Unternehmen

Ein Blick in die Chronik der Samuel Amsler AG

Die Kurzgeschichte eines Schinznacher Unternehmens, das seit 1920 Transporte... Weiterlesen Kommentare

region

Landschaftsgärtner investieren 2,9 Mio.

An einer ausserordentlichen GV der Regionalsektion JardinSuisse Aargau fiel der... Weiterlesen

region

Von Bözen bis Neuenhof: Sänger vereinigt

Der Bezirksgesangsverein Brugg wurde aufgelöst. Er fusioniert mit demjenigen von... Weiterlesen

region

Von Höhenflügen und Abstürzen

Im Proberaum von «Flamencos en route» fand die erste Begegnung von Choreograf... Weiterlesen